Mary Gaitskill (1988) – Geheimnis der Großstadt

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Bad Behavior – Schlechter Umgang – Leseproben

Geheimnisse oder Nachtseiten der Großstadt – Storys von Mary Gaitskill

Mary Gaitskill bleibt das Maß aller Dinge – The Guardian
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Mary Gaitskill

Geboren am 11. November 1954 in Lexington, Kentucky, USA. An der Universität von Michigan erwarb sie den Bachelor of Arts (B.A.). Seit 2001 ist sie mit dem Schriftsteller Peter Trachtenberg verheiratet. Seit 2005 lebt Mary Gaitskill in New York City.
Ihr erstes Werk brachte ihr gleich den Durchbruch, Kurzgeschichten unter dem Titel „Bad Behavior. Schlechter Umgang“, aus dem die Geschichte „Secretary“ stammt, die als Vorlage für den heute hier vorgestellten Film diente. Mehr zum Film mit Trailer>>>
In ihren Kurzgeschichten, Essays und Romanen setzt sich Mary Gaitskill u. a. mit den Themen Sexualität und BDSM auseinander. Sie erhielt mehrere Nominierungen und Preise und ist seit 2020 Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Ihr letzter Roman erschien im Jahre 2019 und ist unter dem Titel „Das ist Lust“ auch in Deutschland verfügbar.

Leseproben

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Mary Gaitskill

Da ich heute hier auch den Film vorstelle, der nach der Geschichte „Sekretärin“ von Mary Gaitskill entstand, habe ich selbstredend auch eine Leseprobe aus selbiger ausgewählt. Der Film weicht, wenigstens in seiner zweiten Hälfte, in einer Reihe von Details von Mary Gaitskills Story ab.

Sekretärin

Der Anwalt

Der Anwalt war ein kleiner Mann mit dunklen, funkelnden Augen und schmalen, steifen Schultern. Gleichgültig und zugleich energisch fasste er nach meiner Hand. Ich hatte das Gefühl, er hätte mir in den Brustkorb greifen, mein Herz packen und es ein bisschen drücken können, um zu sehen wie es sich anfühlte, ehe er es wieder losließ. „kommen sie in mein Büro“, sagte er.
Wir setzten uns, er musterte mich. „Das ist kein großartiger Job“, sagte er. „Ich habe eine Praktikantin für die Recherchen und Botengänge, und das Korrekturlesen erledigt eine Agentur. Alles was ich brauche, ist eine ansehnliche Schreibkraft, die pünktlich zur Arbeit kommt und ans Telefon geht.“
„Das kann ich machen“, sagte ich.
„Es ist eine sehr langweilige Arbeit.“
„Langweilige Arbeit gefällt mir.“
Er starrte mich an, und nachdenkliche Falten überwölbten seine Augen. „Irgendetwas ist mit ihnen los“, sagte er. „Sie sind sehr verschlossen, sie sind verkrampft. Sie sind wie eine Wand.“
„Ich weiß.“

Erniedrigung

Ich folgte ihm in sein Büro.
„Legen sie den Brief auf meinen Schreibtisch“, sagte er. Ich tat es.
„Jetzt bücken sie sich, so dass sie direkt auf den Brief sehen. Stützen sie die Ellbogen auf den Schreibtisch und beugen sie das Gesicht ganz dicht über den Brief.“ Zitternd und verwirrt tat ich, was er verlangte.
„Jetzt lesen sie sich den Brief durch. Lesen sie ihn immer wieder von vorn.“
Ich las: „Sehr geehrter Mr. Garvy, ich bin Ihnen sehr dankbar für die Bezugnahme …“ Bei dem Wort „Bezugnahme“ fing er an, mich auf den Hintern zu schlagen. Komisch war, dass es mich nicht einmal überraschte. Ich fuhr tatsächlich fort, den Brief zu lesen, obwohl ich von dem Inhalt kaum etwas begriff. Ich begann zu heulen, und unter meinen Tränen verschmierte die Tinte. Das Wort „Erniedrigung“ kam mir mit solcher Macht ins Bewusstsein, dass es alle anderen Wörter wirksam verdrängte. Außerdem ahnte ich, dass der Sinn, der in diesem Wort steckte, schon seit geraumer Zeit mein Leben beherrschte.

Alles normal?

Als ich an jenem Abend nach Hause kam, war alles wie immer …
[…] Aber als ich ins Bett ging und über die Sache nachdachte, stieg Erregung in mir auf. Ich war erregter als je zuvor in meinem Leben. Auch das überraschte mich nicht. Ich fühlte mich dumpf und glaubte, nie wieder mit irgendjemandem ein normales Gespräch führen zu können. Ich masturbierte langsam, um den Höhepunkt so lange wie möglich hinauszuzögern. Aber es gab keinen Höhepunkt, obwohl ich es lange versuchte. Dann konnte ich nicht schlafen.

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Finale

Als ich wieder einen Tippfehler machte und der Anwalt mich in sein Büro zitierte, geschahen zwei ungewohnte Dinge. Erstens befahl er mir, nachdem er aufgehört hatte, mich zu schlagen, meinen Rock hochzuziehen …
[…] Ich zog meinen Rock hoch.
„Ziehen sie ihre Strumpfhose und ihren Slip runter.“ In meinem Bauch rumorte der Brechreiz.
„Ich habe ihnen gesagt, dass ich sie nicht ficken werde. Tun sie was ich sage.“
[…] Zunächst schien er gar nichts zu machen. Dann spürte ich hinter mir das kleine, wilde Aufbäumen gesammelter Energie. Ich musste an ein bösartiges, kleines Tier denken, das mit seinen winzigen Klauen und Zähnen wie besessen einen Gang gräbt. Meine Hüften wurden mit heißem, klebrigem Saft bespritzt.
„Gehen sie und säubern sie sich“, sagte er. „Und schreiben sie den Brief nochmal.“
Das Ende der Story ist unerwartet, aber wenn man genauer hinschaut, nicht uncharakteristisch für die Sekretärin, geschickt von Mary Gaitskill konstruiert, aber lesen Sie selbst>>>
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Mehr zum Film lesen Sie hier>>>

Ein romantisches Wochenende

Sie und ER – beide tragen sie keinen Namen in dieser Story, zwei Namenlose, wie man sie zu Hunderttausenden in den Großstädten antrifft, die, von denen Mary Gaitskill in ihren Erzählungen berichtet, gesichtslos und doch vorhanden, stets auf der Suche nach dem Kick, die „Normalen“ wie die „weniger Normalen“, die, die keinen „normalen Sex“ mehr können oder wollen.

Sie

… wollte einen Mann treffen, in den sie sich kurz zuvor Hals über Kopf verliebt hatte. Sie befand sich in einem Zustand entsetzlicher Angst. Zum einen war er mit einer Koreanerin verheiratet, die er als Inbegriff von Weiblichkeit und Eleganz beschrieb. Aber damit nicht genug, eine Wahrsagerin hatte ihr prophezeit, dass eine Beziehung mit ihm sie für den Rest ihres Lebens emotional zum Krüppel machen könnte. Und schließlich quälte sie die Vorstellung, sie würde einen unvollkommenen Eindruck machen.
[…] Sie fühlte sich wie ein Gegenstand, der sich an allen Ecken und Enden in seine Einzelteile aufzulösen beginnt …

Er

… stand in einer billigen Pizzabude auf der anderen Straßenseite, aß ein fettiges Stück Pizza und beobachtete, wie sie an der Ecke wartete. Ihre Angst war für ihn deutlich sichtbar und wirkte beunruhigend und zugleich auf sonderbare Weise anziehend auf ihn. Ansonsten strahlte ihre Erscheinung wenig Verlockendes aus. Er wusste nicht genau, woran das lag. Vielleicht war es der Anflug von Bescheidenheit in ihrer Kleidung, der Wunsch, nicht aufzufallen, oder, schlimmer noch, sie legte gar keinen Wert auf die Wirkung ihrer Kleidung.
Er hatte sie vergangene Woche auf einer Party kennengelernt. Sie hatte ihn sofort an ein Mädchen erinnert, mit dem er vor Jahren zusammen gewesen war. Sharon …

Normaler Sex?

An jenem Abend ging er mit zu ihr nach Hause. Er lag neben ihr auf der durchgelegenen klumpigen, schmalen Matratze und nickte mit dem Kopf, während er Rauch in das Zimmer blies. Sie stupste ihre Stirn gegen seine Brust. Die Matratze ächzte bei jeder Bewegung. Er erzählte ihr von Sharon. „Ich hatte eine ähnliche Beziehung, als ich auf dem College war“, sagte sie. „Da hat mich einer auf eine Weise aufgemacht, dass ich keinerlei Kontrolle mehr hatte. Er hat mir wehgetan. Er hat mich vollkommen verändert. Seitdem bin ich unfähig zu normalem Sex.“
Er sagte: „Ich will eine Sklavin.“
Sie sagte: „Ich weiß nicht, mal sehen.“
Drei Tage später lud er sie ein, das Wochenende mit ihm zu verbringen …

Wochenende

Sie wollten in dem zur Zeit nicht bewohnten Apartment seiner Großmutter in Washington, D.C., übernachten. Der Gebäudekomplex bestand aus eine Reihe von Wohnblocks, die scheinbar wahllos verteilt und in Form und Farbe an Hässlichkeit nicht zu übertreffen waren. Umgeben waren die Häuser von hellgrünen Rasenflächen und einer Ringstraße, und das Ganze lag an einem ruhigen Highway, der in die Stadt führte.
[…] Sie stellte ihr Glas auf den Couchtisch, ging durchs Zimmer und kniete sich zwischen seine Beine. Sie umschlang seine Schenkel, sie schnupperte zwischen seinen Lenden. Sein Körper spannte sich. Sie öffnete den Reißverschluss seiner Hose.

„Aufhören“

… sagte er. „Warte.“ Sie fasste ihn bei den Schultern – sie hatte einen überraschend kräftigen Griff – und zog ihn auf den Teppich. Sein flirrendes Gewimmel von Bildern und Plänen war plötzlich auf den Kopf gestellt, als hätte es auf einem Tisch gelegen, der von einem randalierenden Irren umgeworfen wurde. Er fühlte sich vergewaltigt und überrumpelt. Dies war nicht das, was er sich vorgestellt hatte, aber wenn er sich wehrte, könnte der Eindruck entstehen, er sei weniger viril als sie. Übertrieben vorsichtig zog er sie aus und brachte ihre beiden Körper in eine günstige Position. Er schlug seine Zähne in ihre Brust und biss zu. albtraum_bad_behavior_leseproben

Sie vögelten

Sie gab einen überraschten Laut von sich und ihr Körper verspannte sich. Er biss sie noch einmal, diesmal kräftiger. Sie schrie. Er wollte Blut saugen. Ihre Schreie waren kurz und erstickt. Er spürte, dass sie versuchte, zu genießen, dass sie gebissen wurde, und dass es ihr nicht gelang. Er nagte an ihrer Brust, Sie stieß spitze Schreie aus. Sie vögelten … Alles lesen>>>

Erzählungen

Mary Gaitskill – Bad Behavior – Schlechter Umgang – insgesamt neun Erzählungen. Liest man die Biografie der Autorin, Stripteasetänzerin, Blumenverkäuferin, Sekretärin, Model und Buchhändlerin, so möchte man meinen, dass sie vielleicht das eine oder andere selbst erlebte, an sich oder in ihrem näheren Umfeld. Scharfe Beobachtungsgabe und ein Schuss Humor, ein lesenswertes Buch mit Geschichten, die sich ähneln und doch nicht gleich sind und somit für Kurzweil sorgen. Lust auf weitere Geschichten?>>>
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Der Filmtipp

… des Tages, „Secretary“, basierend auf der oben erwähnten Erzählung aus der Erzählreihe „Bad Behavior“ von Mary Gaitskill.
Klappentext: Sex, Liebe & Hiebe – Secretary ist der erotische Blick in die Welt einer Sekretärin, die sich, umgeben von Tipp-Ex und Telefon, der Lust der Unterwerfung hingibt, ohne sich unterwerfen zu lassen. In ihrem Chef begegnet sie einem Mann, der sie beherrscht, ohne sie zu erniedrigen. Und dafür liebt sie ihn. Eine „unanständige“ Frau nimmt sich ihr Glück jenseits aller Klischees und gängigen Moralvorstellungen. Ihr Weg dorthin reizt oft zum Lachen, ohne sie und ihre Vorlieben jemals der Lächerlichkeit preiszugeben.
Stern.de schrieb zum Film: Vor Shades of Grey gab es einen Film, der erfrischend ehrlich und klischeelos von einer Sado-Maso-Beziehung erzählte – Secretary. Mehr zum Film mit Trailer finden Sie hier>>>

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