Benoite Groult – Salz auf unserer Haut

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Salz auf unserer Haut – Leseproben

Benoite Groult – Die großen Liebespaare der Weltliteratur

Ich inspiziere die Stelle mit meinem vergrößernden Kosmetikspiegel und erkenne meine brave, so vornehme Vulva nicht wieder. Sie hat sich in eine ungeheuerliche, unverschämte, überquellende Aprikose verwandelt …

Droemer Knaur Verlag München

Gibt es für die Frau im Zeitalter der Emanzipation noch die große Liebe? Benoite Groult meint: ja. In ihrem Roman zeigt die bekannte französische Schriftstellerin, dass Liebe nicht Einheit von Mann und Frau bedeuten muss, sondern dass gerade Selbständigkeit und Abgrenzung die Voraussetzungen sind für eine fast märchenhafte Leidenschaft.

I – Gauvain

Ich war achtzehn, als Gauvain in mein Herz und für immer in mein Leben getreten ist. Aber wir wussten es nicht, er nicht und ich nicht. Ja doch, mit dem Herzen hatte es angefangen, oder mit dem, was ich damals dafür hielt du was zunächst nichts anderes war als die Haut.
Als Kinder hatten wir uns misstrauisch als die Vertreter zweier unverträglicher Spezies betrachtet, er in seiner Rolle als bretonischer Junge, ich als Pariserin, und dies vermittelte uns die beruhigende Gewissheit, dass sich unsere Wege niemals kreuzen würden. Hinzu kam, dass er der Sohn armer Bauern und ich die Tochter von „Touristen“ war – dies schien er für unseren Hauptberuf zu halten, jedenfalls entsprach es in seinen Augen einer Lebensart, die ihm wenig Achtung einflößte.
Mit vierzehn oder fünfzehn verschwand Gauvain aus meinem Blickfeld. Im Sommer fuhr er bereits als Schiffsjunge auf der „Vaillant-Couturier“, dem Fischkutter seines ältesten Bruders, zur See. Dieser Name gefiel mir, denn ich war lange überzeugt, dass es sich dabei um einen tapferen Couturier handelte, der die unverhoffte Möglichkeit gehabt hatte, Schiffbrüchige aus Seenot zu retten! Seine Mutter sagte von ihm: „Der Junge kann anpacken!“ und: „Bei ihm dauertˋ s nicht lange, bis er Jungmann wird!“ Aber vorerst war er der Moses, das heißt der Prügelknabe an Bord. Das war die Sitte, und sein großer Bruder, der Kapitän des Fischkutters war, hatte weniger noch als andere das Recht, Mitleid zu zeigen.
Für uns bedeutete das, einen Feind weniger im Dorf. Aber selbst auf fünf reduziert, hielten die Gebrüder Lozerech uns, meine Schwester und mich, nach wie vor für Pissnelken in unserer Eigenschaft als Mädchen und für eingebildete Gänse in unserer Eigenschaft als Pariserinnen. Zumal ich George hieß. „George ohne s“, stellte meine Mutter jedes Mal klar, die mich auf dem Altar ihrer Jugendleidenschaft für Indiana von George Sand geopfert hatte. Meine jüngere Schwester, die seelenruhig Frédérique hieß und die ich „Frédérique mit Tick“ nannte, um mich zu rächen, warf mir vor, dass ich mich wegen meines Vornamens schämte. Und es stimmte auch, dass ich viel dafür gegeben hätte, den Spott und vor allem die Fragerei jedes Mal beim Schulbeginn zu vermeiden, wenn „die Neuen“ sich erst an meine Besonderheit gewöhnen mussten. Kinder sind erbarmungslos gegenüber allem, was aus der Reihe tanzt. Erst als erwachsene Frau habe ich meiner Mutter meinen Namen verziehen.
salz_auf_unserer_haut  Zur Dreschzeit kam es dann so weit, dass Gauvain und ich uns zum ersten Mal wie Menschen und nicht wie Vertreter verfeindeter Kasten ansahen. An solchen Tagen kamen alle Nachbarn und „gingen zur Hand“, und jede Familie wartete bis sie ein Maximum an Helfern zur Verfügung hatte, erst dann ging es los. Drei der Lozerech-Söhne, darunter Gauvain, waren gleichzeitig zu Hause, was selten vorkam. Also musste man die Lage nutzen und den Termin für diese Schwerarbeit dementsprechend ansetzen. Frédérique und ich beteiligten uns jedes Jahr am Dreschen – die Lozerechs waren unsere nächsten Nachbarn -, und stolz teilten wir die Arbeit, die allabendliche Erschöpfung und auch die Erregung, die das wichtigste Ereignis des Jahres begleitet, das Ereignis, das unwiderruflich über die Jahresbilanz des ganzen Hauses entscheidet.
Der letzte Tag war drückend schwül gewesen. Hafer und Gerste waren schon eingebracht, und seit zwei Tagen war der Weizen an der Reihe. Die aufgeheizte Luft vibrierte, flirrender, dichter Staub brannte in den Augen und im Hals, und dazu kam das Rattern der Maschine. Die dunklen Röcke der Frauen waren grau geworden, grau wie die Haare und die Hauben, und den Männern rann der bräunliche Schweiß über Gesicht und Hals. Nur Gauvain arbeitete mit nacktem Oberkörper. Er stand oben auf einem Wagen, zerschnitt mit einem Sichelschlag das Strohband, das die Garbe zusammen hielt, spießte diese auf die Gabel und warf sie mit einer Bewegung, die mir majestätisch schien, auf das Förderband, auf dem sie rüttelnd herunter glitt. Jugendlich schweißglänzend stand er in der Sonne, inmitten des blonden Weizens, der ihn umwirbelte; und ähnlich wie bei den beiden kräftigen Pferden, die regelmäßig neue Ladung herbei brachten, spielten seine Muskeln unaufhörlich unter der Haut.
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Noch nie hatte ich einen so männlichen Mann gesehen, außer in amerikanischen Filmen, und ich war stolz, an dieser Zeremonie teil zu haben und mich ausnahmsweise mit seiner Welt solidarisch zu fühlen.
Und dann dieser Abend, wie schwebend zwischen Tag und Nacht, zwischen Traum und Wirklichkeit… Als wir uns verabschiedeten, schlug Gauvain ganz unvermittelt, trotz der Müdigkeit, die seine Züge sanfter erscheinen ließ, „einen kleinen Abstecher Concarneau“ vor zu haben und mich auskanischen Filmen, was keine sonderliche Begeisterung hervor rief, da jeder sich nur nach seinem Bett sehnte. Trotzdem erklärte sich einer seiner Brüder bereit, mitzumachen, und um nicht das einzige Mädchen zu sein, zwang ich Yvonne, Gauvains Schwester, mich zu begleiten. Dazu musste ich sämtliche Mittel einsetzen, die ich zur Verfügung hatte: „Du kriegst meinen neuen BH, den mit der Spitze… oder mein Eau de Cologne, Canoe von Dana.“ Meine Schwester war nicht mit von der Partie: Mit fünfzehn Jahren geht man nicht tanzen nach Concarneau.

Kaum hatten wir einen Tisch gefunden, zerrte mich Gauvain schon – ohne zu fragen und bevor es ein anderer tat – auf die Tanzfläche, und dabei nahm er mich so fest in seinen Arm, wie er es vermutlich bei Sturm auf seinem Fischkutter mit einem Stag machte. Ich spürte jeden Finger seiner Hand auf meinen Rippen – richtige Hände, dachte ich, Hände die das, was sie festhalten, nicht los lassen, und nicht solche blassen, vornehmen Verlängerungen, wie sie jene vornehmen und blassen jungen Leute zierten, mit denen ich in Paris Umgang pflegte.
Er tanzte wie ein Mann aus dem Volk, wie Coupeau, der Mann von Gervaise, oder die anderen Fabrikarbeiter in Zolas Schnapsbude: mit der gleichen Schaukelbewegung der Schultern, die viel zu übertrieben war, um nach meinen bürgerlichen Maßstäben nicht vulgär zu erscheinen. Er roch noch nach Sonne und Weizen, und ich hatte den Eindruck, dass er mich wie eine seiner Garben behandelte, mit dem finsteren, konzentrierten Gesichtsausdruck, den er bei der Arbeit hatte.
Wie auf einem fremden Planeten hörte ich die Freunde um uns herum, die mit plumpen Witzeleien ihre wachsende Lust zu verbergen suchten, die vom Alkohol und ein paar angedeuteten Annäherungsversuchen nachgiebig gestimmten Mädchen zu vögeln. Ohne uns abzusprechen, die jäh eintretende Dunkelheit nutzend, waren Gauvain und ich plötzlich draußen. Mit dem unbekümmerten Egoismus der Glücklichen beschlossen wir, dass Yvonne und ihr Bruder leicht Freunde finden würden, um sich ins Dorf zurück bringen zu lassen, verließen feige die heitere Gesellschaft und flüchteten in dem kleinen Renault.
Selbstverständlich fuhr Gauvain in Richtung Küste. In solchen Fällen fährt man instinktiv zum Meer. Wir wussten, dass es uns die Sprache ersetzen würde und dass es uns in seine mütterliche Größe, in sein wohlwollendes Schweigen hüllen würde.
„Was hältst du von einem Mitternachtsbad?“ Der Gedanke war mir plötzlich gekommen. Es war das erste mal, dass wir uns gemeinsam an einem Strand befanden.

Es war eine jener unwirklichen Nächte, in denen ein gewisses phosphoreszierendes Plankton an die Oberfläche steigt, und bei jeder Bewegung, bei jedem Spritzer schien das Meer Funken zu sprühen. Allmählich überflutete uns eine Welle von Melancholie, die scheinbar in keinem Verhältnis stand zu dem Augenblick, den wir gerade erlebt hatten, als ob wir eine lange Zeit der Leidenschaft hinter uns hätten und so ein unaufhaltsames Ereignis wie ein Krieg im Begriff sei, uns zu trennen. Das Ereignis war in diesem Fall das Morgengrauen. Nach Osten hin wurde der Himmel schon heller und rückte das Festland allmählich wieder zu seinen wahren Proportionen zurecht.
Gauvain hat mich vor meiner Haustür abgesetzt. In Mamas Zimmer brannte noch Licht. Sie wartete auf mich…Alles lesen>>>

II – Yvonnes Hochzeit

Erst zwei Jahre später habe ich Gavain wiedergesehen. Beruflich hatte er sich endgültig für das Meer entschieden. Mittlerweile war er Bootsmann geworden, und in Ranguenès verbrachte er alle vierzehn Tage knappe achtundvierzig Stunden Im Herbst wollte er die Schifffahrtsschule in Concarneau besuchen, um Fischereikapitän zu werden.
Sein Leben verlief in der üblichen Bahn: Er hatte sich gerade verlobt, „denn man kann ja nicht ewig bei seinen Eltern bleiben“, wie er zu mir sagte, als suchte er nach einer Entschuldigung.
Anstatt uns zu beschimpfen oder uns gegenseitig zu übersehen, gingen wir uns fortan aus dem Weg, zumindest ging Gauvain mir aus dem Weg. Mir missfiel es eigentlich nicht, wenn dieser Prachtkerl zu Boden blickte, sobald ich ihm im Dorf begegnete. In den Läden der Ortschaft hingegen begann er, sobald ich herein kam, mit den anderen Kunden bretonisch zu sprechen, um mir ganz deutlich zu machen, dass ich nicht von seiner „Art“ war.
Bei Yvonnes Hochzeit dann konnte er nicht umhin, mir zum zweiten Mal ins Gesicht zu schauen. Sie wollte unbedingt mich als Trauzeugin haben, und Gauvain hatte versprochen, Trauzeuge des Zukünftigen zu sein, der ebenfalls zur See fuhr, aber – so Yvonnes Grundbedingung – die Marinelaufbahn eingeschlagen hatte.
Um neun Uhr früh bereits saß ich an seiner Seite beim ersten Glas Muscadet, und den ganzen Tag und einen Teil der Nacht und auch den nächsten Tag noch sollte unser gemeinsames Abenteuer dauern.
An jenem Morgen stellte ich alles dar, was er hasste, aber bei mir bewirkte das nichts anderes als den plötzlichen Wunsch, seinen Panzer aufzubrechen, auf dass der verletzbare Kern, den ich in ihm ahnte, mir ausgeliefert sei. Ich würde Gauvain zum Bekenntnis zwingen, heute oder nie.
Ich setzte einige alt erprobte Mittel ein, magnetisierte ihn mit durchdringenden Blicken in seinen Nacken, machte mich so leuchtend wie ein Glühwürmchen, jedes mal wenn ich in seinem Blickfeld war, lehnte ostentativ die schmalzigsten Tangos mit meinen Freunden ab und schlich wie eine arme Seele durch den Ballsaal… Keiner meiner Tricks funktionierte, und bei allen meinen Lieblingstänzen nahm Gauvain seine Verlobte in die Arme.
Nun denn! Es blieb mir nichts anderes übrig, als in die Gruppe, zu der ich schließlich gehörte, zurückzukehren und diesen schönen Rüpel zu vergessen. Ich hatte nichts mehr zu erhoffen hier, dieser Ball war das Letzte, meine Chancen waren versaut, und das war auch besser so. Was hätte ich mit Gauvain danach gemacht? Ich hätte ihm ja doch nur übel mitgespielt. Dieser edle Gedanke war Balsam für meine Seele.
Ich war bereits im Garten des Hotels angelangt, kletterte über die betrunkenen Wracks am Wegrand, die sich teilweise noch bewegten und Bruchstücke von Liedern brabbelten oder einen Arm gen Himmel reckten, um eine endgültige Weisheit zu verkünden, als ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter spürte, die mich zusammen schrecken ließ.
„Ich muss dich sehen“, flüsterte Gauvain eindringlich. „Warte auf mich heute Nacht am Dock, ich komme sobald ich kann. Vor ein Uhr ganz bestimmt.“
Es war keine Frage gewesen. Er wartete auch gar nicht erst auf eine Antwort. Ein paar Freunde riefen nach ihm und Frédérique wurde ungeduldig im Auto. Aber ich habe mir Zeit genommen. Ich habe seinen Satz in mir hinunter gleiten lassen, ich habe tief durchgeatmet, und eine Welle von Glück hat mich überflutet, hat mich erfüllt mit Jubel und flammender Entschlossenheit.
In jener Nacht fielen zum ersten mal diese Schranken, als ob sich unsere Körper schon immer gekannt hätten, und wir tasteten uns voran im Takt der gleichen Lust, bis all unsere Unterschiede sich verwischten, als ob wir aufeinander gewartet hätten, um uns zu lieben und uns ineinander aufzulösen, ohne Ende, denn die Lust an der Lust erschöpft sich nicht durch die Befriedigung der Lust, und in der Tiefe der gerade verklingenden spürten wir schon die ersten Schwingungen der zukünftigen Lust. Wir erlebten eine dieser Nächte ohne Dauer, wie sie einem nur ganz selten im Leben widerfahren.
Die steigende Flut war es, die uns wieder auf den Boden der Realität zurück brachte: Gauvain hat plötzlich das Geräusch der näher kommenden Wellen gehört. Dieser Mann wusste immer, wie es mit dem Meer stand.

sex_am_strand  „Wenn wir nicht auf der Stelle abhauen, müssen wir zurück schwimmen“, verkündete er und tastete hektisch nach unseren auf dem Boden verstreuten Kleidern. Mein Büstenhalter hatte sich in Luft aufgelöst, und ich gab es auf, ihn zu suchen. Schließlich stand ja nicht mein Name drauf. Gauvain gelang es nicht, die feuchten Knöpfe in die im Regen geschrumpften Knopflöcher hineinzuzerren, und ich hörte ihn im Dunkeln fluchen. Schließlich hatten wir uns notdürftig in unsere Sachen hinein genestelt – ich mit meiner idiotischen Handtasche am Arm, als käme ich gerade aus einem Café, mein großer bretonischer Fischertölpel mit der Hose um den Hals gebunden, vom Regen durfte sie nass werden, nicht vom Meer -, und wir liefen los zum Sandsteg, wo bereits eine starke Strömung auflief. Wir hatten Mühe, unsere Lachausbrüche zu beherrschen, und wir stolperten in den Pfützen. Wir hielten uns fest an der Hand, um nicht fortgerissen zu werden, und es gelang uns im letzten Augenblick, den Priel zu durchqueren, das Wasser ging uns bis zu den Hüften. Aber gab es eine schönere Art, sich nach der Liebe zu waschen? Alles lesen>>>>>


Ein passender Film zum Thema Liebe, voller subtiler Erotik „Jung und Schön“ mit Supermodel Marine Vacth in einer Glanzrolle – Mehr zum Film mit Trailer>>>

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III – Paris

Seit Gauvain sein Versprechen gehalten hat und für ein paar Tage nach Paris gekommen ist, kann ich nichts mehr schlucken und nicht mehr schlafen. Mir hat es buchstäblich Kehle und Magen zugeschnürt, mir ist schwer ums Herz, und meine Knie sind weich – als ob die Geschlechtsfunktion alle anderen mit Beschlag belegt hätte. Und außerdem habe ich Feuer zwischen den Beinen, ein Ausdruck, der mir angemessen erscheint, auch wenn ich ihn gerade selbst geprägt habe. Ich werde drei Tage lang mit diesem schrecklichen Nachglimmen in mir herum gehen und Gauvains Brandmarke tragen müssen wie die O ihren Ring.
„Weißt du, dass ich Feuer an einer gewissen Stelle habe?“ sage ich zu Gauvain, denn „zwischen den Beinen“ kann ich nicht einfach so, nicht so schnell, sagen. Im Grunde kennen wir uns ja nicht so gut.
„Du hast Feuer an einer Stelle, an die ich unentwegt denke“, antwortet er honigsüß, und dabei zögert er zwischen der Freude der Huldigung an seine Männlichkeit und dem Staunen über meine Offenheit, die er bei einer Person meines Bildungsniveaus nicht erwartet hat.
Es macht mir Spaß, ihn zu schockieren, es ist ja so leicht! Er lebt mit endgültigen Ideen, in einer Welt, wo die Dinge und die Leute ein für allemal in voneinander abgeschottete Kategorien eingeordnet sind.
Während ich eine lindernde Creme auf die betroffenen Zonen auftrage, wundere ich mich, dass die Autoren von Erotika diesen kleinen Unfall der… Wollust stets unerwähnt lassen. Die Scheiden ihrer Heldinnen werden als unverwüstliche Rohrleitungen dargestellt, die das Eindringen von Fremdkörpern endlos ertragen können. Meine hingegen ist vollkommen wund. Ich inspiziere die Stelle mit meinem vergrößernden Kosmetikspiegel und erkenne meine brave, so vornehme Vulva nicht wieder. Sie hat sich in eine ungeheuerliche, unverschämte, überquellende Aprikose verwandelt, bei der das Fleisch die Haut beiseite schiebt und allen Raum einnimmt, kurz, in eine absolut indezente Frucht, die zu allem Unheil auch noch brennt, ganz abgesehen davon, dass sie unfähig ist, auch nur ein Suppennüdelchen aufzunehmen.
Und dennoch werde ich in absehbar kurzer Zeit hinnehmen, was erzähle ich, verlangen, Dass Gauvain das Brandeisen wieder auf mich ansetzt, dass er mir diese Ungeheuerlichkeit wieder einführt, die gegen alle Regeln der Physik, wenn sie erst einmal die schmerzende Stelle überwunden hat, ihren angemessenen, wenn auch knapp geschneiderten Platz einnimmt.
Befänden wir uns im normalen Leben, würde ich um einen vorübergehenden Waffenstillstand bitten, aber wir haben so wenig Zeit! Und gegen alle Voraussicht, wo ich doch dachte, ich würde voll tanken und zufrieden meines Weges ziehen, fühle ich mich immer mehr in einem Zustand des Entzugs. Seine dauernde Nähe, sein Getreidegeruch, die Verblüffung, ihn unentwegt zu begehren, monopolisieren all meine Sinne. Also liege ich wach in der Nacht, versuche mich, während er schläft, an ihm vollzusaugen, und tagsüber ernähre ich mich von seiner Schönheit, von den Liebkosungen seiner Hände, die so steif und ungehobelt sind, wenn ich sie auf einer Tischplatte sehe, und die sich in Goldschmiedehände verwandeln, sobald sie mich berühren. Anstandshalber und um uns ein wenig zu wehren gegen das Tier in uns, besichtigen wir in den Zwischenpausen den Eiffelturm, den Arc de Triomphe, den Louvre….

IV – Die zehn folgenden Jahre

Gauvain hatte 1952, im gleichen Jahr wie ich, geheiratet, und eh sie sich s versahen, waren Marie-Josée und er mit vier Kindern gesegnet. Nach unserer Trennung hatte er sein Lebensschiff sofort wieder auf Kurs gebracht, er gehörte nicht zu denen, „die sich den Luxus einer Depression leisten“ – ein Ausdruck, der beinahe alles über ihn sagte. Er hatte gerade „seinen Meister gemacht“, wie seine Mutter es formulierte, und fuhr auf einem Trawler, der vor Südirland fischte. „Er findet s hart“, fügte sie hinzu. Es klang sachlich, aber der sekundenlang getrübte Blick verriet einen Kummer, von dem sie nie sprach: Ihr jüngster Sohn, der vierzehnjährige Robert, war zwei Jahre zuvor von einem Brecher über Bord gefegt worden, und seine Leiche hatte man nie gefunden. Seitdem zeigte sie weniger Verachtung für ihre anderen Söhne, wenn sie das Leben hin und wieder „hart“ fanden.

Ihn traf ich manchmal auf dem Dorfplatz, wo er sonntags Boule spielen kam, wenn er an Land war. Die Schwangerschaften seiner Frau hatten seiner Schönheit keinen Abbruch getan, und er war nach wie vor der größte Herzensbrecher von Raguenès, ja sogar von Névez, Trégunc und Trévignon, möglicherweise von Concarneu! Seinen scheinbaren Seelenfrieden hätte ich gerne gestört, zu gerne hätte ich gewusst, ob er manchmal von mir träumte, aber er war nie allein, und dadurch blieben ihm Anspielungen auf damals, auf die wilde Entgleisung aus unseren Schicksalsbahnen, erspart…. Alles lesen>>>

V – Die fernen Inseln der Seychellen

Es war einmal auf einem Archipel des Indischen Ozeans, dort tat sich – war es Zufall oder war es zwingendste Notwendigkeit? – ein ganz absonderliches Paar zusammen: Er war Seemann, sie war Historikerin, beide waren sie von einem so körperlichen Begehren erfüllt, dass sie es nicht Liebe zu nennen wagten; beide konnten sie an diese Anziehungskraft nicht wirklich glauben, und beide waren jeden Morgen darauf gefasst, als wieder vernünftige Menschen aufzuwachen; beide fragten sie sich, was mit ihnen geschah, stellten sich Fragen, wie sie sich alle stellen, die irgendwann auf dieses quälende Geheimnis stoßen, dessen Tiefen allein die Dichter erforscht haben – ohne endgültige Antworten ans Tageslicht zu bringen.
Ich bin unfähig, diese Begegnungen in der Ich-Form zu schildern. Nur wenn ich hinter einem weniger persönlichen Pronomen Zuflucht suche, kann ich Georges Bericht wiedergeben in dem Versuch, jene amouröse Begierde näher zu bestimmen, die trotz aller irritierenden Unabwendbarkeit möglicherweise nichts anderes ist als die grandioseste Lüge des Körpers.
Eigentlich genügte es ja, sich vorzustellen, dass sie eine „Aufenthalt auf einer Trauminsel“ gewonnen hatte, „mit dem erotischsten Mann des Jahres“, ausgewählt aus einer Sammlung edelster Draufgänger.
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Sie knuddelt sanft seine Zwillingskugeln, eher aus Höflichkeit, bevor sie sich auf das konzentriert, was sie wirklich interessiert. Nach dem etwas zweifelhaften Berührungsreiz der Hoden scheint der Penis ehrlicher, normaler beschaffen. Während sie ihn betastet, wundert sie sich einmal mehr über seine Konsistenz: Er ist nicht hart wie Holz, nicht einmal wie Kork, in seiner Härte und Zartheit zugleich ist er nur vergleichbar mit einem anderen Penis im gleichen Stadium der Vorfreude.
Sie erforscht ihn lediglich mit dem Daumen und dem Zeigefinger, klimpert ein bisschen an ihm herunter und wieder herauf, lächelt jedes mal wenn er leicht zurück schwingt. Er ist glatt wie der Stamm einer Kokospalme und merkwürdig gebogen, wie dieser Baum es manchmal auch ist, und hellbeige, keineswegs bläulich rot. Es gefällt ihr, dass der Begriff „Schwellkörper“ nicht auf ihn passt.
„Hätten sie nicht das gleiche Modell eine Nummer kleiner?“ flüstert sie ihm ins Ohr. „Dieses passt nie und nimmer…“
Anstatt zu antworten, legt er noch einen Zoll zu, der Schuft. Gleichzeitig geniest sie seine Angst, seine wachsende Hast, denn Gauvin ist hin- und her gerissen zwischen dem Wunsch, sie seinerseits zu liebkosen und der vulkanischen Begierde, sofort und auf der Stelle in ihr zu explodieren.
Liebevoll, heldenhaft beginnt er nun mit der Annäherung; mit seinen Fingern, allen fünfen, beschreibt er Kreise um diese weibliche Scham, die plötzlich, sowohl für ihn wie für sie, zum Mittelpunkt der Welt wird, zu einem Ozean, in dem man versinkt und stirbt. Sie hält mit jeglicher Bewegung inne, um nichts zu verlieren von dem Mahlstrom, der sich in ihr eingräbt, je weiter er zum Rand des Trichters vordringt. Doch kaum hat er die glitschigen Lippen erreicht, da verliert er jegliche Kontrolle und stürzt in den lauen Abgrund. Und ohne Nuancen und ohne Schnörkel, ohne seinen Rhythmus bestimmen zu können, prescht er seiner Wollust entgegen, dem Rohling folgend, der soeben in ihm erstanden ist und der verlangt, den Tanz auszuführen. Sehr bald versinken sie in jenen Zonen, wo das Begehren sich mit Lust vereint, die erneut Begehren erweckt, ohne dass man sie noch voneinander unterscheiden oder wählen könnte zwischen Anfangen und Aufhören.
„Verzeih mir, ich bin zu hastig. Verzeih mir“, wiederholt er und sie antwortet, dass sie es manchmal mag, wenn er brutal ist, und er glaubt ihr nicht, und auch deshalb liebt sie ihn, diesen Mann: Er wiegt sich nicht in der primitiven Gewissheit, dass die Frauen schroff behandelt werden wollen.
„Ich konnte es nicht mehr erwarten, da drin zu sein“, flüstert er. „Auch wenn ich dir dann weh tue. Verzeih mir.“
„Du tust mir nicht weh, ganz im Gegenteil“, antwortet George und umschlingt ihn fester.

Endlich ruht er in ihr, wie der Vielgeliebte im Hohelied, auf scheinheilige Weise reglos und hinreißend schwer. Auch dieses Gewicht auf ihr liebte sie, genau wie sie diesen Scheinfrieden liebt. Bald schon sucht er ihre Lippen, und wieder können sie nicht sprechen, aber die Botschaften werden dennoch übermittelt, alle Schaltstellen funktionieren. Wie bei einem Fahrradschlauch, der wieder aufgepumpt wird, spürt sie, dass sein Glied schubweise wieder seine Form annimmt, worauf gleich wieder die Bewegungen einsetzen, zunächst langsam, bis dann der freche Besucher die Stätte okkupiert, den ganzen vorhandenen Raum und noch viel mehr ausgefüllt hat, sich den Wandungen anpassend, sie dehnend, am Grund anstoßend und ihn zurück drängend.
„Mach dirˋs bequem, fühl dich wie zu Hause“, flüstert sie.
Er rührt sie zutiefst an, wenn er sich – was selten geschieht – nicht mehr beherrscht, um ihren Orgasmus wird sie sich später kümmern, sie hat keine Lust, ihn zu verschleudern, sie geniest es, wenn sie ihn ums Haar verpasst, ihn weiter erhofft, sich ihn warm hält.
Ein Orgasmus ist letztlich etwas Einsames. Man zieht sich zurück in den komplizierten Mechanismus des zu erklimmenden Höhepunktes, und wenn man ihn erreicht, löst sich die Spannung lediglich in einem selbst. George hat heute Abend keine Lust, allein zu sein, nicht einmal eine Sekunde lang. Sie geniest die Wollust, die nicht mühsam auf ihre Auflösung hinarbeitet, die sich fließend entwickelt und um so länger anhält, die die Liebenden von der gleichen Welle tragen lässt und sie in der strahlenden Sicherheit wiegt, dass es nichts gibt, was solchen Augenblicken in irgendeiner Weise nahe kommt, und dass man endlich das gesamte Potential seiner Sinne nutzt, um in dieses Hinterland einzudringen, das unsere verlorene Heimat ist….Alles lesen>>>>>


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IX Auf, Auf, Ihr Freien Menschen

Ich habe oft an Gauvain gedacht in diesem Jahr. Eine marineblaue Mütze auf dem Kopf eines Seemanns in einem Hafen, ein bretonischer Akzent irgendwo in einer Straße von Concarneau, die Besuche bei Madame Lozerech, die in ihrem verlassenen Bauernhof vor sich hin schrumpfte – alle ihre Kinder waren in der Ferne, waren Seeleute oder Lehrer -, und schon stieg ein Schwall von Zärtlichkeit in mir hoch für den kleinen Jungen, der mir meine Fahrradreifen aufschlitzte und mich George Ohne-es nannte.
Nachts neben Sydney träumte ich von einem anderen. Geschlechtsorgane, die sich langweilen, haben Freude daran, sich unerhörte Jubelmomente vorzustellen. Diese Mösen! Manchmal erleben sie sie sogar.
„Überleg dir gut, was du verlieren würdest, wenn du auf deinen bretonischen Freund verzichtetest“ – so nannte meine Mutter ihn feinfühlig. „Intensives Erleben ist unersetzbar. Vom Verstand allein lässt sich der Körper nicht ernähren… Tragisch ist nur, dass Frauen wie wir beides brauchen“, folgerte sie in gespielt betrübtem Ton. Allerdings hatte sie Sydney nie sehr gemocht.


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Mary - Wie der Name schon erahnen lässt, stammte sie aus dem angelsächsischen Raum. Richtig! Aus der Hölle des Weltkapitalismus, den USA. Das wusste ich damals nicht, dass man die USA in meiner etwas kleineren Welt als solche bezeichnet. Damals, als wir zum ersten Mal am Strand gemeinsam Klecker-Burgen bauten. Da war ich gerade einmal Fünf, sie ein halbes Jahr jünger. Mary, die Großnichte der Frau meines Großonkels; gewissermaßen meine „Schwieger-Groß-Cousine“.
dunkle_perlen_erotiknovellenWir wussten nicht viel von dieser Welt. Mich wunderte, dass sie so seltsam sprach. Worte, die ich nicht verstand. Umgekehrt schien das ähnlich zu sein. Doch wenn wir Burgen bauten, Löcher in den Sand gruben oder den Wasserball warfen, spielte das keine große Rolle. Der Ball und „the ball“, „borl“, klangen fast ähnlich. Beim „castle“, der Burg, war das schon etwas schwieriger. Das Sand-Loch, „the hole“ klang wie die Hohle. Ein Hohlweg, in dem wir zu Hause als Kinder gern spielten. Der Weg erinnerte stellenweise wirklich an ein Loch. Über solch kleine Eselsbrücken lernte ich meine ersten englischen Vokabeln. Über Badeanzüge, Schambehaarung, Autos, Kassettenrekorder, die verschiedensten Löcher im menschlichen Körper und deren Bedeutung für Glück und Fortpflanzung, steife Glieder, Filmkameras, Kondome, ob Zähneputzen vor dem Schlafengehen nützlich oder schädlich ist wie über untreue Ehefrauen, sprachen wir ohnehin noch nicht.
Die schwarze Mona - Wir besaßen eine Höhle in einer der zahlreichen Heumieten um den Ort herum. Die besagte diente als Futterreserve für den daneben liegenden Schafstall. Maritta besuchte uns, mich nebst drei anderen Freunden, in der Höhle. Berührung war nicht erlaubt, wir durften sie lediglich anschauen, wie sie nackt und breitbeinig auf dem Heu lag und sich selbst befriedigte. Einer nach dem anderen, jeder für sich, und jeder musste vor ihren Augen masturbieren.
Maritta, das Ebenbild einer Zigeunerin – so durfte man seinerzeit Mitglieder dieses Volkes unbeanstandet nennen. Eine schwarze Lockenmähne auf dem Kopf, die sich zwischen ihren Beinen bis weit über den Schamberg hinauf sowie ein kleines Stück an den Innenseiten der Oberschenkel hinab wiederholte, ein Urwald, der Anblick faszinierte mich.
Während sie mit zwei Fingern ihre von Haaren überwucherte Spalte öffnete oder sich am Kitzler rieb, befahl sie uns, vor ihren Augen zu wichsen. Dabei stöhnte sie leise. Wenn sie bemerkte, dass sich etwas ankündigt, streckte sie die Füße aus. Anschließend verrieb sie das Sperma auf ihren Beinen. Der Reigen wiederholte sich so lange, bis keiner mehr auch nur einen einzigen Tropfen heraus brachte. Vor der Höhle in der Warteschleife brachten wir unsere Schwänze wieder in Form, indem jeder den anderen bei der Schilderung seiner Erlebnisse mit Maritta zu übertreffen versuchte.
„Bei mir hat die richtig laut gestöhnt“, meinte einer. „So tief war sie mit ihren Pfoten in der Pflaume drin.“ Er streckte zur Demonstration drei Finger aus ... Alle Leseproben>>>

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Als ich endlich in Mahé ankam, feierten die Seychellois Geburtstag, es war der erste Jahrestag ihrer Unabhängigkeit, und die Freudenstimmung ringsum trug viel zu unserer eigenen bei.
Unser ganz persönliches Fest endete im Morgengrauen im lauen Ozean, aber diesmal haben wir nicht die schüchternen Verliebten gespielt. Den Luxus der Entsagung kann man sich nur mit zwanzig leisten.
Verlangen sie nach Beschreibung, diese Tage, aus denen wir Nächte machten, wenn es regnete? Ach, erspar uns das doch lieber, sagt die Anstandsdame. Die Nummer mit den Seychellen hast du schon gebracht. Und wenn Sex nicht mehr aufregend ist, wird er abstoßend. Da gibt es keine goldene Mitte.
Ähnlich wie eine grüne Hand das Wachstum der Pflanzen anregt, so stimuliert Gauvains magische Hand meinen Körper und lässt mich unentwegt neue erogene Zonen entdecken. Es gibt vergängliche, die ich nie wiedersehe; andere, die zeitweilig verschwinden, und die treuen, die so verlässlich da sind wie der Garten vor dem Haus mitsamt seinem ewig gleichen Vogelgezwitscher. Aber selbst wenn moir Gauvion Fragen stellt, bin ich nicht in der Lage, diese wandernden Grenzen zu beschreiben, so übersättigt bin ich vor lauter Wollust und Glücksgefühlen, von denen ich nicht weiß, ob alle die Bezeichnung Orgasmus verdienen nach der Prädikatsliste von Ellen Price.
„Du sagst mir nicht alles, was du magst“, behauptet Gauvin beharrlich. „Es gibt noch Dinge, die du dich nicht zu verlangen traust.“
„Fast nichts, du kannst ganz beruhigt sein. Und dieses Fast nichts bringt mir alle Lust. Sonst… sonst wärst du ja ich! Wie schrecklich!“
„Aber meistens weiß ich nicht genau, wann es dir kommt, das beunruhigt mich schon. ich frage mich. ob…“
„Frag nicht dich, frag mich. Sex ist nicht einfach Sex, da irren sich manche. Niemand vermittelt mir wie du… die Lust, natürlich, vor allem aber den Sinn für das Heilige in der Wollust.“
Ich wage es kaum, diese Worte auszusprechen. Aber ich erlaube mir alles, gebe allen meinen Launen nach, ich singe und tanze vor ihm, als ob ich allein wäre. Ich trage Kleider, die ich nach meiner Rückkehr sorgfältig werde verstecken müssen. Ich trage ein weiches Satin-Nachthemd, ein echtes „Reiß-es-mir-vom-Leib“, wie ich es im Zivilleben nie gekauft hätte. O ihr Mittel, die ich sonst verwerfe oder verachte! Wie wunderbar ist es, euch einzusetzen… und eure wohltuende Wirkung zu erproben!


Salz auf unserer Haut – Der Film mit Greta Scacchi – Mehr zum Film>>>
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Während ihrer Sommerferien in Schottland verliebt sich die reiche Pariserin George in Gavin. Doch Welten trennen sie; er ist arm und kennt nur sein einfaches, hartes Leben in ländlicher Umgebung. Von seiner Männlichkeit angezogen, gibt die verwöhnte George nicht auf. Gavin verfällt ihrer Erotik am nächtlichen Strand. Es ist der Beginn einer verbotenen, leidenschaftlichen Liebe, die sie immer wieder zusammenführt. Heimlich treffen sie sich in Hotelzimmern in London und Paris, auf den Virgin Islands und in Florida. Ihre Liebesaffäre können sie jahrelang vor ihren Ehepartnern geheim halten, bis der Tag kommt, an dem sie sich der Realität stellen müssen.


In den ersten Jahren in Amerika hatte ich mich geschmeichelt gefühlt, weil ich die erotischen Sitten der intellektuellen Avantgarde teilte. Damals glaubte ich noch, dass es in der Liebe eine Avantgarde gäbe! Mit Ellen Price und Al und all unseren Freunden, den Therapeuten und Sexopeuten und Analytikern und Sexualanalytikern, debattierten wir in brillantester Form über die Liebe und die Lust, aber das verhalf uns nicht unbedingt dazu, mehr zu lieben und mehr Lust zu empfinden. Al war nach Ellens Buch impotent geworden, außer mit Prostituierten. Das war seine Antwort an seine private Gespielin. Sydney hingegen war zum Overdrive übergegangen, aber in Apassionata-Manier. Diese Gewandtheit im Dilletantismus, um die ich die Amerikaner so beneidet hatte, erschien mir jetzt mehr als ein Gebrechen denn als Lebenskunst.
Ich erkannte, wie sehr im Zusammenleben alles eine Frage des Blickwinkels ist: Die gleiche Geste kann ärgernoder rühren, je nachdem ob man nach einem Grund sucht, mit jemandem zu leben oder jemanden zu verlassen. Fortan brachte mich alles an Sydney auf die Palme.

So ergab es sich also, dass ich innerhalb eines Jahres mich innerlich mehr oder weniger von meinen beiden Männern löste. Von Sydney ganz, weil er nach Amerika zurück musste. Von Gauvain weniger, weil die Trennung uns ja nie geschafft hatte. Aber ich hatte Lust zu leben, ohne von Unmöglichem zu träumen. Man wartet nicht elf Monate von zwölfen auf einen Abwesenden, wenn man die Vierzig überschritten hat.
Erreichte ich allmählich schon das melancholische Alter, in dem Freundschaft lebenswerter und kostbarer als Liebe zu sein scheint? Alles lesen>>>>>


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2 Kommentare zu "Benoite Groult – Salz auf unserer Haut"

  1. Benoit Groult, fast vergessen in der Flut an eher mäßigem, die uns monatlich überschüttet. Irgendwann gekauft und noch nicht gelesen, das werde ich jetzt nachholen

  2. ein tolles buch, habe es zweimal gelesen, schön, dass du daran erinnerst, kussi, martina

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