Vladimir Nabokov zum Geburtstag 22. April 1899

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Biografie eines außerordentlichen Autors

Vladimir Nabokov – Geboren am 22. April 1899 in St. Petersburg

Vladimir Nabokov

Der erste leise Pulsschlag von Lolita durchlief mich Ende 1939 oder Anfang 1940 in Paris, zu einer Zeit, als ich mit einem schweren Anfall von Interkostalneuralgie darniederlag. Soweit ich mich erinnern kann, wurde der initiale Inspirationsschauer von einem Zeitungsartikel über einen Menschenaffen im Jardin des Plantes ausgelöst, der, nachdem ihn ein Wissenschaftler monatelang getriezt hatte, die erste je von einem Tier hingekohlte Zeichnung hervorbrachte: Die Skizze zeigte die Gitterstäbe des Käfigs der armen Kreatur. Der Impuls, den ich hier festhalte, hatte keine direkte Beziehung zu dem sich daraus ergebenden Gedankengang, der indessen zu einem Prototyp meines vorliegenden Romans, einer Kurzgeschichte von etwa dreißig Seiten Länge… (Vladimir Nabokov)

Lolita

Mit Lolita, erschienen erstmals im Jahre 1955 im Pariser Verlag Olympia Press, erlangte Nabokov Berühmtheit. Mehrere US-amerikanische Verlage lehnten die Veröffentlichung des Romans vorher ab. Sie hielten den Stoff schlichtweg nicht für veröffentlichbar. Der Verlag Simon & Schuster bezeichnete den Roman sogar als reine Pornographie. Leseproben aus dem Roman finden Sie hier>>>

vladimir_nabokov_lolitaIn einem Artikel aus dem Jahre 1987 schrieb Marcel Reich-Ranicki, er habe in dem Roman keinen einzigen Satz gefunden, der ihn auch nur in die Nähe von Pornografie rücke. Die Diskussion halte er für absurd und lächerlich zugleich.
Der Skandal, den die Herausgabe des Romans ausgelöst hatte, war notwendig, um Nabokov vom Rande des Literaturbetriebs in das Zentrum international anerkannter Schriftsteller zu befördern. Graham Greene bezeichnete in einem Artikel in der Sunday-Times das Buch als eines seiner drei Bücher des Jahres.
Die Geschichte einer sexuellen Beziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einer Minderjährigen löste eine literarische Debatte aus, die letztendlich für Nabokovs Durchbruch sorgte. In einer Zeit, als Sexualität an sich noch ein Tabu-Thema darstellte, sprengte der Roman mehr als nur die Grenzen des nach dem herrschenden Zeitgeist Möglichen.
In Frankreich kam es zur L’affaire Lolita. Dem Verlag Olympic Press wurde für einige Zeit ein Verkaufsverbot für alle

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Dominic Swain im Film Lolita – Mehr zum Film mit Trailer

im Verlag erschienenen Bücher auferlegt. Erst im Jahre 1958 gelang es Nabokov schließlich, den Vertrag mit Olympia Press zu kündigen. Lolita erschien im angesehenen New Yorker Verlag G. P. Putnam’s Sons.
Es gab innerhalb kurzer Zeit drei aufeinanderfolgende Auflagen. Innerhalb von drei Wochen waren über 100.000 Exemplare verkauft. Die Diskussionen und das Aufsehen, das der Roman erregte, sorgten dafür, dass er in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Im Jahre 1959 erschien eine erste deutsche Übersetzung.

Adrian Lyne verfilmte den Roman als amerikanisch-französische Co-Produktion im Jahre 1997 mit Starbesetzung: Jeremy Irons, Melanie Griffith, Frank Langella, Dominique Swain. Lynes Film hält sich im Wesentlichen an die Romanvorlage. Er illustriert die Odyssee des skandalösen Paares mit sehenswerten Aufnahmen karger und unwirtlicher Landschaften, untermalt vom einfühlsamen Soundtrack Ennio Morricones. Auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen… Mehr zum Film>>>

Vladimir Nabokov – Leben

Am 22. April 1899 in St. Petersburg geboren, erwartete Vladimir Nabokov als Spross eines alten russischen Adelsgeschlechts eine schwere Zeit. Es war die Zeit der Russischen Revolutionen, die mit dem Oktoberputsch der Bolschewiki im Jahre 1917 ihren Höhepunkt erreichte.

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St. Petersburg um 1900

Wegen der Oktoberereignisse floh Nabokov im Jahre 1917 zunächst mit der Familie auf die Krim. Sein Vater, Wladimir Dmitrijewitsch Nabokow, blieb in St. Petersburg und wurde von den Bolschewisten verhaftet. Später gelang ihm ebenfalls die Flucht auf die Krim. Er war Politiker in der republikanischen provisorischen Regierung, die nach dem Sturz des Zaren die Macht übernommen hatte und der die so genannte Oktoberrevolution ein Ende setzte
Sein Großvater war russischer Justizminister, Mutter Jelena Iwanowna Rukawischnikowa Tochter eines reichen Landbesitzers.
Nabokows Familie war Teil der kosmopolitischen russischen Oberschicht, die mit der Revolution in Russland vernichtet wurde oder das Land verließ. Ein Cousin war der Komponist Nicolas Nabokov. Der Haushalt der Nabokovs war deutlich westlich orientiert. Im Hause gab es englische Gouvernanten und zahlreiche internationale Literatur. Schon als Kind sprach Nabokov Französisch und Englisch.

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Nabokovs Geburtshaus in St. Petersburg Quelle: wikimedia.org

Von der Krim floh die Familie zunächst nach London, später von dort aus nach Berlin. Dort führten die Eltern einen beliebten Salon, der Anlaufpunkt für viele Künstler und Politiker unter den mehr als 350.000 russischen Emigranten im Berlin der 1920er Jahre war. Vladimir Nabokov blieb hingegen zunächst in England, wo er sich in Cambridge am Trinity College einschrieb. Hier studierte er von 1919 bis 1922 Naturwissenschaften, russische und französische Literatur.
Nach Abschluss des Studiums siedelte Nabokov zu seiner Familie nach Berlin über. Sein Vater kam im März 1922 in der Berliner Philharmonie bei einem Attentat ums Leben.
In Berlin arbeitete er als Privatlehrer, Übersetzer, Gelegenheitsschauspieler und veröffentlichte unter dem Pseudonym W. Sirin erste Prosa.
1925 heiratete er Véra Jewsejewna Slonim, die seine große Muse und Begleiterin wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieben die Nabokovs zunächst noch in Berlin, obwohl Véra Jüdin war. 1934 erblickte Sohn Dmitri das Licht der Welt. Im Jahre 1936 entschloss sich die Familie zur Ausreise. Vladimir fuhr nach Paris, Véra ging mit Dmitri zunächst nach Prag zu ihrer Schwiegermutter.
1940 siedelte er in die Vereinigten Staaten über und wurde im Jahre 1945 US-amerikanischer Staatsbürger. Zunächst arbeitete es am American Museum of Natural History in New York als Schmetterlingsexperte. Später begann er eine akademische Karriere, die ihn an die Stanford-Universität, an das Wellesley College, an die Harvard-Universität und schließlich 1948 an die Cornell-Universität führte, wo er eine Professur für europäische und russische Literatur erhielt.
Sein Erfolg als Schriftsteller, den er mit Lolita begründete, erlaubte ihm, sich von der Professur zurück zuziehen und sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen.

Vladimir Nabokov – Werk

Nabokov war ein kränkliches Kind mit starker Bindung zur Mutter.
Seine ersten beiden Leidenschaften waren Schmetterlinge und Gedichte. Bereits mit 17 Jahren erschien sein erster Gedichtband.
In Berlin erschienen, bei Ulstein verlegt, seine ersten beiden Erzählungen Maschenka und König, Dame, Bube. Die Liebesnovelle Maschenka widmete er seiner ersten großen Liebe, Walentina Schulgina, die er 1915 kennenlernte. Die Handlung führt uns in eine kleine Pension in der eine Gruppe russischer Emigranten wohnt. Einer von ihnen, Lev Granin, durchlebt in der Erinnerung noch einmal eine verlorene, leidenschaftlich zurückersehnte Liebe.
Seine zweite große Liebe, Eva Lubrzyńska, findet sich als Figur in – Die Mutprobe – wieder, erschienen im Jahre 1932.
Mit – Der Späher – erscheint im Jahre 1930 sein erster Roman. Eine unglückliche Liebesgeschichte. Der junge Smurow liebt ein Mädchen, das einen anderen erwählt hat. Später wird Marcel Reich-Ranicki in der FAZ urteilen: man könne den Späher sehr unterschiedlich lesen – als psychologische Studie, als Kriminalroman für Anspruchsvolle, als ironisches Genrebild, als amüsantes Denkspiel und schließlich auch als traurige erotische Geschichte. So sei dieses kleine Buch äußerst reichhaltig und vielseitig.
Bereits im Pariser Exil erscheint im Jahre 1983 die – Einladung zur Enthauptung – eine der bittersten Satiren der Weltliteratur.
„In Übereinstimmung mit dem Gesetz wurde Cincinnatus C. das Todesurteil im Flüsterton mitgeteilt.“ Ein Mann sitzt im Gefängnis, auf die Hinrichtung wartens; er träumt, phantasiert, erinnert sich, schreibt und hat Angst. Das Verbrechen, das er auf dem Schafott büßen soll, ist seine Existenz als Einzelgänger.
Nach Lolita erschienen 1957 Pnin. Der Namensgeber des Werkes ist dessen Hauptfigur: Timofei Pnin, ein stets tragikomischer, zum Unglück neigender Antiheld, ein ältlicher, liebenswerter und feinsinniger Collegeprofessor in den USA während der 1950er-Jahre. Im Roman Fahles Feuer aus dem Jahre 1962 erzählt der fiktionale Dichter und Universitätsgelehrte John Shade über die abenteuerliche Vergangenheit des Verfassers, der behauptet, der exilierte König des nordeuropäischen Landes Zembla zu sein.
1969 erschien der Roman Ada oder Das Verlangen – Aus den Annalen einer Familie. Ada erzählt die Lebensgeschichte Van Veens und berichtet von seiner lebenslangen Liebesbeziehung mit seiner Schwester Ada. Als sie sich mit jeweils 11 (Ada) und 14 (Van) Jahren treffen, glauben sie, Vettern zu sein, genauer gesagt: dass ihre Väter Vettern seien und ihre Mütter Schwestern, und gehen eine sexuelle Beziehung ein. Später entdecken sie, dass Vans Vater auch Adas Vater ist und ihre Mutter auch Vans Mutter.
Mit Sieh doch die Harlekine! erschien im Jahre 1974 der letzte abgeschlossene Roman des Autors. Nabokov war empört über seine Biographie aus der Feder des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Andrew Field. Daher begann er nun selbst eine Lebensbeschreibung zu verfassen, die zahlreiche Irrtümer und Falschbehauptungen über ihn beinhaltete. Das Buch erschien in seinem letzten Exil, in der Schweiz.

Die letzten Jahre

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Nabokov Denkmal in Montreux

Im Jahre 1961 siedelten die Nabokovs nach Europa über. Hier führten sie zunächst ein nomadisches Hotelleben ohne feste Adresse. Später mieteten sie sich dauerhaft im Hotel Palace in Montreux, Schweiz, ein. Hier am Genfer See starb er am 2. Juli 1977. Er wurde in Clarens begraben

Marcel Reich-Ranicki über Nabokov: (Er) ist einer der größten Erotiker der Literatur unseres Jahrhunderts, weil er uns alle Schattierungen und Grade der Zuneigung eines Menschen zu einem anderen sehen und spüren läßt, und dies mit ganz unauffälligen Mitteln.

Bücher von Vladimir Nabokov

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Der zweite Kurzurlaub also, drei Tage jenseits der Front, weitab vom Kampfgetümmel des kalten Krieges. Heimaturlaub als Belohnung für die dritte Eichel der Schützenschnur. Zum Glück zwangen ihn die Dienst- und Lebensumstände nicht ein einziges Mal dazu, seine Schießfertigkeiten an einem im Ostseewasser paddelnden oder schwimmenden Republikflüchtling auszuprobieren. Wenn du nicht schießt, wirst du selber erschossen, lautete die Parole. Der Flüchtling, der nichts weiter wollte, als seine Freiheit, war der Feind, der Verräter. Der, der später vielleicht in eine NATO-Uniform gesteckt, auf seine ehemaligen Landsleute schießen würde.
Wer nicht schießt, der wird erschossen, die Perversion eines jeden dieser Dreckskriege. Aber man gehörte ja zu den Guten, zu denen, die der Welt eine bessere Zukunft bringen würden. Notfalls mit Gewalt. Es herrschte Krieg, kalter Krieg, mehrmals am seidenen Faden hängend, mehrmals drohte ein heißer.
Für die Drecksarbeit, DDR-Bürger mit Waffengewalt in ihrer heilen Welt zurück zu halten, war die Marine ohnehin nicht zuständig. Das erledigte die Grenzbrigade Küste. Die trugen zwar ebenfalls Marineuniformen, diese aller-dings mit einem grünen Rand an den Schulterstücken. Igitt, wie unpassend, Blau und Grün. Manch Modedesigner drehte sich mehrmals im Grabe her-um, sähe er das.
Der Marine kam vielmehr die ehrenvolle Aufgabe zu, die größeren Brocken an der Okkupation der Arbeiter- und Bauernäcker wie der sozialistischen Großplattenbauten zu hindern:
hemmungslos_frivol_erotische_erzaehlungenetwa das Raumschiff Enterprise an einer Landung von See her auf dem Territorium der DDR, von der NATO verseuchte Kartoffelkäfer, mit Nuklearwaffen bestückte Delphine, mordlüsterne dänische Robben und sonstige westliche Seeungeheuer. Man erkannte sie daran, dass ihnen die „stars and stripes“ wie die Dollarzeichen aus den Augen gierten. Oder aber einen dänischen Fischkutter abzudrängen, dem das Satelliten-Navigationsgerät ausgefallen war.
Apropos Satelliten-Navigation. Die verfügten bereits über solche Dinger, die NATO, ja, Anfang der Siebziger. Wow, das will man heutzutage gar nicht mehr glauben. Die Russen, Verzeihung, die ruhmreichste und kampfstärkste Armee der Welt, die Sowjetarmee, verfügte ebenfalls seit Anfang der Siebziger Jahre über solche Navigationsinstrumente. Als man die Schiffe der DDR-Marine mit den Basisstationen ausrüstete, mussten zu deren Installation größere Löcher aus den Oberdecks geschweißt werden.
Vor Bernau fahren sie am größten Stützpunkt der Russen in der DDR vorbei. Bei Tag kann man die Kasernen sehen, die Unterkünfte der Gott weiß wievielten Gardedivision der Roten Armee. Manchmal denkt er, die haben nur Gardedivisionen, Gardebrigaden und Gardeflotten zur See. Direkte Verbündete seiner Waffengattung war die „Ruhmreiche Baltische Rotbannerflotte“. Scherzhaft die RUMBALOTTE genannt. Dass die Soldaten da draußen arme Hunde sind, das wusste man damals schon. Dass sie schlechter als Vieh behandelt wurden, und einiges mehr, erfuhr man erst nach der Wende. Er stellt sich gerade vor, im hell erleuchteten Abteil Consuela im Stehen von hinten am Fenster zu vögeln. Ihr offener Mund wie ihre nackten Brüste pressen sich an die Fensterscheibe. Der Zug bekommt keine Einfahrt, er muss anhalten. Draußen neben dem Gleis steht eine Horde Rotarmisten. Die Hosenställe geöffnet, wichsen sie beim Zuschauen … Ich gönne euch das, Jungs! ... Alle Leseproben>>>

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