Benoite Groult zum ersten Todestag 20. Juni 2016

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Journalistin – Feministin – Schriftstellerin

Benoite Groult – Die Passionierte …

… überschrieb Der Tagesspiegel einen Nachruf zum Tode Benoite Groults, der am 21. Juni 2016 erschien. Darin hieß es: „Sie war eine erklärte Feministin und verteidigte ihr Bild von weiblicher Unabhängigkeit gegen die Superfrauen, die ihr aus den Lifestylemagazinen entgegen schauten.“
Geboren am 31. Januar 1920 in Paris wuchs sie in begüterten Verhältnissen auf. Die Mutter die in Frankreich bekannte Modedesignerin Nicole Poiret (1887–1967), der Vater André Groult (1884–1966), Innenarchitekt.
Sie studierte bis 1943 Literaturwissenschaften und arbeitete zunächst als Lehrerin. Später, bis 1953 als Journalistin bei dem französischen Fernsehsender RTF.
Drei Ehen, drei Töchter, wobei die erste Ehe (1944) mit dem Medizinstudenten Pierre Heuyer kinderlos geblieben war. Er starb bereits acht Monate nach der Eheschließung an Tuberkulose.
Zwei Töchter, 1946 und 1948 geboren, entstammen der Ehe mit dem französischen Journalisten Georges de Caunes (1919–2004), mit dem sie von 1946 bis 1950 verheiratet war. In dritter Ehe war sie seit 1951 bis zu dessen Tode im Jahre 2004 mit dem Schriftsteller Paul Guimard verheiratet. Aus dieser Ehe entstammt die dritte Tochter.
Erste Arbeiten als Autorin erschienen in den Jahren 1962 bis 1968 als Gemeinschaftswerk mit ihrer jüngeren Schwester Flora. 1962 Tagebuch vierhändig, 1965 Juliette und Marianne sowie 1968 Es war zweimal.
Weltruhm erlangte Groult mit ihrem autobiografischen Roman „Salz auf unserer Haut“ (Leseproben), der allein in Deutschland über drei Millionen mal verkauft wurde.

Zum Roman schrieb Der Tagesspiegel in oben erwähntem Nachruf: „Was damals als Frauenpornografie verächtlich gemacht wurde, war letztlich wohl eher Kitsch und nahm ein weibliches Publikum für sich ein, das im stillen Winkel der eigenen Gefangenschaft von ähnlich verzehrenden Leidenschaften träumte. Im Einsatz persönlicher Energien war Groult indes verschwenderisch, was ihren Büchern auch bei mangelnder literarischer Überzeugungskraft Stärke verlieh…“ Den Roman als „Kitsch“ zu verunglimpfen und Groult mangelnde literarische Überzeugungskraft zuzuschreiben, ist sicherlich für die zahlreiche Leserschaft nur wenig nachvollziehbar und war eine nachträgliche Klatsche für die Autorin, die nach diesseitiger Auffassung nicht in einen Nachruf gehört. Zudem es nicht einmal zutreffend ist.
Groult brach mit Tabus für Frauen, wie bereits vor ihr Anais Nin, die Zigarren rauchte und ihre Lust an der Liebe in eine Sprache fasste, die bis dahin aus der Feder einer Frau undenkbar gewesen wäre.
Wie sie selbst später einmal sagte, ging es ihr um Ehrlichkeit, der sie in ihrem letzten Werk, das im Jahre 2008 unter dem Titel „Meine Befreiung“ erschien (deutsche Übersetzung 2009) noch ein weiteres Mal und in noch enthüllenderer Ehrlichkeit Nachdruck verlieh.
benoite_groult_salz_auf_unserer_haut_leseprobenIm Jahre 1920 geboren, den Krieg und die Besatzungszeit ihrer Geburtsstadt Paris durch die Nazis erlebt, war sie bei Kriegsende in den besten Jahren. Wie andere Frauen, nicht nur in Frankreich, sondern besonders auch im westlichen Teil Deutschlands, besuchte sie die Bars und Hotels, in denen amerikanische Soldaten verkehrten. Flirtete, tanzte, aß sich satt an den gut bestückten Buffets und schlief wahrscheinlich auch mit dem einen oder anderen. Rechte, die man bis dahin (und im Übrigen bisweilen sogar heute noch) ausschließlich den Männern zuschrieb oder die sich dieselben mit der Selbstverständlichkeit ihrer Jahrtausende währenden Dominanz heraus nahmen. Der Stoff von „Salz auf unserer Haut“ entstammt dieser Zeit und hielt über Jahre hin an. Gauvain der bretonische Fischer war in Wirklichkeit ein deutsch-amerikanischer Emigrant und Pilot, mit dem Groult eine Beziehung neben ihren Ehen unterhielt. Salz auf unserer Haut – Leseproben>>>
In „Meine Befreiung“ unterhält sie sich mit der französischen Journalistin Josyane Savigneau.

Meine Befreiung – Auszüge

Josyane Savigneau: Sie waren verheiratet, als das Buch erschien. Wie kann eine Frau es sich erlauben, das zu tun, was sie getan haben?
Benoite Groult: Wenn ich mich heute an „Salz auf unserer Haut“ zurückerinnere, das 1988 erschienen ist – ich war damals 68 Jahre alt, nicht unbedingt das Alter, um einen rasenden Liebesroman zu schreiben –, frage ich mich, wie ich damals die Kühnheit haben konnte, so was zu schreiben, und wie Paul die Eleganz haben konnte, es zu akzeptieren. Mir war aufgefallen, dass ich es noch nie gewagt hatte, das Thema Sinnenfreude zu behandeln. Ich wollte es auf durchaus feministische Weise angehen, Schluss machen mit der überlieferten Vorstellung weiblicher Hingabe beziehungsweise Selbstaufgabe, und den Egoismus im Liebesakt herausstreichen. Und vor allem auch darüber sprechen, ohne auf poetische Metaphern zurückzugreifen, und stattdessen die Dinge beim Namen nennen, insbesondere die beteiligten Organe. Der Versuch schien mir lohnend, diesen Wörtern ihre Unschuld, vielleicht sogar ihre Poesie, manchmal auch ihre Derbheit wiederzugeben. Die Liebe braucht nämlich auch das. Auf jeden Fall ging es um Ehrlichkeit.
Josyane Savigneau: Sehr wenige Romanschriftstellerinnen haben das getan.
Benoite Groult: Der Ton war den Damen nicht erlaubt! Und es ging auch darum, neue Wörter zu finden, oder mit den vorhandenen anders umzugehen. An diesem Punkt bin ich an der Armut des Wortschatzes gescheitert. Als ich mich an die Arbeit machte, um „Salz auf unserer Haut“ zu schreiben, schlug ich im großen Quillet von 1936, den mir mein Vater vermacht hatte, unter „Anatomie“ nach. Ich war der Meinung, dass sich an der weiblichen Anatomie seit 1936 nichts geändert hatte. Weit gefehlt! Auf der ganzseitigen anatomischen Tafel für „Mann“ und „Frau“ war das weibliche Genitale auf ein kleines Dreieck reduziert. Die Klitoris war weder erwähnt noch abgebildet. Das Wort „Vagina“ kam nicht vor. Wohingegen auf der Tafel „Mann“ sowohl der Penis als auch die Eichel und die Hoden figurierten – man konnte alles deutlich erkennen. Unter anderem wollte ich die Wörter zurückerobern, um unsere Organe benennen zu können. Auch dieses fast obszöne Wort „Vagina“. Dabei ist die ganze Menschheit durch diese wunderbare Vagina hindurchgegangen.
benoite_groult_meine_befreiungJosyane Savigneau: Hätten Sie „Salz auf unserer Haut“ auch früher schon schreiben können, ohne den feministischen Weg, den Sie inzwischen zurückgelegt hatten?
Benoite Groult: Ich hätte es nicht gekonnt, und ich hätte es nicht gewagt. In dem Fall aber kam mir eine Freiheit zugute, die man dem Alter verdankt, eine Art Unverfrorenheit, deren ich weder mit zwanzig noch mit vierzig fähig gewesen wäre. Und schließlich auch eine lange Lebenserfahrung, die Erfahrung der leidenschaftlichen Liebe und der Liebe im Alltag, der Dauerhaftigkeit. Nun konnte ich endlich das Geheimnis der Leidenschaft angehen, die auch im Zeitalter der Computer noch immer erschütternd, zerstörerisch und magisch bleibt. Womöglich weil ich viele bretonische Ritterepen gelesen hatte, habe ich meine Hauptfigur zu einem Unsesshaften, einem Seemann gemacht und ihn Gauvain, das heißt Gawein, genannt, nach einem der Ritter der Artus-Sage, der ebenfalls über die Meere irrte. Ich wollte mich ein wenig dem Archetypus der leidenschaftlichen Liebe nähern, dem von Tristan und Isolde, von Romeo und Julia und anderen zeitlosen Paaren. Die Liebe von Gauvain und George ist eine absolute, denn es gibt sonst nichts gemeinsames, nichts, was sie teilen können: keinen Vertrag, keine gegenseitigen Dienste, kein Gesellschaftsleben. Ihre Beziehung bleibt eine intensive, vorausgesetzt, sie bleibt von der Realität unberührt.
Josyane Savigneau: Aber wo bleibt da der Feminismus?
Benoite Groult: Ich bin ganz froh, dass man ihn nicht allzu deutlich heraus liest, denn es handelt sich ja um einen Roman. Aber das Buch steckt voller Feminismus. Ohne die Liebe und ohne die Freiheit in der Liebe fehlen ein beträchtliches Stück Lebenssinn und eine Dimension der Selbstverwirklichung der Frau. Es ist eine feministische Geschichte, weil ausnahmsweise die Leidenschaft kein Unheil nach sich zieht und weil die Heldin weder im Wahnsinn noch im Unglück versinkt oder gar mit Selbstmord endet. Sie setzt sich auch nicht der himmlischen Strafe aus … Am Ende der Geschichte steht eine Frau, die auf ein gelungenes Leben und noch ein bisschen mehr als das zurückblicken kann.
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Ödipus’ Schwester – Zorniges zur Macht der Männer über Frauen

schrieb der eingangs zitierte Tagesspiegel: Aus der Vielzahl ihrer fast ausnahmslos auch auf Deutsch erschienenen Bücher ragt die 1975 veröffentlichte Streitschrift „Ödipus’ Schwester – Zorniges zur Macht der Männer über Frauen“ heraus.
Benoite Groult: „Ich hatte die Wahl, ein feministisches Buch zu schreiben oder einen Hautausschlag zu bekommen. Ich habe mich gegen den Hautausschlag entschieden“
Der Mythos des Königs Ödipus – das zentrale Problem einer männerzentrierten Kultur. Sophokles Tragödie als Kampfansage an eine maskulin dominierte Welt. Die Frau in einer vom Manne dominierten Gesellschaft rächt sich für die Entwertungen, die ihrem eigenen Geschlecht tagtäglich widerfahren.
Die Kampfansage einer Frau an das Frauenbild des frühen 20. Jahrhunderts.

Salz auf unserer Haut

wurde im Jahre 1992 verfilmt. Das Drehbuch schrieb Andrew Birkin gemeinsam mit Bee Gilbert.
Salz auf unserer Haut – Der Film mit Greta Scacchi – Mehr zum Film>>>
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Während ihrer Sommerferien in Schottland verliebt sich die reiche Pariserin George in Gavin. Doch Welten trennen sie; er ist arm und kennt nur sein einfaches, hartes Leben in ländlicher Umgebung. Von seiner Männlichkeit angezogen, gibt die verwöhnte George nicht auf. Gavin verfällt ihrer Erotik am nächtlichen Strand. Es ist der Beginn einer verbotenen, leidenschaftlichen Liebe, die sie immer wieder zusammenführt. Heimlich treffen sie sich in Hotelzimmern in London und Paris, auf den Virgin Islands und in Florida. Ihre Liebesaffäre können sie jahrelang vor ihren Ehepartnern geheim halten, bis der Tag kommt, an dem sie sich der Realität stellen müssen.
Benoite Groult starb am 20. Juni 2016 im Alter von 86 Jahren in Hyères, Südfrankreich.


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Chronik einer lesbischen Liebe - Teil I – Maria – Als Taschenbuch und eBook
„Ich will gar nichts und du sollst gar nichts“, sprach sie in den Wirrwarr meiner Gedanken hinein. „Das einzige was ich jetzt will, mit dir schlafen, wie Frau mit Frau.“ Ich ließ mich ohne Widerstand an der Hand ins Schlafzimmer ziehen. Während Viola auf dem Bett in der nun unendlich bequemeren Lage, ihr Streicheln, ihre Küsse auf meine erhitzte Haut fortsetzte, stellte sich bei mir allmählich dieser Zustand ein, der stets meinen Willen brach. Dieses Mal dauerte es länger als sonst.
Leise sprach sie in ihre Küsse hinein: ich würde begeistert sein, Maria, so ihr Name, sei eine wirklich tolle Frau, sie habe sich lange mit ihr unterhalten. „Ihr habt also schon …?“, fragte ich zaghaft. „Nein, mein Reh, wir haben uns unterhalten, nicht einmal über Intimitäten.“ Viola habe ihr von mir erzählt, was für eine liebenswerte junge Frau ich sei.
chrissys_tagebuch_teil1 „Alltäglich ist das aber nicht, dass eine Lehrerin eine Beziehung mit einer ehemaligen Schülerin eingeht, Viola?“ Maria hob die Brauen, sie schaute Viola verwundert an. Am Tonfall ihrer Stimme bemerkte ich, dass ihre Bemerkung wohl weniger Ernst aufgefasst werden sollte.
„Sie war seit Langem nicht mehr meine Schülerin, aber ich mochte Chrissy schon als sie das noch war“, antwortete Viola leise, während sie mich lächelnd anschaute. Bei der Vervollständigung der Geschichte wechselten wir uns beide ab. Viola, dass sie seinerzeit bereits in mich verliebt war, ich erzählte von unserer „zufälligen“ Begegnung. Viola wie aufgeregt ich am Anfang gewesen sei, ich, welchen Schreck ich bekam, nachdem ich bemerkte, dass sich diese Aufregung als Erregung entpuppte. Viola setzte den Schlusspunkt, wie wir uns in die Arme gefallen waren.
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Für einen Moment herrschte Stille. Damit hatte Viola offenbar nicht gerechnet. Ich war mir nicht sicher, ob ich froh oder traurig sein sollte, falls der Abend an dieser Stelle sein Ende finden sollte. Viola unterbrach meine Gedanken, als sie sich äußerte:
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