2021 – Die Apokalypse

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Frank C. Mey – Roman – Leseproben

2021 – Ein Buch über das Leben, die Liebe und über den Tod

„Das Virus.“ – „Der Virus“, berichtigt Mälzer. „Wenn alle etwas falsch sagen oder falsch machen, wird es noch lange nicht richtig davon …“

2021 – Vorbemerkungen

Manchmal kommt es anders (zweitens) als du denkst … Der altbekannte Spruch. „Mutterliebe“ sollte der vorletzte Roman werden, der endgültig letzte liegt als Entwurf seit Langem in einem Ordner auf dem PC. Ob der jemals fertig wird? Wer weiß das schon so ganz genau?
Doch manchmal kommt es eben anders. Da passieren Dinge, mit denen man nicht rechnete, totbringende Krankheiten, an denen andere bereits gestorben sind. Und manchmal geschehen sogar Wunder, kleine wie große. Und dann sitzt man da und überlegt ob das denn nicht erwähnenswert sei, und so entsteht etwas, woran man ein paar Tage zuvor noch nicht dachte – 2021.
Mit dem Roman begann ich im März 2020 und nichts von dem, was ich zu Beginn geschrieben habe, wurde bis zur Veröffentlichung am 3. Oktober 2020 geändert. Einiges davon trat ein, anderes beinahe und ich hoffe, dass alles, was in der Zukunft liegt, so nie eintreffen wird. In meinem ganzen Leben erfuhr ich nie derart viel Ignoranz und Egoismus wie in diesem halben Jahr. Vielleicht mein letzter Roman, die Krankheit schreitet fort, nicht Corona, eher das Herz, die Lunge und der Kreislauf …

2021 – Klappentext

Die Apokalypse – Seit Generationen, seit ihrem Bestehen fürchtet die Menschheit Katastrophen, egal wodurch ausgelöst. Erdbeben, verheerende Vulkanausbrüche, den Einschlag vagabundierender Himmelskörper, Krankheiten, die ganze Landstriche entvölkern. Geschichte und Geschichten berichten davon, die Wissenschaft deckte Spuren auf und rekonstruierte duzende solcher Ereignisse mit globalem Ausmaß. Das war einmal, irgendwann und irgendwo, Bücher schrieb man darüber, Filme wurden gedreht, Vergangenheit, weit weg. Doch plötzlich, vor ein paar Monaten wurde sie Realität, die Bedrohung und keiner weiß, wie und wann sie enden wird – 2021 – Ein Buch über das Leben, die Liebe, den Tod und über den Sinn des Lebens. 3. Oktober 2020

2021 – Leseproben

Hank Hennings tänzelt ungeduldig vor dem Kaffeeautomaten hin und her, während sich die erste Tasse füllt. Lisa Sänger indes genießt ihre sichtliche Überlegenheit, ohne auch nur die Spur Hohn oder Überheblichkeit zu empfinden. Genau genommen tut er ihr leid, sie zählt ihn nicht zu dieser Art Machos, die meinen, jede Frau gehöre ihnen. Er hat etwas an sich, das ihn völlig unaufdringlich anziehend erscheinen lässt. Allein darin lag ihr Grund dafür, dass sie ihn gewähren ließ an diesem Abend, dass sie die Einladung überhaupt erst annahm. Doch schon einen winzigen Augenblick bevor sie das Attribut seiner Männlichkeit spürte, ließ ihre Lust bereits nach, und sie stellte mit Entsetzen fest, dass es allein die Neugier war, die sie in seine Arme trieb, nicht der Wunsch, mit einem Manne zu schlafen. Sie gab sich Mühe, ihn das nicht spüren zu lassen und sie wies ihn nicht einmal zurück, als er sie zu späterer Stunde ein zweites Mal begehrte.

Er kann noch denken …

„Wo ist der Türdrücker, verdammte Scheiße?“ Der glatte Fliesenfußboden bietet keinen Halt, schon gar nicht, wenn man Hausschuhe mit Filzsohlen trägt. Nie wieder, zum Teufel, Hausschuhe mit Filzsohlen! Frank Mälzer flucht, was war gerade passiert? Wände haben keine Griffe, man kann sich an nichts festhalten, noch aufrichten, dasselbe mit der Wohnungstür, scheiß Wohnungstür!
Hätte ich jemals geahnt, dass mir so etwas passieren könnte, nie hätte ich Hausschuhe mit Filzsohlen gekauft, noch wäre ich in eine Wohnung eingezogen, mit einer Eingangstür glatt wie eine Rutschbahn und an deren Wände keine Griffe montiert sind, denkt er in seiner Not. Doch wer montiert schon Griffe an Zimmerwände?
Er kann noch denken!

10. August 2021

2021_roman_frank_c_mey Ein junger Mann, Anfang zwanzig und eine Frau, Ende dreißig, vor der Glaswand der Intensivstation in einer Notfallklinik. Im Bett dahinter ein Mann, angeschlossen an medizinisches Gerät, darüber der Monitor, der die wichtigsten Lebensfunktionen aufzeichnet, die über ein Bündel Kabel dem Körper entlockt werden. Noch laufen Wellen über den Bildschirm hinweg, ein leises Piepsen gibt den Herzschlag wieder. Die Augäpfel des Mannes bewegen sich hektisch hin und her, ab und zu hebt er eine Hand ein Stück nach oben wie zum Gruß. Die beiden wissen nicht ob er sie erkennt.
Durch die Fensterfront an der gegenüberliegenden Wand strahlt ein Hochsommertag in den Raum, dem man nicht ansieht, dass sich die gesamte Menschheit seit gut ein und einem halben Jahr infolge einer Pandemie in einem apokalyptischen Zustand befindet.
Im Hintergrund eine Pappelallee, rechts und links kleinere Mehrfamilienhäuser, übersichtlich strukturiert wie auf einem Schachbrett. Die Siedlung entstand in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wie auch ein größerer Teil des Krankenhauses, früher Armeelazarett. Bauhausstudenten aus Weimar zeichneten für die Planung, was nicht zu übersehen ist.
Die Zeit nach dem ersten großen Krieg, als viele dachten, es ginge nicht weiter, dabei blieb der größte Teil des Kaiserreiches von Zerstörungen verschont. Die kamen fünfundzwanzig Jahre später, da baute man an einem Dritten Reich, vergeblich wie man weiß.
Jetzt wütet ein anderer Krieg, ein solcher gegen einen unsichtbaren Feind, ein Feind der keine Bomben wirft, der nicht schießt, unsichtbar und doch vorhanden, das macht ihn so gefährlich, gefährlicher als jeden sichtbaren Gegner.

Das Damoklesschwert eines drohenden Klimawandels …

Dennoch herrscht Ruhe da draußen, Beschaulichkeit, Idyll, als sei nichts geschehen, als ginge alles weiter wie davor. Trügerische Ruhe, viele wissen nicht, dass dieser Gegner sich längst in ihren Körpern eingenistet hat, andere ignorieren die Gefahr, protestieren gegen Einschränkungen im Alltag, lieber sterben als den Job verlieren. Sofern der Einzelne das für sich in Anspruch nimmt, kann man es sogar verstehen, nicht aber wenn er andere damit gefährdet.
Krieg – was ist das? Die Nachgeborenen, die, die nach dem 8. Mai 1945 das Licht der Welt erblickten, erinnern sich vielleicht an die Trümmer, später sah man ihn, den Krieg, im Kino, nicht selten verklärt, im Fernsehapparat aus dem bequemen Sessel heraus, im angenehm beheizten Wohnzimmer und stets fand er weit weg statt, der Krieg.
Was aber unterscheidet einen unsichtbaren Angreifer von einem Sichtbaren? Ein Unsichtbarer, der den Tod bringt wie der Sichtbare. Greift der an, der, der die Bomben wirft, wird das Kriegsrecht verhängt, während die Gesellschaft schon als der andere tobt, der Unsichtbare, über die Wahrung demokratischer Grundrechte debattiert.
Ist der sichtbare Angreifer, der, der schießt und bombardiert, wichtiger als der andere? Weil er Städte und materielle Werte zerstört? Ist der Erhalt einer Fabrik wichtiger als der Schutz des Lebens? Fragen …
murtterliebe_leseprobenDie Natur indes erscheint friedlich, es interessiert sie nicht wie es den Menschen geht, sie kommt ohne uns aus. Allein der vierte trockene Sommer in Folge erinnert daran, dass Raubbau und Vernichtung natürlicher Ressourcen einen bis dahin ungekannten Höhepunkt erreicht haben.
Das Damoklesschwert eines drohenden Klimawandels beherrschte die öffentlichen Debatten und unterschwellig, ohne dass sie jedes Mal in den Vordergrund rückte, drehten sich die Diskussionen um die Frage nach dem Sinn des Lebens. Müssen wir immer mehr konsumieren? Wo zum Schinder steht geschrieben, dass es uns von Jahr zu Jahr besser gehen soll? Warum legen einige von uns die ungebremste Lust an diesem Raubbau bereits in die Wiegen unserer Kinder? Dieses permanente Streben nach Mehr. Aus dir soll einmal etwas werden, dir soll es einmal besser gehen als uns. Was verstehen die Meisten unter „etwas geworden sein“? Auto, eins genügt nicht, Haus, vom Keller bis unters Dach beheizt, jedes Jahr einen großen Urlaub, nach Übersee, versteht sich, dazu ein paar Städtetrips. Man kann es sich schließlich leisten, man hat es doch zu etwas gebracht!
Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte des zügellosen Drangs nach Konsumtion, das stand und steht vor den Kriegen. Marx irrte, als er die Geschichte der Menschheit primär als eine Geschichte von Kriegen bezeichnete. Der Krieg ist sekundär, das Mittel zum Zweck, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie Carl Clausewitz treffend formulierte.

Bei dem Patienten bestand Hoffnung auf Heilung …

Gib mir deinen Weizen freiwillig, wenn nicht, dann hole ich ihn mir. Aus Weizen wurde Öl, aus Öl wird eines Tages Wasser oder der Kampf ums Überleben schlechthin?
Lebt von dem was Gott euch zum Leben gibt, das galt bis zur Jungsteinzeit, so lange der gerade zum Menschen gewordene Affe sich über Jahrmillionen damit begnügte, Wurzeln und Beeren zu sammeln und Wild zu jagen. Denen, die im gelobten Paradies lebten, dort wo es genug im Überfluss gab, ging es am besten. Die Erinnerungen daran überdauerten Jahrtausende und wurden an Lagerfeuern erzählt. Unsere Väter, deren Väter und die Väter der Väter.
Die beiden tragen Schutzanzüge mit einer Kapuze, darunter Atemmasken, die das Gesicht vom Kinn bis zur Stirn bedecken, vor den Augen eine Abdeckung aus Plexiglas. Anders darf sich kein Mensch mehr im Freien bewegen, sofern er überhaupt die Genehmigung dafür bekommt, sich ins Freie zu begeben oder, wie im vorliegenden Falle, um einen nahen Verwandten auf seinem möglicherweise letzten Weg zu begleiten. Die Ausnahme, die die Frau aufgrund ihrer herausragenden Position in der verbliebenen Hierarchie ermöglicht hatte.
Bei dem Patienten bestand Hoffnung auf Heilung.

26. November 2019

Ein Dienstag. Wohnungswände und Türen haben keine Sprossen, an denen man sich hochziehen kann, Scheiße verfluchte!
Woran sich Frank Mälzer erinnert, während er verzweifelt schimpfend versucht, auf die Beine zu kommen, die Tasse mit frischem Kräutertee, die er sich aus der Küche holte. Und auf dem Wege ins Arbeitszimmer an diese winzig kleine schwarze Spinne, die munter über den Fußboden krabbelte. Warum musstest du dich auch bücken, du Trottel, um dieses arme Tierchen zu zerquetschen, das tut dir doch nichts. Es macht nicht mehr als in irgendeiner dunklen Ecke ein paar Fädchen zu spinnen, an denen Hautschuppen hängen bleiben, von deren Fettanhaftungen die Spinne sich ernährt. Jedenfalls solange sich keine Mücke oder keine dieser lästigen kleinen Essigfliegen darin verfängt. Fällt eine davon rein zufällig ins Rotweinglas, wird der Wein augenblicklich ungenießbar. Die Spinne verhindert das möglicherweise, indem sie die Fliege vorher wegfängt. Nüchtern betrachtet handelt es sich somit um einen Nützling, Nützlinge tötet man nicht. Die Natur schlägt zurück, das hast du nun davon!
Wie sein bisschen scheiß Leben, über dessen Sinn er in letzter Zeit häufiger nachdenkt als früher, plötzlich bruchstückhaft durch den Kopf lief:
Der Arschtritt des Oberbootsmanns auf der Wilhelm, weil er während eines Wendemanövers „Marsbrasse fest“ gegrölt, bevor er den halben Schlag am Block gesetzt hatte. Da war er gerade mal achtzehn.

Der fette Willie, lang, breit wie hoch …

Willst du elender Flachwichser, dad uns dad Marssegel um die Ohr `n fliescht, wenn wir „dat Schip“ an den Wind legen? Der Ton war nicht zimperlich, damals in der sozialistischen Menschengemeinschaft. In der Bundeswehr hätte man den Typen wegen faschistischer Führungsmethoden bestraft. Scheißverein, die Bundeswehr, wie die Weicheier uns je gegen die Russen verteidigen wollen, das weiß der Schinder, oder gegen die Chinesen, oder die Marsianer. Damals verhielt sich das anders, auf der Wilhelm, die ihren Namen nicht vom Kaiser, sondern vom Pieck verliehen bekam. Da heRRschte ORRdnung, die Betonung liegt auf dem „R“!
Die grinsende Dreckfresse des Politoffiziers der Flottille, als der ihm die Genehmigung seines Entpflichtungsgesuchs in die Hand drückte. Mälzer, sie müssen ja mächtige Freunde da oben haben, knirschte der aus seinen von Fusel und Tabak gebräunten Zähnen heraus. Arschloch, dachte wohl, er, Mälzer, hätte die Flagge zum Mielke-Verein hin gewechselt. Das hing ihm später öfter an. Dabei bestand sein einziger Grund, bei der Marine zu dienen, nicht darin, die Arbeiter- und Bauern-Äcker an vorderster Front zu schützen, sondern die Hoffnung auf ein Schlupfloch in den Westen. Nachdem er erkannte, dass ein solcher Versuch ebenso tödlich enden könnte wie ein Spaziergang durchs Minenfeld, sah er keinen Grund mehr bei dem Verein zu bleiben.
Der fette Willie, lang, breit wie hoch ein einziges Maß, für die Hosen brauchte der einen Kofferriemen statt Gürtel, Bezirksdirektor der Bank, bei der er nach der Asche angefangen hatte. Der dicke Willie, wie er ihm die Berufungsurkunde in die Hand drückte, da war er, Mälzer, gerade fünfundzwanzig. Der jüngste Direktor einer Niederlassung in der Geschichte der Bank, hatte die Fettmurmel gehechelt, während ihm, wie gewohnt, die Schweißperlen in Strömen von der feisten Visage tropften … Alles lesen>>>

Der Salonwagen am 3. März 90 …

Ein heißer Erster Mai am Arsch der Welt, da wo es nicht viel mehr als Sand gibt. Sand genug, damit Erwin der Rommel in der Gegend seinerzeit seine Wüstenfüchse trainieren konnte. Offenbar nicht genug Sand, weil die Füchse am anderen Arsch der Welt später sprichwörtlich in den Arsch gingen. Nur weil ein feister Italiener seine Hausaufgaben nicht erledigt, und weil der mit der Rotzbremse meinte, dass teutonische Bauern selbst aus Wüsten blühende Landschaften machen würden.
Wie das geht, das hatten ausgerechnet europäische Juden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Palästina gezeigt.
Wo sonst hätte einer mit fünfundzwanzig Direktor einer Bankniederlassung werden können, wenn nicht am Anus Mundi, hier ist eh alles im Eimer, Christina-Marie, da kann keiner mehr Schaden anrichten.
Der Salonwagen am 3. März 90, an der Seite des anderen Willy, dem mit „Y“ am Ende, der, dem es gelang, der Mauer die ersten Risse beizubringen. Da zählte er, Mälzer, sechsunddreißig Jahre. Und dann: „Jetzt wächst zusammen was zusammengehört.“ Das Wort „Wiedervereinigung“ nahm der nie in den Mund, wahrscheinlich weil er bereits wusste, dass es eher eine friedliche Übernahme werden würde, der Willy, der mit dem „Y“ am Ende. Im Ergebnis einer Revolution, die nie wirklich eine war. Mehr eine Worthülse, zudem kreiert von Westpolitikern, alles andere als revolutionäre Helden. Die fanden danach wenigstens einen Grund, sich in ihrem fraglichen Ruhm zu sonnen.
Der Coup der Treuhand zwei Jahre später, als sie ihm sein Kind nahmen, den privatisierten und vormalig „volkseigenen“ Scheißhaufen von Baufirma, ein Lebenswerk. Von dem Schlag hat er sich für den Rest seines Lebens nie erholt, den Rosinenpickern aus dieser untreuen Anstalt, die über den Osten herfielen wie die Raubritter war das scheißegal …

Vögelgezwitscher …

[…] Piepsende Geräte, Schläuche, ein Galgen über dem Bett, brennender Druck in der Blase, Wachstation.
„Wo bin ich?“ Eine Schwester: „Sie haben einen Schlaganfall erlitten …“
Ein blonder Engel wie damals, da war er neunzehn. Als er, Mälzer, aus der Narkose erwachte nach dem Tauchunfall, Trommelfellruptur, OP am Ohr, wie lange ist das her? Hundert Jahre, beinahe jedenfalls.
Er beugte sich über sein Bett, der blonde Engel, die schöne Schwester und tätschelte ihm die Wangen. Ihre langen blonden Haare kitzelten seine Haut um Augen und Nase herum. Zwei wunderschöne Brustansätze im Kittelausschnitt, als er, Mälzer, die Augen aufschlug. Eine Lichtgestalt, das Licht der untergehenden Sonne, das durch die Fenster drang, umhüllte sie wie eine goldene Aura. Auf diese Art müssen Legenden entstanden sein.
Eine Woche danach, ihm ging es schon wieder besser, gut genug, um junger Mann zu sein, da hatte sie Nachtdienst, dieselbe Schwester. Die Tür zum Wäschelager stand offen, als er nachts vom Rauchen kam, sie sortierte gerade Bettbezüge. Ein heißer August, die Nächte lau, da trägt man nicht viel unter dem einladend kurzen Schwestern-Kittel. Er hatte sie eine Weile beobachtet, wie sie sich ungeniert bückte bei jedem einzelnen Bezug, den sie akribisch zusammenfaltete. Nicht allein ihre Brüste waren schön.
Ein Mädchen sammelt Pilze, sie bückte sich zu tief, jetzt stillt se, scheiß Pilze!
„Wenn jemand kommt?“, sprach sie ängstlich, ohne Schreck und ohne den geringsten Widerstand, da fiel ihr schon das Atmen schwer. Sie trug wirklich nicht viel unter ihrem Kittel.
„Da kommt niemand.“ Der Stapel frisch gewaschener Bettwäsche fühlte sich weich an wie ein Nachtlager. Es hätte ruhig länger dauern dürfen, doch sie flüsterte ununterbrochen in ihr leises Seufzen hinein: „Mach schnell …!“ Vögelgezwitscher.
Die Schwester vor seinem Bett umgibt keine Aura, sie lächelt ihn einzig aus großen Augen heraus an.
„Flinke Finken picken im dichten Fichtendickicht …“, er spricht den Spruch mehrmals nacheinander. Normalerweise verspricht man sich spätestens beim dritten Mal: flinke Pinken ficken … und so weiter …

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[…] und ihre Gedanken fliehen aus dem Büro hinaus …

10. Mai 1998

Ein Sonntag, das Datum verdrängt, doch niemals vergessen. Irgendwo in einem weit entfernten Stübchen ihres Hirns hatte sich etwas eingenistet, was sie nicht täglich wahrnahm, das aber da war, das ihr Leben beeinflusste, wenigstens soweit, dass sie nie den inneren Drang verspürte, mit einem Mann eine Familie zu gründen. Sie selbst erklärte es sich an der Oberfläche damit, dass sie sich nie völlig sicher darin glaubte, bis an ihr Lebensende in den USA bleiben zu wollen. Dies zusätzlich, weil ihr Vater, mit dem sie im Jahre 2000 in die Staaten kam, zu keiner Zeit einen Zweifel daran aufkommen ließ, dass er nach Beendigung seiner Tätigkeit nach Deutschland zurückgehen würde.
Der 10. Mai 1998 – Curd hatte sie in sein Bett getragen, ein zweites Mal an diesem Tag, dass sie sich so nah kamen, so nah, dass sie sich mit ihm vereint fühlte, sie wollte es so. In der Gewissheit, dass er ihr diesen einen Wunsch erfüllen würde, umschlang sie mit beiden Armen dankbar seinen Hals, kaum dass er sie auf seine Arme hob. Die Lippen miteinander verschmolzen, wollte sie, dass dieser erste leidenschaftlich Zungenkuss, den sie je mit einem Mann teilte, nie enden solle. Ihr wurde nicht einmal kalt dabei, als ihr auf dem Wege zum Schlafzimmer einfiel, dass er sie an diesem Tage noch nach München zurückbringen würde. Weil er es musste, nicht weil er es wollte. Sie dachte gar nicht daran, dass das Ende bevorsteht. Sie war gerade erst dort angekommen, wohin sie schon seit Langem wollte. Es sollte der Anfang einer langen, glücklichen gemeinsamen Reise werden.

Sie biss sich auf die Unterlippe …

Beim ersten Mal an diesem warmen Frühlingstag, als sie sich beide auszuruhen gedachten für die Rückfahrt nach München, folgte sie ihm von der Couch, wo sie vorher lange miteinander sprachen, in sein Bett. Sie könne allein nicht einschlafen, sagte sie schmollend, während sie vor seinem Bett stand, wo sie ungeduldig und voller wonniger Erwartung, die jugendliche Hitze wie ein verzehrendes Feuer in ihrem Leib, von einem Bein auf das andere trat …
Seine wunderschöne junge Frau, die er so sehr begehrte wie er nie in seinem Leben eine Frau begehrt hatte, und die ihm gleichzeitig panische Angst einjagte, er könne sie verletzen; wie er, Curd, ihr Curd, ihre erste Liebe, wie er ihr, nachdem sich ihr Wunsch erfüllte, mit liebevollen Worten erklärte.
Er hatte sich beherrscht, nachdem sie ihm ins Bett gefolgt war, wie er sagte, nicht einmal ein Kuss, auf den sie mit Sehnsucht wartete, das habe er bemerkt. Er habe gewusst, wohin ein leidenschaftlicher Zungenkuss führe, wenn man denselben im Bett mit der schönsten jungen Frau dieser Welt teilt. Er habe seine aus den Lenden heraus drängende Erregung vor ihr verbergen können.
Dennoch sei seine Lust gewachsen, als ihre frechen, jungfräulichen Brüste auf seiner Haut ruhten und ihn ohne Erbarmen geärgert hätten, mit dieser unschuldigen Arglosigkeit, allein solch jungfräulichen Brüsten eigen. Und die Hitze, die aus ihrem Schoß herausgedrungen sei, die sich auf seiner Haut ausbreitete, ohne dass er den Ort auch nur berührte.
Ihre frechen, jungfräulichen Brüste, so nannte er sie, so liebevoll, als er sie küsste …
Sie hat ihn sich genommen.
Sie biss sich auf die Unterlippe, als er das Tor passierte, und sie hörte nicht auf zufrieden zu lächeln, nicht einmal nachdem dieser süße Schmerz ihren erhitzten Körper durchlief.

**

„Sind sie weit weg?“ Sie erschrickt, als die Chefärztin sie anspricht.
„Nein, nein, Entschuldigung …“

2. März 2021

2021_roman_frank_c_mey […] Gerade läuft auf Phönix ein Bericht über die Auswirkungen der Pandemie in Teilen Afrikas, dort wo vorher bereits Hunger herrschte. Ausgemergelte Kinder, die Linken machen aus „ausgemergelt“ „aus Gemerkelt“, dürre, halb verhungerte alte Menschen, die an die Bilder aus den befreiten Konzentrationslagern erinnern.
Aus Gemerkelt, als seien wir die Europäer, an all dem Elend allein Schuld und müssten nun, so die von links beherrschten Hilfsorganisationen, all die armen Menschen bei uns aufnehmen.
Dabei weiß er, Mälzer, dass wir Menschen nicht mehr sind als eine Population wie jede andere, manche nicht anders als Ameisen. An die muss er jedes Mal denken, wenn er Berichte aus China sieht, das Gewimmel, der Ameisen-Staat. Wenn allerdings in deren Revier der Nahrungsnachschub nachlässt, legt die Natur den Hebel um und es schlüpft eine Generation mit Flügeln. Die Königin voran fliegt der Schwarm woanders hin. Uns wachsen keine Flügel, aber unbewohntes oder dünn besiedeltes, fruchtbares Land gibt es dennoch genug. Auch solches ohne Regenwälder darauf. Vielleicht leben dort zufällig ein paar vom Aussterben bedrohte Fledermäuse oder Feldhamster, auf die man Rücksicht nehmen müsse. Wer ist denn nun das Maß aller Dinge, der Mensch oder die Fledermaus? Die Antwort auf diese Frage lieferte bereits der griechische Sophist Protagoras vor zweieinhalbtausend Jahren. „Omnium rerum homo mensura est“ – der Mensch ist das Maß aller Dinge und zwar der einzelne, tausendmal und mehr interpretiert. Oder sind wir inzwischen zu träge geworden, Neuland zu betreten?

Nichts auf der Welt bleibt wie es einmal war …

Keine Illegalen Forschungen an diversen Wundermitteln als Ursache der Pandemie, darauf einigte man sich im Laufe der Zeit. Wenn es um dubiose Forschungen geht, fühlen sich wohl mehr oder weniger die Führungen aller Staaten angesprochen und somit ist jeder froh, wenn ihn keiner fragend anschaut.
Von den Fledermäusen könne der Virus kommen, der uns die ganze Schoße eingebrockt hat, wir rückten der Natur immer dichter auf die Pelle, sagen die Klugen. Die, die meinen, es müsse alles so bleiben wie es ist. Wo zum Teufel sollen die zehn Milliarden Menschen hin, auf die wir zusteuern? Wovon sollen die sich ernähren, woher die Energie für die Kühlschränke und Handys, wohin mit den Abfällen? Wie viele Millionen Kühe mehr werden dann ihr Methan in die Atmosphäre rülpsen und furzen und wie viele Millionen Hektar Regenwald werden verschwinden müssen, um all das Viehzeug zu ernähren?
Wenn Fledermäuse tödliche Viren verbreiten, sollte man sie ausrotten, und wenn in der Folge ein paar Rotmilane verhungern, die sich zufällig von Fledermäusen ernähren, geht die Welt nicht unter. Vielleicht suchen die sich danach andere Opfer, Ratten gibt es überall genug.
Nichts auf der Welt bleibt wie es einmal war. Die Wolfsideologen holen den Wolf zurück in deutsche Wälder, obgleich den niemand braucht. Der habe schließlich hier gelebt und sei vor dreihundert Jahren ausgerottet worden. Ach was? Vor zehntausend Jahren lebten Mammuts hier. Kein Mensch kommt auf die Idee, Mammuts aus Elefanten zurück zu züchten, obwohl das möglich wäre. Im russischen Permafrost fand man Mammuts mit komplett erhaltener DNA. Zehntausend oder dreihundert Jahre, was macht das für einen Unterschied bei fünf Millionen Jahren, seitdem der Affe den aufrechten Gang erlernte.
Wütend stellt er den Fernseher ab … Alles lesen>>>

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt – Bertolt Brecht

Text Copyright © 2020 Frank C. Mey
Cover Copyright © 2020 Frank C. Mey/ KDP
Erfurt, Germany
Alle Rechte vorbehalten
ISBN – 9798693205062


Ein Film für den Abend zu zweit:

Die Liebhaberin

die_liebhaberin_filmkritik
Klappentext: Belén, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, nimmt einen Job als Haushälterin in einer reichen Familie an, die am Stadtrand Buenos Aires in einer sogenannten „Gated Community“ lebt. Die sterile Umgebung der Wohnanlage ist gerahmt von hohen elektrischen Zäunen, was auch als Trennlinie zwischen Reich und Arm zu fungieren scheint. Auf einem ihrer Spaziergänge entdeckt die in sich gekehrte Belén ein benachbartes Nudistencamp – und damit die Aussicht auf nie gekannte Freiheit.
Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, u. a. 2017 auf der Viennale den Wiener Filmpreis. Auszug aus der Begründung der Jury: „Lukas Valenta Rinners Spielfilm DIE LIEBHABERIN beeindruckt als Parabel unserer heutigen fundamentalen kulturellen Differenzen genauso wie als mutiger cineastischer Schritt.“ Mehr zum Film mit Trailer>>>


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dunkle_perlen_erotiknovellenWir wussten nicht viel von dieser Welt. Mich wunderte, dass sie so seltsam sprach. Worte, die ich nicht verstand. Umgekehrt schien das ähnlich zu sein. Doch wenn wir Burgen bauten, Löcher in den Sand gruben oder den Wasserball warfen, spielte das keine große Rolle. Der Ball und „the ball“, „borl“, klangen fast ähnlich. Beim „castle“, der Burg, war das schon etwas schwieriger. Das Sand-Loch, „the hole“ klang wie die Hohle. Ein Hohlweg, in dem wir zu Hause als Kinder gern spielten. Der Weg erinnerte stellenweise wirklich an ein Loch. Über solch kleine Eselsbrücken lernte ich meine ersten englischen Vokabeln. Über Badeanzüge, Schambehaarung, Autos, Kassettenrekorder, die verschiedensten Löcher im menschlichen Körper und deren Bedeutung für Glück und Fortpflanzung, steife Glieder, Filmkameras, Kondome, ob Zähneputzen vor dem Schlafengehen nützlich oder schädlich ist wie über untreue Ehefrauen, sprachen wir ohnehin noch nicht.
Die schwarze Mona - Wir besaßen eine Höhle in einer der zahlreichen Heumieten um den Ort herum. Die besagte diente als Futterreserve für den daneben liegenden Schafstall. Maritta besuchte uns, mich nebst drei anderen Freunden, in der Höhle. Berührung war nicht erlaubt, wir durften sie lediglich anschauen, wie sie nackt und breitbeinig auf dem Heu lag und sich selbst befriedigte. Einer nach dem anderen, jeder für sich, und jeder musste vor ihren Augen masturbieren.
Maritta, das Ebenbild einer Zigeunerin – so durfte man seinerzeit Mitglieder dieses Volkes unbeanstandet nennen. Eine schwarze Lockenmähne auf dem Kopf, die sich zwischen ihren Beinen bis weit über den Schamberg hinauf sowie ein kleines Stück an den Innenseiten der Oberschenkel hinab wiederholte, ein Urwald, der Anblick faszinierte mich.
Während sie mit zwei Fingern ihre von Haaren überwucherte Spalte öffnete oder sich am Kitzler rieb, befahl sie uns, vor ihren Augen zu wichsen. Dabei stöhnte sie leise. Wenn sie bemerkte, dass sich etwas ankündigt, streckte sie die Füße aus. Anschließend verrieb sie das Sperma auf ihren Beinen. Der Reigen wiederholte sich so lange, bis keiner mehr auch nur einen einzigen Tropfen heraus brachte. Vor der Höhle in der Warteschleife brachten wir unsere Schwänze wieder in Form, indem jeder den anderen bei der Schilderung seiner Erlebnisse mit Maritta zu übertreffen versuchte.
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Autor: Frank C. Mey

Bewertung des Redakteurs:
5

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