Lolita und der deutsche Leutnant

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Ein Essay von Michael Maar

Nabokovs Lolita – Ein Plagiat?

Der deutsche Leutnant – Die Lolita

heinz_von_lichberg_lolitaDer Leutnant Heinz von Eschwege, geboren als Spross eines alten hessischen Adelsgeschlechts im Jahre 1890 in Marburg. Den Namenszusatz Lichberg legte er sich selbst zu und als Heinz von Lichberg veröffentlichte er unter anderem eine Erzählung, die, wie Nabokovs Skandalroman, den Titel „Lolita“ trägt.
Lichberg war der deutsche Leutnant, Kavallerie-Offizier im 1. Weltkrieg, nach dessen Ende ging er als Journalist nach Berlin, wo er für den Berliner Lokal-Anzeiger schrieb. Lichbergs Lolita erschien im Jahre 1916 als Teil des Erzählbandes „Die verfluchte Gioconda“, verlegt vom Darmstädter Falken-Verlag.
Bekanntheit erlangte er mit seiner Reportage über einen Transatlantikflug eines deutschen Zeppelins, der ihn im Jahre 1929 nach New York brachte.
Von Lichberg trat 1933 in die NSDAP ein und gehörte bald zur Schriftleitung des „Völkischen Beobachters“. Seine Stimme hört man heute noch, wenn man sich Dokumentationen zu Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 anschaut. Er war einer der beiden Reporter, die mit enthusiastischer Stimme über den Fackelzug der SA am Abend dieses für Deutschland so verhängnisvollen Tages berichteten.
1936 trat von Lichberg in die Wehrmacht ein und gehörte ab 1939 dem Oberkommando der Wehrmacht, Abwehrabteilung II, an. Im Jahre 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er bereits nach einem Jahr wieder entlassen wurde. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Lübeck, wo er am 14. März 1951 starb.

Michael Maar

Manchmal kann es vorteilhaft sein, wenn man auf einer Internetseite die ansonsten all zu oft nervige Werbung eingeblendet bekommt. In diesem Falle handelte es sich um einen Hinweis auf das in der Überschrift benannte Buch Michael Maars, das im Jahre 2005 erschienen war. Längst vergessen die Aufsehen erregende Enthüllung aus dem Jahre davor. Als er in einem FAZ-Artikel nachwies, dass Nabokovs Lolita wohl einen Vorläufer hatte, der unter demselben Namen im Jahre 1916 in oben erwähntem Erzählband erschien. Nicht nur die Titel sind dieselben, sondern es bestehen auffallend ähnliche Handlungen. Der Artikel löste eine internationale Debatte aus, die zumindest Menschen nicht entgangen sein dürfte, die sich ein wenig mehr als allgemein üblich mit Literatur beschäftigen.
lolita_und_der_deutsche_leutnant Maar wurde am 17. Juli 1960 in Stuttgart geboren. Er studierte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Germanistik und Psychologie und ist seitdem als Schriftsteller und Literaturkritiker tätig. Im Jahre 1995 wurde er für seine Dissertation über Thomas Mann mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Lolita und Ur-Lolita

Neben Lesenswertem über eine wohl schillernde aber kaum bekannte Persönlichkeit der deutschen Literatur, Heinz von Lichberg, erfährt man in akribischen Vergleichen beider Werke sowie der Lebenswege der Autoren Lichberg und Nabokov sehr viel Interessantes darüber, ob es sich bei Nabokovs Lolita um ein Plagiat, um eine zufällige Ähnlichkeit oder möglicherweise um eine unbewusste Erinnerung an eine kurze Geschichte handelt, die Nabokov während seiner Berliner Jahre zufällig in die Hände bekam, sie las, um sie wenig später wieder zu vergessen. Drei Möglichkeiten, keine davon wird völlig ausgeschlossen, doch welche der Verfasser des Essay favorisiert, erfährt der geneigte Leser, wenn er sich das Büchlein selbst zur Hand nimmt. Dass Maar, so viel sei vorweg genommen, mit seinen Betrachtungen offenbar nicht die Absicht verfolgte, das Werk Nabokovs zu „entzaubern“, verrät er mit einem Verweis auf das so genannte „höhere Abschreiben“. So benannt von keinem Geringeren als Thomas Mann. Auf Seite 12 schickt Maar bereits voraus:
Was wäre gewesen, wenn Vera ihn (Nabokov) nicht davon abgehalten hätte, das gefährliche Konvolut zu vernichten? Im Londoner Ritz hätte es kein Hallo gegeben. Nabokov wäre als Literaturprofessor und writer`s writer gestorben. Die Internet-Suchmaschine Google würde heute nicht vierzehn Millionen Einträge für den Titel herausspucken. Das Städtchen Lolita in Texas hätte nicht erwogen, einen anderen Ortsnamen zu beantragen. Lolita hätte nicht den Kategoriensprung vom Namen zum Begriff gemacht. Die Literatur des 20. Jahrhunderts wäre um eines ihrer kühnsten Werke ärmer. Eine gedruckte Lolita gäbe es trotzdem …
Geschmeidige, blutjunge Mädchen in beiden Werken. Zwei reife Männer, die fast in ein und demselben Hergang deren Reizen verfallen. Der eine, nachdem er ins Ausland reist und sich dort in einer Pension einmietet. Es ist um ihn geschehen, als er die Tochter des Hauses trifft:
Der freundliche, gesprächige Wirt wies mir ein Zimmer mit wundervoller Aussicht aufs Meer an und es stand mir nichts im Wege, eine Woche ungestörter Schönheit zu genießen. Bis ich am zweiten Tag Lolita sah, Severos Tochter.

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„Du bist so stark“, flüsterte sie

Sie war blutjung nach unseren nordischen Begriffen und hatte zu ihren umschatteten, südlichen Augen eine seltene, rotgoldige Haarfarbe. Ihr Körper war knabenhaft schlank und geschmeidig und ihre Stimme voll und dunkel.
Aber nicht ihre Schönheit allein fesselte mich – es ging ein seltsames Rätsel von ihr aus, das mich in den Mondnächten oft fragend überkam …

Dass der Reisende sich nicht allein an der Schönheit dieses so reizenden Geschöpfes erfreute, umschreibt von Lichberg mit dem folgenden Bild:
Goldene, heiße Tage und silberne, schwermütige Nächte. Und dann kam der Abend unvergesslichster Wirklichkeit und märchenhafter Verträumtheit, da Lolita auf meinem Balkon saß, wie so oft, und mir leise Lieder sang.
Aber plötzlich ließ sie die Gitarre zu Boden gleiten und trat mit zögernden Schritten zu mir ans Geländer. Und während ihre Augen den flimmernden Mondschein im Wasser suchten, schlang sie ihre zitternden Ärmchen wie ein bettelndes Kind um meinen Hals, lehnte ihren Kopf an meine Brust und begann haltlos zu schluchzen. In ihren Augen standen Tränen, aber ihr süßer Mund lachte. Das Wunder war geschehen.
„Du bist so stark“, flüsterte sie.

Tage und Nächte kamen und gingen vorbei – das Mysterium der Schönheit hielt sie in ewig gleichbleibender, dingender Gelassenheit umsponnen …
In Nabokovs Lolita liest sich das so:
Ich ging noch immer hinter Mrs. Hasze her durch das Esszimmer, als es plötzlich grün um uns her wurde. Die „Piazza“, sang meine Geleiterin, und ohne die geringste Warnung schwoll eine blaue Meereswelle unter meinem Herzen, und auf einer Binsenmatte in einem Sonnenteich kniete halbnackt meine Riviera-Liebe, drehte sich auf den Knien zu mir her und sah mich über dunkle Brillengläser forschend an.
Es war das gleiche Kind – die gleichen zerbrechlichen, honigfarbenen Schultern, der gleiche seidige, geschmeidige nackte Rücken, der gleiche kastanienbraune Haarschopf …
^
Die Tage und Nächte, die Nabokovs Humbert mit Lolita verbringt, werden allerdings ein wenig naturalistischer beschrieben. Zu den Leseproben>>>
Von Lichbergs „Lolita“ ist, wie eine weitere aus dem Erzählband, in Maars Buch abgedruckt. Die andere:

Atomit

Eine eher groteske Kurzgeschichte mit tragikomischem Ausgang, die mich beim Lesen mehrmals zum Schmunzeln brachte. Ein Erfinder erscheint mit zwei Paketen beim Präsidenten des US-amerikanischen Kriegsdepartements. Dem erklärt er, dass er jeden Krieg in einem einzigen Tag beenden können. In dem Behältnis befinde sich ein Gramm Atomit: c_date_mobil Dieses Gramm genügt vollkommen, um etwas hunderttausend Menschen in ungefähr einer Minute zu töten, wenn sie dicht genug beieinander stehen.
Zuerst wird der Erfinder belacht, doch nachdem der die Wirkung an einer Maus demonstriert, lässt sich der Präsident zu einem größeren Feldversuch überreden.
Tiere werden zusammen getrieben, der erste Versuch gelingt. Der zweite hingegen gerät zum Desaster, weil die Frauen zweier Offiziere verspätet auf dem Versuchsfeld erscheinen und in ihrer Unwissenheit, worum es sich bei den seltsamen Gegenständen handelt, die Waffe auslösen. Die Männer sterben, die beiden Frauen und die Versuchstiere bleiben am Leben. Dabei ein alter Esel und ein hinkender Dackel.
Der alte Esel aber, froh des Geschehenen, trabte stadtwärts in seinen Stall. Unterwegs meinte er zu dem hinkenden Dackel, der mit ihm lief: „Siehst du, mein Freund, wären diese schönen Damen nicht gewesen, dann wären wir jetzt tot! Aber die Mensche hätten keinen Streit mehr untereinander ausgefochten. So aber, weil es diese schönen Damen gibt, werden die Kriege in Zukunft wohl etwas länger dauern als einen Tag!“
Es war nur ein alter Esel, aber für seine Verhältnisse sprach er eigentlich ganz vernünftig.


Für die Unterhaltung noch ein Film, in dem es zwar nicht um schmächtige Nymphen und verliebte, alte „Säcke“ geht, sondern um die sexuellen Probleme Heranwachsender in einem verlorenen norwegischen Dorf.

Turn me on

turn_me_on_titel Eines der gelangweilten Mädchen will nach Texas, um dort die Todesstrafe abzuschaffen. Der 15-jährigen Alma geht es hingegen mehr um Sex. Selbstbefriedigung, zu der sie sich in einer Telefonsex-Hotline inspirieren lässt, genügt ihr nicht. Richtiger Sex ist für sie wichtiger. Warum? Weil sie keinen hat. Sie träumt nur davon, Tag und Nacht, mit Arthur als Mittelpunkt. Ob es Wirklichkeit oder nur Traum war, dass Arthur am Rande einer Party seines Penis aus der Hose zog, um denselben an Almas Bein zu drücken, wird im Film nie so ganz klar. Der Spruch: „Arthur hat mich mit seinem Schwanz gepiekst“, zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch den ganzen Film hindurch und drückt Alma den Stempel auf: Schwanz-Alma.
Ein unterhaltsamer Streifen aus unserem norwegischen Nachbarland, eine Teenager-Komödie mit einigen, teils tragikomischen Einlagen. Die FSK 12 – Einstufung täuscht und verwundert zugleich, geht es doch in einigen Szenen so ziemlich zur Sache. Verbal wie bildlich … Mehr zum Film>>>


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„Du bist gar nicht mein Typ, du blöde Fotze!“ rief er ihr nach.
Sie war gekränkt. Nicht von dem, was er gerade vor hatte. Sie war gekränkt von seinen Worten. Blöde Fotze, das sagte noch niemand zu ihr.
Nach dem letzten Wort stellte er die Flasche weg, um sie anschließend auf den Bauch zu drehen. Die nächste Wanderung begann er an ihren Füßen, er umschiffte mehrmals den Hafen, in den die bis zum Rand gefüllten Schiffe gewöhnlich irgendwann einlaufen, um sich zu entladen. Am Ende war es sein Mund, den er ein zweites Mal eintauchte, seine Zunge am Molenkopf, an der engen Einfahrt.
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