Kopfkissenbuch – Privatsphäre in Japan um 1000

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Hofsitten im Japan der Heian-Zeit

Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon

Wie einsam und endlos wird dieser Tag ohne dich sein!“ Dann wird sie ihn den ganzen Tag vermissen und sich nach ihm sehnen … Kopfkissenbuch

Vorbemerkungen

Kopfkissenbuch – Das vermittelt zunächst einen Begriff aus Zeiten, während derer Fotografie oder Film noch nicht existierten oder zu teuer waren, als dass sie in der Breite der Bevölkerung Anwendung fanden. Doch seitdem dieses Genre existiert gibt es mehr oder weniger reizvolle Abbildungen der menschlichsten aller Beschäftigungen – der geschlechtlichen Vereinigung, nicht allein zwischen Mann und Frau, Frau und Frau oder Mann und Mann. Und so alt wie die Kunst an sich, so alt ist die Pornografie in der Kunst, früher lediglich anders bezeichnet. Mehrere Beiträge in diesem Blog beschäftigen sich mit diesem Thema vom Altertum bis in die Neuzeit, wie zum Beispiel: Die Pornografie in der Kunst>>> | oder Gedanken zum Kamasutram>>>

Kopfkissenliteratur

kopfkissenbuch_leseproben… so nannte man Texte, die sich mit eben dem in Wort und Schrift befassten, für Zeitgenossen*innen, die sich Abbildungen dieser oder jener Art nicht leisten konnten. Man las es sich gegenseitig vor, um dasselbe Ergebnis zu erreichen, welches sich der oder die eine oder andere in unserer Gegenwart mit einem Pornofilm herbeiführt, die sexuelle Stimulanz, wenn die eigene Fantasie oder andere Formen der Anregung nicht mehr allein genügen. Wer eine solche Stimulierung beim Lesen des Kopfkissenbuches der in der Überschrift benannten Dame erwartet, wird leider enttäuscht. Und so war auch ich nicht wenig erstaunt, als ich das im Klappentext des Verlages versprochene: „intime Leben und Treiben hinter den Bambusläden und Seidenvorhängen, mit all den lockeren erotischen Formen …“, schlichtweg nicht fand.

Teils rätselhafte Kultur

Ohne das Büchlein schlecht reden zu wollen, doch eine gewisses subtiles Eintauchen in die intime Gedankenwelt der Höflinge und deren Umgang miteinander in dieser Zeit, wenn man sich zu einem tete à tete begibt, hätte man bei diesem Inhaltshinweis schon erwarten können. Vielleicht wenigstens so intim wie wir es bei Kin Ping Me lesen dürfen>>>
Das ist dann aber auch alles was fehlt, ein köstlicher Lesegenuss dennoch, weil man tatsächlich entführt wird in eine teils rätselhafte Kultur, die uns selbst in ihrer heutigen Prägung noch in einer reihe Schattierungen fremd erscheint, geschweige denn vor gut eintausend Jahren.

die_legende_von_goemonDie Heian-Zeit

Die Zeit der japanischen Klassik mit der Hauptstadt Heian-kyō, dem späteren Kyōto, aus der der Name stammt, von 794 bis 1185. Japan war unter einem Kaiser vereint und die kaiserliche Macht war stabilisiert bis zum Ende der Ära im Jahre 1185. Dem Beginn des japanischen Mittelalters mit dem Zerfall der Zentralstaatlichkeit, was bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts anhielt. Vor diesem historischen Hintergrund der erneuten Einigung Japans im ausgehenden 16. Jahrhundert spielt der großartige japanische Historienfilm „Die Legende von Goemon“

Die Autorin

Wer die Dame Sei Shonagon wirklich war, woher sie stammte und wie sie hieß, ist nicht bekannt. Wie der Verlag dem Leser wissen lässt, handelt es sich bei „Sei“ um den Familiennamen und Shonagon bezeichnet ihren Hofrang. Das Kopfkissenbuch, ein Tagebuch, das die Verfasserin offenbar unter ihrem Kopfkissen verborgen hielt, soll entstanden sein in der Zeit von 1001 bis 1010. Es zählt zu den Klassikern der japanischen Literatur.

Das Kopfkissenbuch – Leseproben

Sommerliches Bild

Während zarte Morgennebel aufsteigen, kommt jemand herein. Ich möchte wissen, woher? Dieser Jemand trägt weite, blau-violette Hosen und einen glänzenden, tautriefenden Seidenmantel. Sein Haar ist recht unordentlich unter die Mütze geschoben. Der ganze Kavalier macht einen unfertig angezogenen Eindruck. Er summt leise das „Oo no Shitakusa“.
Vielleicht hatte er im Sinn, seiner Liebsten einen Guten-Morgen-Gruß zu schicken, während noch der Tau die Herrlichkeit des jungen Tages verbirgt. Als er nun zu dieser offen stehenden Tür kommt, muss er den Bambusvorhang ein wenig lüften und hindurchspähen. Vielleicht hat die Einsame dort auf ihrem Lager dieselben Gedanken […]

Sie ist nicht schüchtern …

… aber ihr Herz gehört einem anderen. Vermutlich bedauert sie, in einer solchen Unordnung überrascht zu werden.
„Einen hübschen langen Morgenschlaf hatten sie, nachdem man sie alleingelassen hat“, beginnt er und schiebt sich langsam durch den Bambusvorhang.
„Und sie scheinen mir ein merkwürdiger Mann zu sein, wenn sie ihre Liebste verlassen, ehe noch der Morgentau getrocknet ist“, gibt sie schlagfertig zurück.
Vielleicht ist das alles nicht wert, aufgeschrieben zu werden, aber die Haltung der beiden, wenn sie miteinander sprechen ist reizend … Alles lesen>>>

In der Nacht

Ich liebe das Gefühl, immer wachsam, immer „auf Posten“ sein zu müssen, schon bei Tage, wie viel mehr aber noch bei Nacht, wenn man jeden Augenblick auf etwas Unverhofftes gefasst sein muss. Die ganze Nacht über hört man das Kommen und Gehen draußen im Korridor. Hie und da verharren Schritte, draußen, vor einer ganz bestimmten Tür. Dann hört man leises Klopfen, ganz verstohlen, mit einem Finger.

Oh, der Augenblickk …,

… wenn sie weiß: Er ists! Zuerst lässt sie ihn eine Weile klopfen, ohne sich durch einen Laut zu verraten. Natürlich wünscht sie nicht, dass er denkt, sie habe einen recht gesunden, tiefen Schlaf, darum lässt sie durch ein winziges Rascheln ihres seidenen Gewandes wissen, dass sie wacht. Lauschend hört sie, wie er gelassen seinen Fächer bewegt. Im Winter hört er das leise Klirren der Zange, wenn sie Holzkohle im Becken aufschichtet. Dann klopft er nochmals, ein wenig lauter, und sie huscht zur Tür …

Falsche und echte Kavaliere

Ich verabscheue einen Kavalier, der allein in seinem Wagen zu Festlichkeiten fährt, mag er sonst sein wie er will. Man sollte immer junge Leute mitnehmen, die wirklich Freude an dergleichen Dingen haben. Es sieht so jämmerlich aus, seine einsame Gestalt durch den Vorhang zu beobachten, wenn er sich den Hals ausreckt wie ein Kranich, um zu sehen, was vorgeht!
Hassenswert ist auch der Kavalier, der, wenn er seine Liebste bei Morgengrauen verlässt, im Dunkel umhertappt, nach Fächer und Taschentuch sucht und dabei murmelt: „Wo mag das Zeug nur stecken!“ Hassenswert! – Nein, das Wort ist noch nicht stark genug: Abscheulich ist so ein Benehmen!

Angemessenes Verhalten

Das wirklich angemessene Verhalten eines Kavaliers, der seine Freundin in der Morgendämmerung verlässt, sollte etwa so aussehen: Er ist sehr traurig darüber, dass er schon gehen muss. Er wird sich zögernd aufrichten und seufzen, wenn sie ernsthaft sagt: „Oh, es wird so hell! Nun musst du aber gehen!“ Aber noch immer sollte er dann nahe bei ihr sitzen und ihr Zärtlichkeiten ins Ohr flüstern, so wie ers die ganze Nacht getan hat. Endlich kleidet er sich ohne jede Eile an. Wenn er wirklich aufbrechen muss, gehen beide zusammen bis zur Gartentür, und wenn sie sich trennen, klagt er: „Wie einsam und endlos wird dieser Tag ohne dich sein!“ Dann wird sie ihn den ganzen Tag vermissen und sich nach ihm sehnen …
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Über die Liebe

Nein, was sind die Männer doch für seltsame Wesen! Wie wäre es sonst zu begreifen, dass sie die Schönste sitzen lassen und mit irgendeiner mittelmäßigen Schönheit vorlieb nehmen!
Wer zur Hofgesellschaft zählt oder ihr doch nahe steht, sollte sich unter so viel Gutem nur das Allerbeste wählen. Nie sollte ein Kavalier denken, dass eine Dame zu hoch an Rang über ihm stehe. Liebt er sie, sieht er sein Glück in ihr, dann sollte er werben um sie, und wenn es auf Leben und Tod ginge … Alles lesen>>>
Das Kopfkissenbuch, Weisheiten, die man bisweilen auch heute noch beherzigen sollte, in diesem Sinne – Der Autor dieses Blogs


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Ins Japan des ausgehenden 19. Jahrhunderts entführt uns der Film, den ich Ihnen heute vorstellen möchte, Nagisa Oshimas preisgekröntes Werk

Im Reich der Leidenschaft

Klappentext: Als sich die bildhübsche Frau eines alternden Rickschamannes in einen jüngeren Soldaten verliebt, scheint es nur einen Weg zu geben, die neu erweckte Leidenschaft zu stillen: Gemeinsam ermorden sie den Ehemann der Frau und werfen den Leichnam in einen ausgedienten Brunnenschacht. Doch drei Jahre später ist das Verbrechen noch nicht vergessen. Als „Erscheinungen“ des Toten die Träume der Dorfbewohner heimsuchen, beginnt ein Polizist zu ermitteln … Mehr zum Film mit Trailer>>>


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Der zweite Kurzurlaub also, drei Tage jenseits der Front, weitab vom Kampfgetümmel des kalten Krieges. Heimaturlaub als Belohnung für die dritte Eichel der Schützenschnur. Zum Glück zwangen ihn die Dienst- und Lebensumstände nicht ein einziges Mal dazu, seine Schießfertigkeiten an einem im Ostseewasser paddelnden oder schwimmenden Republikflüchtling auszuprobieren. Wenn du nicht schießt, wirst du selber erschossen, lautete die Parole. Der Flüchtling, der nichts weiter wollte, als seine Freiheit, war der Feind, der Verräter. Der, der später vielleicht in eine NATO-Uniform gesteckt, auf seine ehemaligen Landsleute schießen würde.
Wer nicht schießt, der wird erschossen, die Perversion eines jeden dieser Dreckskriege. Aber man gehörte ja zu den Guten, zu denen, die der Welt eine bessere Zukunft bringen würden. Notfalls mit Gewalt. Es herrschte Krieg, kalter Krieg, mehrmals am seidenen Faden hängend, mehrmals drohte ein heißer.
Für die Drecksarbeit, DDR-Bürger mit Waffengewalt in ihrer heilen Welt zurück zu halten, war die Marine ohnehin nicht zuständig. Das erledigte die Grenzbrigade Küste. Die trugen zwar ebenfalls Marineuniformen, diese aller-dings mit einem grünen Rand an den Schulterstücken. Igitt, wie unpassend, Blau und Grün. Manch Modedesigner drehte sich mehrmals im Grabe her-um, sähe er das.
Der Marine kam vielmehr die ehrenvolle Aufgabe zu, die größeren Brocken an der Okkupation der Arbeiter- und Bauernäcker wie der sozialistischen Großplattenbauten zu hindern:
hemmungslos_frivol_erotische_erzaehlungenetwa das Raumschiff Enterprise an einer Landung von See her auf dem Territorium der DDR, von der NATO verseuchte Kartoffelkäfer, mit Nuklearwaffen bestückte Delphine, mordlüsterne dänische Robben und sonstige westliche Seeungeheuer. Man erkannte sie daran, dass ihnen die „stars and stripes“ wie die Dollarzeichen aus den Augen gierten. Oder aber einen dänischen Fischkutter abzudrängen, dem das Satelliten-Navigationsgerät ausgefallen war.
Apropos Satelliten-Navigation. Die verfügten bereits über solche Dinger, die NATO, ja, Anfang der Siebziger. Wow, das will man heutzutage gar nicht mehr glauben. Die Russen, Verzeihung, die ruhmreichste und kampfstärkste Armee der Welt, die Sowjetarmee, verfügte ebenfalls seit Anfang der Siebziger Jahre über solche Navigationsinstrumente. Als man die Schiffe der DDR-Marine mit den Basisstationen ausrüstete, mussten zu deren Installation größere Löcher aus den Oberdecks geschweißt werden.
Vor Bernau fahren sie am größten Stützpunkt der Russen in der DDR vorbei. Bei Tag kann man die Kasernen sehen, die Unterkünfte der Gott weiß wievielten Gardedivision der Roten Armee. Manchmal denkt er, die haben nur Gardedivisionen, Gardebrigaden und Gardeflotten zur See. Direkte Verbündete seiner Waffengattung war die „Ruhmreiche Baltische Rotbannerflotte“. Scherzhaft die RUMBALOTTE genannt. Dass die Soldaten da draußen arme Hunde sind, das wusste man damals schon. Dass sie schlechter als Vieh behandelt wurden, und einiges mehr, erfuhr man erst nach der Wende. Er stellt sich gerade vor, im hell erleuchteten Abteil Consuela im Stehen von hinten am Fenster zu vögeln. Ihr offener Mund wie ihre nackten Brüste pressen sich an die Fensterscheibe. Der Zug bekommt keine Einfahrt, er muss anhalten. Draußen neben dem Gleis steht eine Horde Rotarmisten. Die Hosenställe geöffnet, wichsen sie beim Zuschauen … Ich gönne euch das, Jungs! ... Alle Leseproben>>>

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