Andersartig tapfer – Ungehorsam – Roman (2006)

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Ungehorsam – Naomi Alderman – Leseproben

Andersartig, lesbisch, in einer streng konservativen Umgebung

Andersartig – Ich weiß noch, wie es sich anfühlte, als ihre kühlen Finger über meine Brustwarzen strichen, wie sie hart wurden, wie die Haut sich runzelte, als führe ein Windhauch darüber …

Andersartig, furchtlos

Wann ist man andersartig? Wenn man aus einer homogen erscheinenden Umgebung herausragt, wenn man sich abhebt, wenn man furchtlos, tapfer seinen Weg geht, sich nicht anpasst, eben anders ist? Von all diesen Attributen erzählt der vorliegende Roman, ohne die Handelnden, die Andersartigen zu heroisieren und ebenso ohne die, die sich in der vermeintlichen Normalität bewegen, dafür zu verurteilen. Geradezu lautlos bewegt sich der Betrachter durch eine streng jüdisch-orthodoxe Welt, von Jahrhunderte alten Traditionen geprägt und die dennoch auch den „Nichtgläubigen“ nicht abstößt.

Die Autorin

andersartig_naomi_aldermanNaomi Alderman – sie lebt selbst am Ort der Handlung, in der orthodoxen jüdischen Gemeinde Hendon im Nordwesten Londons, wo sie auch aufgewachsen ist.
Geboren im Jahre 1974 in London als Tochter von Geoffrey Alderman, Spezialist für anglo-jüdische Geschichte, der sich selbst als unkonventionellen orthodoxen Juden bezeichnete. Nach dem Besuch der South Hampstead High School studierte sie am Lincoln College in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft.
Nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten studierte sie an der University of East Anglia kreatives Schreiben. Ungehorsam ist ihr Debüt-Roman, für den sie die Sunday Times zur young Writer of the Year ernannte. Naomi Alderman setzt sich für Frauenrechte ein.

Der Film

andersartig_ungehorsam_filmkritik Der Roman wurde im Jahre 2017 verfilmt und feierte am 9. September 2017 auf dem Toronto International Film Festival Premiere. Er lief nicht in deutschen Kinos, erschien aber im Jahre 2018 synchronisiert auf DVD. Von einer Leserin meines lesbischen Liebesromans „Chrissys Tagebuch“ empfohlen, kaufte ich die DVD, die zunächst im Regal verschwand und mir erst in diesem Sommer im Zuge des Aufräumens anlässlich eines Umzuges wieder in die Hände fiel. Der Film wurde Anlass dafür, auch das Buch zu kaufen. Mehr zum Film erfahren Sie hier>>>

Der Roman

Ein Sittengemälde jüdisch-orthodoxen Milieus, andersartig auch, als es der Ungläubige kennt und gewohnt ist. Wer soll es besser kennen als die Autorin selbst? Wer ihre Bio liest, jüdische Familie, eine Zeit in den USA gelebt, der möchte meinen, selbst erlebtes habe seinen Platz im Roman gefunden. Die Autorin, Frauenrechtlerin, vielleicht ebenso „andersartig“? Wer weiß das schon so ganz genau? Das erste Viertel zeichnet die Charaktere der Hauptpersonen wie deren Umfeld und die schwelenden Konflikte. Der Rabbi, Dovid, dessen Neffe und Ziehsohn, Dovids Frau Esti, andersartig, so munkelt man, wie Ronit, die vergessene Tochter des Rav Der Tod des Rabbi, des Rav Krushka am Anfang des Handlungsbogens.

Leseproben
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Rav Krushka
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Jüdischer Schatz von Erfurt

So war also die Synagoge am letzten Schabbat des Monats Tischri brechend voll und die Aufmerksamkeit galt bedauerlicherweise mehr dem Rav als den an den Schöpfer gerichteten Gebeten. Den ganzen Morgen über beäugte man ihn voller Sorge. Dovid stand seinem Onkel zwar zur Seite, hielt für ihn den Siddur und stützte ihn am rechten Ellbogen, doch, so munkelte man, vielleicht war die Nähe dieses Mannes seiner Genesung eher abträglich. Dovid war Rabbiner, das schon, aber er war kein Rav. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, denn Rabbiner wurde man schon durch Gelehrsamkeit und Fleiß, den Titel Rav hingegen verlieh die Gemeinde einem geliebten Oberhaupt, einer Lichtgestalt, einem Gelehrten von unübertroffener Weisheit, einem wie Rav Kruschka …

Dovid

Hatte Dovid je öffentlich gesprochen oder eine vortreffliche Dwar Tora aus dem Ärmel geschüttelt, geschweige denn wie der Rav ein von Kraft und Inspiration erfülltes Buch geschrieben? Nein, nein und nochmals nein. Dovid sah ja schon wenig einnehmend aus: klein und untersetzt mit Halbglatze, vor allem aber beseelte ihn nicht annähernd der Geist des Rav, besaß er nicht ein Fünkchen seines Feuers. Kein einziges Gemeindemitglied, nicht einmal das kleinste Kind, sprach Dovid Kupperman mit „Rabbi“ an. Er war „Dovid“ oder manchmal auch nur „der Neffe des Rav, dieser Assistent“.

Esti

Und seine Frau erst! Es galt als ausgemacht, dass mit Esti Kupperman etwas nicht stimmte, dass es ein Problem gab, ein ernstes. Doch so etwas fällt unter den Begriff Laschon Hara – böse Zunge – und darf im heiligen Haus des Herrn nicht einmal geflüstert werden …

Ende und Anfang?
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Alte Synagoge – Ausstellungsort des Schatzes

Und in jenem Moment, da sich alle auf Zehenspitzen dem Allmächtigen entgegenstreckten, ging ein Krachen durch den Saal, als wäre eine der mächtigen Zedern des Libanon gefallen. Die Männer drehten sich um, die Frauen reckten die Hälse. Rav Kruschka lag neben seinem Stuhl. Er stöhnte gedehnt, bewegte sich aber nicht, nur der linke Fuß schlug zuckend gegen die Holzbank, dass es laut und hohl durch die Synagoge hallte.
Stille senkte sich auf den Saal. etwa pochte in den Schläfen der Gläubigen.
[…] Hoch oben stand Esti Kupperman noch an ihrem Platz, während einige Frauen bereits auf dem Weg nach unten waren, um zu helfen.
[…] Und auf einmal war ihr, als fächelten ihr schwere Damastflügel Luft ins Gesicht …

Ronit, andersartig

„Ronit, dein Vater ist verstorben, Du musst nach England.“
„Ich muss überhaupt nichts. Was will ich denn da?“
Beinahe hätte ich Scott davon ( von den Kerzenleuchtern meiner Mutter, Anm.) erzählt, aber dann dachte ich mir, Junge, du verdienst es nicht, Die Zeiten sind vorbei, in denen du so etwas von mir erfahren hast. andersartig. Ich hielt also den Mund und senkte den Blick. Scott, der offenbar dachte, er könne meine Gedanken lesen, nahm meine Hand: „Ronit, ist sie dann auch da, dieses Mädchen, mit dem du …“
Ich lächelte, denn er lag völlig falsch. „Esti? Nein, das glaube ich nicht, Die ist doch sicher längst abgehauen. Sie war damals ja noch schlimmer andersartig als ich.“
Er lächelte, ich lächelte. Wir saßen da und tranken Kaffee, wie alte Freunde …

Wiedersehen

andersartig_ungehorsam_rezensionUnd da stand Ronit. Sie war so, wie Esti sie in Erinnerung hatte, aber sie war noch mehr. Schon auf den ersten flüchtigen Blick war deutlich, dass sie hier nicht mehr lebte; sie war wie eine exotische Blüte, die sich völlig unerwartet zwischen Gehwegplatten emporgeschoben hatte. Sie blühte, sie sah prachtvoll aus, sie war gekleidet wie eine Frau aus einer Zeitschrift oder auf einem Plakat: Die rote Bluse spannte über dem vollen Busen, und ein langer schwarzer Rock betonte die weiche Linie vom Bauch bis zum Po. Esti nahm diesen Anblick in sich auf, erst ein Detail, dann das nächste. Ja, das war Ronit. Schwarze Augen, schwarzer Bob, dunkler Teint, ein Hauch roten Lippenstifts und ein spöttisches Lächeln.
„Esti“, sagte sie, „wie schön, dich zu sehen.“

Liebe

Der Baum des Unglücks, so heißt es, wächst aus dem Samen der Bitternis und trägt die Früchte der Verzweiflung, andersartig. Was wäre geschehen, wenn ich sie nie berührt hätte? Hätte sie sich frei und unbefangen mit Dovid zusammengetan, weil sie es nicht anders kannte? Wenn ich nicht gewesen wäre, hätte sie ihren Seelenfrieden gefunden oder nur ihre Unzufriedenheit anderswo verbreitet? Wenn ich nicht gewesen wäre, hätte sie Dovid dann überhaupt gefunden?

Elektrische Haut
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Jüdischer Schatz von Erfurt – Hochzeitsring

Beim ersten Mal stellten wir uns noch ziemlich ungeschickt an. Wir zwickten die Haare der anderen ein, wir fummelten herum, wir wurden rot. Doch dann lernten wir allmählich dazu. Wir wählten unser Tempo nach unseren Wünschen, im gegenseitigen Verstehen. Von dem Moment an, als ihre Lippen meine berührt hatten, war eine Grenze überschritten, da gab es kein Zurück, das war uns klar. Alles war bereits geschehen. Ich weiß noch, wie es sich anfühlte, als ihre kühlen Finger über meine Brustwarzen strichen, wie sie hart wurden, wie die Haut sich runzelte, als führe ein Windhauch darüber. Ich weiß noch, wie ich erschrak, wie mir heiß wurde. Ich weiß noch, wie sie vor Wonne zitterte. Ich weiß noch, wie wir später in der Schule lernten, dass Menschen elektrische Wesen sind, dass in uns Strom fließt, und wie ich dachte: Das weiß ich, dass die Haut elektrisch ist, das habe ich schon erfahren. Ich erinnere mich nur noch an einzelne Augenblicke  … Alles lesen>>>

Jetzt und hier

Er öffnete die Augen. Schlechte Idee, sagte Rot, blöde, idiotische Idee. Ja, sagte er, ich weiß. Aber ich musste es mir anschauen. Der Augenblick zog sich hin. Rot brach durch, wogte auf, schlug über seinem Kopf zusammen, hinein in seinen Körper, und kochte ihn bei lebendigem Leib. Gut so, Er sah, was er sehen musste.
Im Bett war keine makellose Leere, kein Weiß. Seine Frau war da und ihre Liebhaberin. Esti hatte sich ein Laken umgeschlungen, aber flüchtig, so dass eine zarte rosa Brustwarze herauslugte. Das Haar fiel ihr um die Schultern. Ronit stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben, und er wollte sagen; macht nichts, alles in Ordnung, aber ihm standen höchstens zwei, drei Worte zur Verfügung, und die wollte er als Notration behalten. Denn er sah Esti, und sie war nicht eins, sie war zwei.
Er dachte, und dieser Gedanke amüsierte ihn: Dann habe ich sie also schon verloren. Trotzdem, mehr als Schmerz kann es gar nicht sein.
Sie sagte: „Dovid.“
„Ja“, sagte er, „ich weiß.“

Der Film
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Jüdischer Schatz von Erfurt – Doppelgefäß

mit: Rachel Weisz, Rachel McAdams, Alessandro Nivola; Regie: Sebastián Lelio | Mehr zum Film erfahren Sie hier>>>

Ich habe mir den Roman gekauft, weil ich den Film gesehen habe, und als ich ihn durchgelesen hatte, war ich froh darüber, das Buch gekauft zu haben …


Der Beitrag ist illustriert mit Bildern des Jüdischen Schatzes von Erfurt, der bei Bauarbeiten im Jahre 1998 in der Altstadt gefunden wurde. Ehemaliger Besitzer, so ergaben Forschungen, war der wohlhabende jüdischen Geldverleiher und Bankier Kalman von Wiehe. Vermutlich wurde der Schatz vor dem Hintergrund der Juden-Progrome des Jahres 1349 vergraben. Wie aus Chroniken hervorgeht, überlebte Wiehes Familie die Gewaltexzesse um den 21. März 1349 nicht.
Zu besichtigen ist der Schatz in der restaurierten Erfurter Alten Synagoge>>>

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Abends im Bett fragte ich Viola wegen der Reaktionen, die das Wort „Französisch“ auslöste. „Was, das kennst du nicht? Haben wir nie darüber gesprochen?“, amüsierte sich Viola. Anschließend küsste sie sich abwärts, bis heran an den Ort meiner größten Lust. Das bezeichne man als „Französisch“. Zurück an meinem Ohr gab es einen Vortrag über weitere Bezeichnungen für Liebesspiele in Verbindung mit bestimmten Ländern: Griechisch – Analverkehr, Italienisch – Der Penis werde in die Achselhöhle geschoben, Englisch – Sado-Maso-Sex, Spanisch – Busen-Sex, Titten-Fick genannt, Russisch – Der Penis dringe nicht ein, sondern bewege sich zwischen den eingeölten Oberschenkeln, Japanisch – Der Mann spritze der Frau sein Sperma ins Gesicht.
chrissys_tagebuch_eBook_teil1_und2 „Oh Gott, was ist das denn alles?“ Ich war völlig platt. Viola lachte, außer Französisch kenne sie leider keine weitere Variante, die für Frauen geeignet sei. Stets sei der Penis im Spiel, außer bei Englisch, doch von SM halte sie rein gar nichts. Unsere Vorliebe für das Auslutschen nasser Höschen könnte man vielleicht unter Fetischismus einordnen.
„Japanisch, abgewandelt“, korrigierte ich sie. „Du spritzt mir zwar kein Sperma ins Gesicht, aber manchmal, wenn du weit oben ankommst, so was Ähnliches.“
„Du lernst ja schnell, meine erwachsene Frau“, sagte Viola. Erst jetzt, nachdem ich mein Zeugnis in der Tasche habe, sei ich wirklich erwachsen. Violas liebevoller Blick verschlang mich, als sie sagte:
„Und das letzte Stück Kindheit verlierst du in einer Woche.“ Ich ließ mich auf den Rücken rollen. Die Knie angewinkelt, spreizte ich meine Schenkel soweit es nur ging.
„Kannst du das nicht lieber selber machen?“, schmollte ich, während ich Viola über mich zog. „Wenn du dir den Vibrator zwischen die Beine klemmst, ist es dasselbe wie wenn ein Mann mich entjungfert.“
Viola bewegte sich über mir wie Maria am Morgen unserer ersten gemeinsamen Nacht. „Ficken, ficken, ficken“, sagte sie mehrmals, jedes Mal stieß sie ihr Becken nach vorn. „Wenn du Spaß daran findest, suchen wir uns einen, den wir ein, zweimal im Monat einladen.“ Mehr wolle sie gar nicht.
Plötzlich warf sie sich auf den Rücken. „Wir wollten nicht mehr darüber reden, bis nächsten Samstag nicht“, sagte sie. Je öfter ich mir das ein- und wieder aus rede, umso unsicherer würde ich. „Wir gehen zu Viert essen, anschließend tanzen, und dann schauen wir mal, o. K?“ ... Alle Leseproben>>>

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