Leonhard Frank – Bruder und Schwester

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Leseproben aus einem Hohen Lied der Liebe (K. Strecker)

Ein Plädoyer für die Abschaffung des Paragrafen 173

Er lauschte dem Flüstern der Geliebten und des Wassers, das eins war, als hätte die Natur in dieser Sekunde nur einen Mund …

Beischlaf zwischen Verwandten

Dem Roman von Leonhard Frank vorangestellt ein Vers Goethes:

Seht die Lilien an:
entspringt nicht Gatte und Gattin auf einem Stengel?
Verbindet beide nicht die Blume, die beide gebar,
und ist die Lilie nicht das Bild der Unschuld,
und ist ihre geschwisterliche Vereinigung
nicht fruchtbar?
Wenn die Natur verabscheut, so spricht sie es laut aus.

leonhard_frank_bruder_und_schwesterBereits im Jahre 2014 sprach sich eine Mehrheit des Deutschen Ethikrats (14 von 25 Mitgliedern) für eine Änderung des Paragrafen 173 aus. Die Änderung betrifft nachfolgende Komplexe:
1. Straffreiheit für einvernehmlichen Sex zwischen erwachsenen Geschwistern. „Die Mehrheit des Deutschen Ethikrates ist der Auffassung, dass das Strafrecht nicht das geeignete Mittel ist, ein gesellschaftliches Tabu zu bewahren“, teilte das Gremium mit. Das Grundrecht erwachsener Geschwister auf sexuelle Selbstbestimmung sei in diesen Fällen stärker zu gewichten als das abstrakte Schutzgut der Familie – zumal dem Ethikrat ausschließlich Fälle bekannt geworden seien, in denen Halbgeschwister nicht gemeinsam aufwuchsen und sich erst im Erwachsenenalter kennen lernten.
2. Einvernehmlicher Sex unter Geschwistern soll auch dann nicht mehr strafbar sein, wenn einer der Partner noch unter 18 Jahren alt ist und ein „lebenspraktischer Familienverbund“, der durch die sexuelle Beziehung geschädigt werden könnte, nicht mehr besteht.
In Europa existiert ein solcher Paragraf nicht mehr in Portugal, Spanien, Frankreich und Benelux.

Der Autor – Leonhard Frank

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Leonhard Frank

Geboren am 4. September 1882 in Würzburg, gestorben am 18. August 1961 in München, war Frank einer der bedeutendsten Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geprägt von seiner politischen Vorstellung eines solidarischen und humanen Zusammenlebens der Menschen, erfahren seine Werke eine eindrucksvolle psychologische Vertiefung der Charaktere wie der behandelten Themen.
Nach dem Besuch einer evangelischen Konfessionsschule in Würzburg, erlernte er den Beruf eines Fahrradmechanikers, arbeitete später als Labordiener, bevor er im Jahre 1904 nach München ging, um Kunstmaler zu werden. Ab 1905 studierte er in München an der Kunstakademie. In dieser Zeit hielt er sich in der Schwabinger Bohème-Szene auf. In der Bad Uracher Künstlerkolonie wohnte er zeitweilig bei dem Lyriker und späteren DDR-Kulturminister Johannes R. Becher. 1910 siedelte Frank nach Berlin über, wo er 1915 Wienerin Lisa Ertel heiratete.
Sein erster großer Erfolg in Deutschland war der 1914 erschienene Roman „Die Räuberbande“, für den er den mit 1000 Reichsmark dotierten Fontane-Preis erhielt. Weil er 1915 in einem Berliner Café einen sozialdemokratischen Journalisten ohrfeigte, emigrierte er anschließend in die Schweiz. Nach Ende des 1. Weltkriegs beteiligte er sich an der Münchner Räterepublik.
1928 wurde Frank in die Preußische Akademie der Künste gewählt. Nach der Machtergreifung der Nazis emigrierte Frank über die Schweiz, England nach Paris, wo er nach Kriegsausbruch interniert wurde. Noch vor Eintreffen der Wehrmacht, gelang ihm die Flucht nach Marseille, von wo aus er 1940 in die USA floh. 1950 kehrte Frank nach Deutschland zurück und blieb als Mitglied der Deutschen Akademie der Schönen Künste und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften bis zu seinem Tod in München.

Leseproben

Eltern

An einem regnerischen Nachmittag im Herbst des Jahres 1906 saßen Herr und Frau Schmitt, deren Ehe tags vorher geschieden worden war, beim Rechtsanwalt, um die materiellen Dinge zu ordnen. Auch Frau Schmitts Vertreter war da […]
Frau Schmitt konnte mit drei Zahlen charakterisiert werden: Sie war dreißig, sah aus wie zwanzig und hatte die Schuhnummer 34. Immer und in jeder Lebenslage war jemand da gewesen, der ihr alle Sorgen und Verantwortung abgenommen hatte.
Herr Schmitt unterschrieb das zweite Vertragsexemplar und bat gleichzeitig, noch eine Vereinbarung über die Kinder beizufügen. Sie hatten sich, auch vor dem Scheidungsgericht, dahingehend geeinigt, dass der achtjährige Konstantin beim Vater und die dreijährige Lydia bei der Mutter bleiben solle, und nun wünschte Herr Schmitt noch, dass die Mutter sich bereit erkläre, in gar keiner Weise mehr in die Erziehung des Knaben einzugreifen, da ein Kind nur Schaden nehmen könne, wenn es von zwei gleichberechtigten Personen beraten werde …

Geschwister

Zur selben Zeit brachte die alte Kindfrau, eine Ostpreußin mit wuchtiger Kartoffelnase und winzigen, klugen Augen, die schon Frau Schmidts Kindheit betreut hatte, die kleine Lydia zu Bett. Das lange Nachthemd, das in der Taille mit einem Goldfaden abgebunden war, hatte Lydia schon an. Ohne diesen Goldfaden schlief sie nicht ein.
Ihr Haar war so schwarz wie die Seidenfransen eines schwarzen Schals, und die länglichen Riesenaugen, tiefblau, hatten einen flaschengrünen Schimmer. Das Mündchen lachte.
Sie streckte die winzige Hand vor, die von der Knienden gewaschen wurde, und blickte dabei still und dennoch äußerst interessiert hinüber zu Konstantin, der mit Buntstiften ein Gesicht zeichnete.
Die Kindfrau holte das Handtuch, sah im Vorbeigehen dem Maler über die Schulter und erkannte in der gewaltigen Nase mit den winzigen zwei Punkten links und rechts sich selbst. „Du Teufel, du frecher!“
Der Achtjährige, den die Natur schon durch die Gesichtsbildung und wie die Augen denkend blickten, als ernstes Menschenkind gezeichnet hatte, fühlte aus der Tiefe seines Wesens unwiderstehlich den Übermut aufsteigen. Er konnte den Triumph darüber, dass sie sich selbst erkannt hatte, nicht unterdrücken … Alles lesen>>>

Lydia

Sie trug ein schwarzes Seidenkleid. Der Saum des Unterkleides, das erst in der Mitte der Brust begann, war sichtbar, und oberhalb des Saumes schimmerte das blendende Weiß der Brüste durch den dünnen Flor.
Eine Sekunde blieb sie in der Hotelhalle stehen, horchend auf die Jazz-Band, deren hackende Töne von weit hinten aus dem Lichthof kamen. Sie hatte noch niemals den Tee im Lichthof genommen. Heute war alles anders. Sie schritt den Tönen entgegen.
Nicht die untadelige Schönheit ihrer Beine, deren Linien wie in Weißglut vollendet vom Knie abwärts flossen zum schmal modellierten Fuß, war das Bedeutsame, sondern dass in diesen Beinen, wenn sie in Bewegung waren, das innerste Wesen Lydias ergreifend zum Ausdruck kam. Die Beine flossen so gerade herab, dass beim Schreiten nicht zwei Millimeter Luft zwischen den Knien war, und innen zog von der Wade empor zur Kniekehle diese Linie ihres Frauentums.
Es schien nur so, als bliebe beim Schreiten das beseelte Knie stets etwas gebeugt […]
Sie sah ihn lange an, die männliche Stirn im Profil, die über den Augen vorgebaut war, das fest sitzende Ohr und die haarfreie Stelle hinter dem Ohr, die sie zuerst mit den Lippen berühren würde. „Mir ist etwas geschehen. Es ist mit mir geschehen.“

Konstantin

Als Konstantin, der seinen trainierten, wohl proportionierten Körper in jeder Bewegung beherrschte, durch den Lichthof schritt und mit kaum bemerkbarer Geste wortlos den Kellner fragte, ob das Tischchen frei sei, machte er den Eindruck eines Mannes, der für jede Annäherung unzugänglich ist. Aus seinem sonngebräunten Gesicht, scharf, faltenlos und etwas zu mager, kam ein Blick, der ihn von den Menschen wegzurücken schien. Sein Haar, dunkelblond, war auf dem Scheitel von der Sonne etwas heller gebleicht. Konstantin war sechsundzwanzig Jahre alt. Der Ernst seines Wesens ließ ihn älter erscheinen […]
Die allererste Empfindung Konstantins war die eines heftigen Schmerzes in der Herzgegend, dann durchschoss ihn ein heftiger Strom, Nacken und Rücken herunter, durch Schultern und Arme, bis in die Fingerspitzen …
In dieser lebensentscheidenden ersten Minute, da er abgewandten Kopfes wieder vor sich hin sah, formte sich in seiner Seele das Bild ihres Wesens, unverrückbar und für immer.
Braucht ja nur den Kopf zu heben, dann kann er das brennende Bild in seinem Inneren vergleichen mit ihr (Lydia).
Er tat es nicht […]
In einer Minute wusste er, dass sie in diesem Hotel wohnte, kannte die Zimmernummer. Konstantin wusste Lydias Blume. Erst im vierten Geschäft fand er die Maréchal-Niel-Rosen. Er schickte den Strauß ohne Karte. Dann fuhr er in sein Hotel, packte, und Minuten später standen seine Koffer in den Zimmern neben ihrem Apartment.
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Die Liebe

Vor ihm spazierte Lydia, wie eingehüllt in ihre Schönheit, da sie in so eigener Art den Kopf etwas geneigt hielt. An ihrem Rücken sah er, dass sie fühlte, wie nah er ihr war. Da schritt er neben ihr. „Bitte erlauben sie. Mein Name ist Konstantin Berant. Das hätte jeder andere sagen können.
Sie hob nur kurz, ganz kurz den Blick in seinen Blick. „Sie sind so braun. Waren sie in den Tropen? Ich dachte es schon gestern.“
Jeder Schritt, den sie taten, führte sie tiefer hinein in die heimliche Schlucht, wo vor den Sohlen der Liebenden die Blumen sich neigen und der Dornbusch wartet: das Glück.
„Bitte sagen sie noch einmal: Ich dachte es schon gestern.“
Und da sie noch schwieg, aufblitzenden Blickes: „Bitte sagen sie es noch einmal.“
Sein Herz lauschte.
Und Lydia, die wusste, dass diese Worte für ihn nun zum Geständnis ihrer Hinneigung wurden, sagte wie zu sich selbst: „Ich dachte es schon gestern.“ Da gab sie ihm den vollen Blick, das ganze stolze Gesicht.
Eine Sekunde noch hielt er an sich, dann öffnete der Jubel seine Lippen. „Wir sollten in London heiraten. Da geht das alles viel einfacher und schneller als in Deutschland. Keine Formalitäten … Nun ja!“, rief er übermütig, weil ihre Schultern zuckten vor lautlosem, unwiderstehlichem Lachen … Alles lesen>>>


Der Film des Tages:

David Lynch – Mulholland Drive

mulholland_drive_strasse_der_finsternis Thriller oder Erotikdrama? Eine Frau soll offenbar ermordet werden. In der Folge eines Unfalls, verlieren die vermeintlichen Killer ihr Leben, die Frau entkommt mit einer Tasche voller Geld. Sie versteckt sich, wird von der Schauspielerin Betty gefunden. Die Frau hat ihr Gedächtnis verloren. Beide gehen auf die Suche nach Ritas, so nennt sie sich zunächst, wahrer Identität.
Lynch lässt den Zuschauer rätseln. Zwischendurch Szenen eines Filmteams, es geht um die Finanzierung eines Films, mafiose Gestalten, einer spricht italienischen Akzent. Der Regisseur (Justin Theroux) lässt sich nicht zwingen, die Hauptrolle mit einer vom Produzenten vorgesehenen Frau zu besetzen, er wird gefeuert. Später holt ihn ein mysteriöser Cowboy zurück. Hat der versuchte Mord etwas mit Rita zu tun? Das Geld in der Tasche, vielleicht Schweigegeld?
Die beiden Frauen schlafen miteinander, während des Geschlechtsakts kehrt Ritas Gedächtnis zurück. Es beginnt ein Trip in ein Mysterium … Mehr zum Film>>>


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Sie wusste nicht genau, was sie wirklich mit Jo an dessen Auto wollte. Es ging ihr lediglich viel zu schnell, als er, kaum angekommen versuchte, sie auf die Motorhaube zu schieben.
„Ich weiß, du bist Jungfrau“, keuchte er, als er versuchte ihren Rock nach oben zu schieben, als er nach ihrem Höschen griff.
„Ich bereite dich vor, damit du locker wirst. Im Auto habe ich eine Decke für den Rest… Wir können auch zu mir fahren, wenn du willst.“
traeume_lernen_laufen_taschenbuchSeine Hand lag kalt auf ihrem nackten Schenkel. Alles in ihr wurde mit einem Mal kalt. Er küsste sie nicht einmal, er schob sie nur auf das kühle Metall wie ein Stück Fleisch. Sie spürte sein steifes Glied an ihrem Bauch, nachdem er sich über sie lehnte. Er musste wohl während der letzten Schritte, ohne dass sie es bemerkte, bereits seine Hose geöffnet haben. Bevor seine Hand ihren Schoß erreichte, stieß sie ihn zur Seite, wütend lief sie den Weg zurück.
„Du bist gar nicht mein Typ, du blöde Fotze!“ rief er ihr nach.
Sie war gekränkt. Nicht von dem, was er gerade vor hatte. Sie war gekränkt von seinen Worten. Blöde Fotze, das sagte noch niemand zu ihr.
Nach dem letzten Wort stellte er die Flasche weg, um sie anschließend auf den Bauch zu drehen. Die nächste Wanderung begann er an ihren Füßen, er umschiffte mehrmals den Hafen, in den die bis zum Rand gefüllten Schiffe gewöhnlich irgendwann einlaufen, um sich zu entladen. Am Ende war es sein Mund, den er ein zweites Mal eintauchte, seine Zunge am Molenkopf, an der engen Einfahrt.
Ein Rausch der Sinne, dem sie sich hingab. Große, kräftige, dennoch solch wunderbar zärtliche Hände, die zupackten als er ihre Po-Backen auseinander zog, um danach erneut so sanft über ihre Haut zu gleiten, wie ein Pianist, der die Tasten des Klaviers streichelt. Sie kam mehrmals, ein einziger nicht enden wollender Orgasmus ... Alle Leseproben>>>

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2 Kommentare zu "Leonhard Frank – Bruder und Schwester"

  1. Ich finde es geradezu Ekelerregend, dass sie hier für Inzest werben, das ist doch völlig abartig

    • Wo lesen Sie Werbung für Inzest? Der Roman beschreibt die Nöte zweier Menschen, die beim Zusammentreffen nicht wussten, dass sie Bruder und Schwester sind. Nach geltendem Recht würden die bestraft, würden Si das wollen?

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