Michel Houellebecq – Serotonin

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Eine Abrechnung mit der modernen Gesellschaft

Es ist die Gegenwart, die dich tötet

Sie wichste, blies und vögelte etwa fünfzehn Männer, die geduldig warteten, bis sie an der Reihe waren und für die vaginale und anale Penetration Kondome benutzten …

Serotonin – Ein Glückshormon

Serotonin, auch 5-Hydroxytryptamin (5-HT) oder Enteramin, ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter. Es kommt unter anderem im Zentralnervensystem, Darmnervensystem, Herz-Kreislauf-System und im Blut vor. Der Name dieses biogenen Amins leitet sich von seiner Wirkung auf den Blutdruck ab: Serotonin ist eine Komponente des Serums, die den Tonus (Spannung) der Blutgefäße reguliert. Es wirkt außerdem auf die Magen-Darm-Tätigkeit und die Signalübertragung im Zentralnervensystem … So steht es in Wikipedia zu lesen.
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Ich bekam Lust auf das Buch nach dem Lesen einer Rezension von Sabine Glaubitz in der Thüringer Allgemeinen. „Zynisch, Sexistisch, kritisch und düster“, stand in der Überschrift. Um es vorweg zu nehmen, ich habe es nicht bereut, die 24,- EURO berappt zu haben, wenn man sich auch zuerst hinein lesen muss in einen nicht alltäglichen Schreibstil mit nicht enden wollenden Sätzen. Durch Kommas getrennt, dort wo man mit Punkten rechnen müsste. Mein strenger Deutschlehrer in der Abiturstufe hätte einen Aufsatz in diesem Stil in der Bewertungsrubrik „Schriftlicher Ausdruck“, na sagen wir mal, nicht besser als mit einer Drei bewertet.
Ein paar Seiten gelesen, erkennt man, dass gerade dieser Stil des Autors den Leser hineinziehen will in die Hilflosigkeit, die Ausweglosigkeit, in das teils hastige Umherirren der Hauptfigur, der keinen anderen Ausweg als Flucht und ein neues Antidepressivum namens Captorix sieht.
Ob es mich glücklich macht oder eher abschreckt, dass selbst Sarah Wagenknecht, eine meiner Lieblings-Politikerinnen, in einem Stern-Interview zu ihrem Rücktritt am 22.03.2019 zugab, das Buch gelesen zu haben, weiß ich hingegen nicht so ganz genau. „Gern gelesen habe ich auch den jüngsten Roman von Michel Houellebecq, Serotonin“, ließ sie wissen. Weiter sagte sie: „Houellebecq beschreibt die Leere, die der Neoliberalismus erzeugt, den Verlust an Werten und Zusammenhalt in einer Gesellschaft, in der sich alles rechnen muss.“ Der Neoliberalismus eben, eine ihrer Lieblings-Vokabeln. Gut, in dieses Buch, das äußerst kritisch eine Reihe von Zuständen im Frankreich der Gegenwart beschreibt, kann man so ziemlich alles hinein interpretieren, was mit Globalisierung und deren Folgen zu tun hat. Der Untergang der Landwirtschaft vor dem Hintergrund industrieller Tierhaltung einerseits und vor Billigimporten landwirtschaftlicher Produkte andererseits. Einer der Helden des Romans, der letztgenanntes verhindern wollte, begeht Selbstmord.
Die Hauptperson, die aus Verzweiflung über eben genannte Umstände alles liegen und stehen lässt und sich aufs Land flüchtet, könnte man in jedes System hinein implementieren. Menschen, die an äußeren Umständen verzweifeln, gab es immer und wird es immer geben. Veränderungen zu ertragen, nicht leicht für jeden. Am Wenigsten für die, die sich mit ihrer Umwelt aktiv und bewusst auseinandersetzen. Doch die Welt wird sich weiterhin verändern, ob zum Guten liegt allein in unserer Hand. Wie schrieb schon Goethe? „Alles was entsteht ist Wert, dass es zugrunde geht …“

Produktplatzierung

Nicht unerwähnt soll bleiben, ein Merkmal der zeitgenössischen Literatur (und nicht nur der Literatur), wie ich bereits des Öfteren feststellen musste: Produktplatzierung. In diesem Buch besonders signifikant. Der Mercedes, nicht allein der Name, nein, die exakte Baureihe, G 350 TD, bereits auf der ersten Seite. Selbst Waffenhersteller und deren Typen mit ihren guten Eigenschaften, werden minutiös aufgezählt. Auf kaum einer Seite fehlt der Name eines Produkts. Da stellt sich die Frage, ob nicht die Verlage oder die Autoren bei einigen Herstellern vor Buchveröffentlichung für das Werbebudget hausieren gehen. Sei es wie es sei, eine Unsitte.

Der Autor

Michel_HouellebecqMichel Thomas, sein bürgerlicher Name. Geboren laut Geburtsurkunde am 26. Februar 1956 in Saint-Pierre auf Réunion (seinen eigenen Angaben nach wurde er 1958 geboren). Er erhielt mehrere Ehrungen für sein Werk, unter anderem im Jahre 2010 den Prix Goncourt, der als ältester und bedeutendster Literaturpreis Frankreichs gilt.
Die frühe Kindheit verbrachte er in Algerien. Nach der Scheidung der Eltern, kam Houellebecq im Alter von sechs Jahren ins Pariser Umland zu seiner Großmutter väterlicherseits. Die war Kommunistin. Deren Geburtsnamen wählte er später als Künstlernamen.
Wie man in seiner Biografie lesen kann, litt er eine Zeit lang an Depressionen und musste sich in psychiatrische Behandlung begeben. Somit liegt die Vermutung nahe, dass er im vorliegenden Roman möglicherweise selbst erlebtes verarbeitet hat. Dasselbe gilt für mehrere Ehen und Beziehungen, an die sich der Romanheld erinnert.
In den achtziger Jahren begann er, Gedichte zu schreiben. Internationale Bekanntheit erlangte er mit seinen Romanen Extension du domaine de la lutte von 1994 (Ausweitung der Kampfzone, 1999) und vor allem Les Particules élémentaires von 1998 (Elementarteilchen, 2001), die beide verfilmt wurden. Mehr lesen Sie bitte Hier>>>
Die bereits oben zitierte Rezensentin schrieb: Das Buch wäre kein echter Houellebecq, gäbe es nicht pornografische Ausführungen über Sex. Die Tatsache, dass die Hauptfigur mit der Einnahme des neuen, geradezu revolutionierenden Antidepressivums Captorix allmählich seine Libido verliert, nimmt, neben der Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen, im Roman sehr viel Raum ein. Da es in diesem Blog um Erotik geht, möchte ich meinen Lesern daher diesen Bereich näher bringen.

Leseproben

Zwei Fremde

Die Geschichte beginnt in Spanien, in der Provinz Almeria, genau fünf Kilometer nördlich von El Alquián an der N-340 …
Ich hatte ihn (den G 350 TD) gerade mit Diesel vollgetankt und trank, an die Karosse gelehnt, langsam eine Coke Zero, von einer zunehmenden Niedergeschlagenheit befallen bei dem Gedanken, dass Yuzu am nächsten Tag ankommen würde, als ein VW Käfer gegenüber der Luftdruckstation hielt.
Zwei junge Frauen um die zwanzig stiegen aus, und selbst aus der Entfernung war zu erkennen, dass sie hinreißend aussahen; ich hatte in letzter Zeit vergessen, wie hinreißend Frauen sein konnten, es versetzte mir einen Schreck wie ein übertriebener Knalleffekt im Theater. […] ich wurde von einer leichten Panik befallen, als eine der beiden auf mich zukam. Sie hatte langes, ganz leicht gewelltes, kastanienbraunes Haar und trug ein schmales, mit einem farbigen Muster verziertes Lederband an der Stirn. Ein weißes Schlauchtopp aus Baumwolle bedeckte notdürftig ihre Brüste, und ihr kurzer, flatternder Rock, ebenfalls aus weißer Baumwolle, schien förmlich darauf zu warten, sich beim geringsten Luftzug zu erheben – wobei es keinen Luftzug gab; Gott ist gnädig und barmherzig …
Ihre Begleiterin entsprach eher dem, was man von einer Spanierin erwartet – tiefschwarzes Haar, dunkelbraune Augen, dunkler Teint. Sie sah etwas weniger nach coolem Hippie aus, das heißt, sie wirkte auch ziemlich cool, aber weniger hippiemäßig, mit einem kleinen Einschlag ins Schlampenhafte, im linken Nasenloch trug sie einen silbernen Ring … […] Anders als ihre Begleiterin trug sie Shorts, und das war noch schlimmer, ich weiß nicht, warum so eng anliegende Shorts überhaupt hergestellt werden, es war unmöglich, nicht von ihrem Arsch hypnotisiert zu werden …
Hätten wir uns in einem Pornofilm befunden, wäre die weitere Handlung noch vorhersehbarer, der Dialog aber weniger wichtig gewesen. Alle Männer sehen sich nach unverbrauchten, umweltbewussten, einem Dreie gegenüber aufgeschlossenen Mädchen – oder zumindest fast alle Männer, ich in jedem Fall.
Wir befinden uns in der Realität, und darum fuhr ich nach Hause. Ich wurde von einer Erektion befallen, was angesichts des Verlaufs, den der Nachmittag genommen hatte, nicht überraschend war. Ich rückte ihr mit den üblichen Mitteln zu Leibe … Alles lesen>>>

Yuzu

Die Wochenenden waren jedes Mal eine Qual, aber unter der Woche konnte ich es schaffen, Yuzu so gut wie gar nicht zu begegnen. Wenn ich zum Landwirtschaftsministerium aufbrach, war sie noch längs nicht wach – sie stand selten vor Mittag auf. Und wenn ich gegen sieben Uhr abends nach Hause kam, war sie fast nie da. Es war vermutlich nicht ihre Arbeit, die sie dazu anregte, so lange fortzubleiben, das war schließlich ganz normal, sie war erst sechsundzwanzig und ich knapp zwanzig Jahre älter, das Verlangen nach einem Sozialleben lässt mit zunehmender Reife nach …
Nach landläufigen Moralvorstellungen sicherlich kritikwürdiger war, dass Yuzu sich, da war ich mir sicher, häufiger an „abendlichen Ausschweifungen“ beteiligte. Ganz am Anfang unserer Beziehung hatte ich sie zu einer davon begleitet … Es gab um die hundert Teilnehmer, wobei etwa zwei Männer auf eine Frau kamen, die Männer waren insgesamt jünger und eindeutig von niedrigerem sozialen Status als die Frauen, größtenteils sahen sie sogar deutlich „vorstädtisch“ aus, ich dachte sofort, die würden dafür bezahlt, wobei, wahrscheinlich doch nicht, ein Gratisfick ist für die meisten Männer schon ein Geschenk des Himmels, außerdem gab es Champagner in Petit Fours, serviert in den drei aneinander gereihten Empfangssalons, in denen ich den Abend verbrachte …
Durch das Sortieren ihrer E-Mails nach Größe konnte ich leicht diejenigen mit Videos im Anhang aussondern. Das erste zeigte meine Lebensgefährtin inmitten eines Gangbangs klassischer Art: Sie wichste, blies und vögelte etwa fünfzehn Männer, die geduldig warteten, bis sie an der Reihe waren und für die vaginale und anale Penetration Kondome benutzten; niemand sprach ein Wort. Einmal versuchte sie, zwei Schwänze gleichzeitig in den Mund zu nehmen, was ihr aber nicht ganz gelang. Bei einer anderen Gelegenheit ejakulierten die Teilnehmer auf ihr Gesicht, das nach und nach mit Sperma bedeckt wurde, bis sie irgendwann die Augen schloss …
Ein Sonderfall war sie in der Tat, das belegte das zweite Video noch deutlicher. Diesmal fand die Sache nicht bei mir zu Hause statt und auch nicht mehr in dem Stadtpalais auf der Ile Saint-Louis […] dieser Ort war prunkvoll, bürgerlich und im Chippendale-Stil möbliert …, jedenfalls masturbierte Yuzu auf einer Ottomane, bevor sie sich auf den mit einem irgendwie wie persisch gemusterten Teppich bedeckten Boden gleiten ließ, wo sie ein Dobermann mittleren Alters mit der seiner Rasse eigenen Energie penetrierte …
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In Anbetracht dieser Videos, dachte ich, würde ich wohl mildernde Umstände bekommen. Artikel 324 des Strafgesetzbuches von 1810 besagt ausdrücklich: „Der Mord des Ehegatten an seiner Ehegattin ist unentschuldbar, (…)jedoch ist im Falle des Ehebruchs gemäß Artikel 336 der Mord des Ehegatten an seiner Ehegattin wie auch an ihrem Mittäter im Augenblicke, da er beide im Hause der Eheleute in flagranti ertappt, entschuldbar.“ Mit anderen Worten: Wäre ich am Abend der Orgie mit einer Kalaschnikow aufgekreuzt und hätten wir uns im Zeitalter Napoleons befunden, dann wäre ich ohne Schwierigkeiten freigesprochen worden …

Camille und Tam

Von der Zeit in Clécy sind mir nur zwei Fotografien geblieben, wir waren wohl zu sehr mit unserem Leben beschäftigt, um unsere Zeit mit Selfies zu verschwenden, aber vielleicht war diese Praxis seinerzeit auch noch nicht so verbreitet, die Entwicklung der sozialen Netzwerke steckte noch in den Kinderschuhen, sofern sie überhaupt existierten; ja, die Menschen haben damals auf jeden Fall besser gelebt.
Camille trägt darauf einen kurzen Rock und eine passende Jeansjacke. Unter der Jacke ein an der Taille verknotetes kurzärmliges weißes Hemd, mit aufgedruckten roten Früchten verziert. Auf der ersten Fotografie ist ihr Gesicht von einem strahlenden Lächeln erhellt, sie strahlt buchstäblich vor Glück – und es scheint mir heute töricht zu denken, dass ich die Quelle dieses Glücks gewesen bin. Die zweite Fotografie ist pornografisch, es ist die einzige pornografische Aufnahme, die ich von ihr aufbewahrt habe. Ihre Handtasche, von einem leuchtenden Rosa, steht neben ihr im Gras. Sie kniet vor mir und hat mein Geschlechtsteil in den Mund genommen, ihre Lippen sind um die Mitte meiner Eichel geschlossen. Sie hält die Augen geschlossen, und ist so auf ihre Fellation konzentriert, dass ihr Gesicht ausdruckslos ist, ihre Züge sind völlig rein, nie wieder habe ich eine solche Verkörperung der Hingabe gesehen …
Ich befand mich auf einer Reise nach Brüssel, als mir der unselige Einfall kam, mit Tam zu schlafen. Der Einfall wäre übrigens so ziemlich jedem gekommen, glaube ich, sie war hinreißend, diese kleine Schwarze, vor allem ihr kleiner Hintern, nun ja, sie hatte einen hübschen kleinen schwarzen Hintern, das sagt ja schon alles …

Tam gehörte der englischen Delegation an (England zählte damals noch zu Europa, oder zumindest gab es sich den Anschein), aber ursprünglich war sie aus Jamaika, glaube ich, oder vielleicht auch aus Barbados, jedenfalls von einer dieser Inseln, die scheinbar unendliche Mengen von Ganja, Rum und hübschen Schwarzen mit kleinen Ärschen hervorbringen können, lauter Dinge, die das Leben erleichtern, ohne es zum Schicksal zu machen. Ich muss dazusagen, dass sie blies „wie eine Königin“, wie man zumindest in gewissen Milieus bizarrerweise sagt, und mit Sicherheit deutlich besser als die Königin von England, nun ja, ich bestreite es nicht, ich hatte eine angenehme Nacht, sehr angenehm sogar, aber war es ratsam, es noch einmal zu tun?
Auf die gleiche Weise versuchte ich wahrscheinlich in einem kleineren, aber zu Übungszwecken geeigneten Maßstab ein Miniatur-Zeremoniell zum Abschied von meiner Libido oder, genauer gesagt, von meinem Schwanz zu organisieren … Alles lesen>>>


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Ein passender Film für den Abend:

Ken Park – Kino kontrovers

Aus dem Covertext: Der Skatepark der Kleinstadt Visalia irgendwo zwischen Los Angeles und Fresno ist zum Refugium von Shawn, Tate, Claude und Peaches geworden. Hier erleben sie Freiheit und Unbeschwertheit. Daheim dagegen werden ihre Ideale und ihre unschuldige Lust pervertiert. Hinter der Fassade einer heilen Welt voll gepflegter Vorgärten herrscht Resigniertheit, Aggressivität, religiöser Fanatismus und Alkoholismus. Zwei Welten prallen aufeinander.
Die Offenheit, mit der Larry Clark und Ed Lachmann sämtliche Formen familiären Missbrauchs porträtieren, hat fast etwas Revolutionäres. Sie brechen mit den Tabus des Kinos und zwingen uns, hinzusehen. Doch hier geht es nicht um Stimulation. Sexualität dient der Flucht vor dem Alltag, als Belohnung, als Strafe. Sex ist dunkel und Sex ist Macht … Mehr zum Film mit Trailer>>>


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Der zweite Kurzurlaub also, drei Tage jenseits der Front, weitab vom Kampfgetümmel des kalten Krieges. Heimaturlaub als Belohnung für die dritte Eichel der Schützenschnur. Zum Glück zwangen ihn die Dienst- und Lebensumstände nicht ein einziges Mal dazu, seine Schießfertigkeiten an einem im Ostseewasser paddelnden oder schwimmenden Republikflüchtling auszuprobieren. Wenn du nicht schießt, wirst du selber erschossen, lautete die Parole. Der Flüchtling, der nichts weiter wollte, als seine Freiheit, war der Feind, der Verräter. Der, der später vielleicht in eine NATO-Uniform gesteckt, auf seine ehemaligen Landsleute schießen würde.
Wer nicht schießt, der wird erschossen, die Perversion eines jeden dieser Dreckskriege. Aber man gehörte ja zu den Guten, zu denen, die der Welt eine bessere Zukunft bringen würden. Notfalls mit Gewalt. Es herrschte Krieg, kalter Krieg, mehrmals am seidenen Faden hängend, mehrmals drohte ein heißer.
Für die Drecksarbeit, DDR-Bürger mit Waffengewalt in ihrer heilen Welt zurück zu halten, war die Marine ohnehin nicht zuständig. Das erledigte die Grenzbrigade Küste. Die trugen zwar ebenfalls Marineuniformen, diese aller-dings mit einem grünen Rand an den Schulterstücken. Igitt, wie unpassend, Blau und Grün. Manch Modedesigner drehte sich mehrmals im Grabe her-um, sähe er das.
Der Marine kam vielmehr die ehrenvolle Aufgabe zu, die größeren Brocken an der Okkupation der Arbeiter- und Bauernäcker wie der sozialistischen Großplattenbauten zu hindern:
hemmungslos_frivol_erotische_erzaehlungenetwa das Raumschiff Enterprise an einer Landung von See her auf dem Territorium der DDR, von der NATO verseuchte Kartoffelkäfer, mit Nuklearwaffen bestückte Delphine, mordlüsterne dänische Robben und sonstige westliche Seeungeheuer. Man erkannte sie daran, dass ihnen die „stars and stripes“ wie die Dollarzeichen aus den Augen gierten. Oder aber einen dänischen Fischkutter abzudrängen, dem das Satelliten-Navigationsgerät ausgefallen war.
Apropos Satelliten-Navigation. Die verfügten bereits über solche Dinger, die NATO, ja, Anfang der Siebziger. Wow, das will man heutzutage gar nicht mehr glauben. Die Russen, Verzeihung, die ruhmreichste und kampfstärkste Armee der Welt, die Sowjetarmee, verfügte ebenfalls seit Anfang der Siebziger Jahre über solche Navigationsinstrumente. Als man die Schiffe der DDR-Marine mit den Basisstationen ausrüstete, mussten zu deren Installation größere Löcher aus den Oberdecks geschweißt werden.
Vor Bernau fahren sie am größten Stützpunkt der Russen in der DDR vorbei. Bei Tag kann man die Kasernen sehen, die Unterkünfte der Gott weiß wievielten Gardedivision der Roten Armee. Manchmal denkt er, die haben nur Gardedivisionen, Gardebrigaden und Gardeflotten zur See. Direkte Verbündete seiner Waffengattung war die „Ruhmreiche Baltische Rotbannerflotte“. Scherzhaft die RUMBALOTTE genannt. Dass die Soldaten da draußen arme Hunde sind, das wusste man damals schon. Dass sie schlechter als Vieh behandelt wurden, und einiges mehr, erfuhr man erst nach der Wende. Er stellt sich gerade vor, im hell erleuchteten Abteil Consuela im Stehen von hinten am Fenster zu vögeln. Ihr offener Mund wie ihre nackten Brüste pressen sich an die Fensterscheibe. Der Zug bekommt keine Einfahrt, er muss anhalten. Draußen neben dem Gleis steht eine Horde Rotarmisten. Die Hosenställe geöffnet, wichsen sie beim Zuschauen … Ich gönne euch das, Jungs! ... Alle Leseproben>>>

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2 Kommentare zu "Michel Houellebecq – Serotonin"

  1. Tolle Schwarte, habe ich gleich gekauft. Deinen Hieb gegen die Wagenknecht find ich ja witzig,
    Beste Grüße

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