Caligula – Der Film (2024) – Sadistisch aber historisch

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Caligula – Bildstarkes Historienspektakel von Arthouse-Regisseur Tinto Brass

Seit dem Jahre 2024 als Ultimate Cut in einer dreistündigen Neufassung im Handel

mit: Malcolm McDowell, Teresa Ann Savoy, Peter O’Toole, Helen Mirren; Regie: Tinto Brass

Caligula – Er ließ seinen Vorgänger Tiberius ermorden, machte seine Schwester Drusilla zu seiner Geliebten und ernannte sein Pferd zum Konsul – Dekadenz und Ausschweifungen prägten seine Herrschaft …

Caligula

Er war der dritte Kaiser auf dem Thron des Römischen Reiches, des Imperium Romanum, der ehemaligen Republik am Tiber, deren Repräsentanten sich lange gegen die Herrschaft eines Imperators gewehrt hatten. Seine Ambitionen, das Reich allein zu regieren, bezahlte Cäsar in den Iden des März im Jahre 44 v. Chr. mit dem Leben. Was Cäsar nicht schaffte, vollbrachte schließlich sein caligula_ultimate_cutAdoptivsohn Octavian nach jahrelangem Bürgerkrieg und bestieg am 16. Januar 27 v. Chr als Augustus (der Erhabene) den römischen Thron. Er bezeichnete sich nie als Kaiser, sondern als Princeps (erster Bürger), dennoch wurde er zum Begründer des Kaisertums in Rom.

Tiberius

Er war der zweite und der erste, der den Titel „Kaiser“ führte, Stiefsohn des Augustus und in zweiter Ehe verheiratet mit dessen Tochter Julia- Letzteres, um die Nachfolge auf dem Thron reibungslos zu sichern. Tiberius war schon vor seiner Inthronisation ein erfolgreicher Heerführer, der das linksrheinische germanische Gebiet bis an die Nordsee eroberte. Nach Augustus Tod im Jahre 14 u. Z. trat Tiberius dessen Nachfolge an. Tiberius war berüchtigt wegen seiner Terrorherrschaft. Er ging gnadenlos gegen Kritiker und Gegner (oder solche, die er für Gegner hielt) vor und ließ zahlreiche Todesurteile vollstrecken.

In Glaubensfragen kämpfte er besonders gegen das Judentum und Kulte, die vom römischen Götter-Glauben abwichen. Nach der Niederschlagung verschiedener Aufstände festigte er die Macht Roms in den damaligen Grenzen des Reiches.
In den letzten Jahren zog er sich, schwer krank, auf die Insel Capri zurück. Dass er dort auf Befehl des von ihm selbst auserkorenen Nachfolget Caligula ermordet wurde, gilt als nicht bewiesen. Doch genau hier setzt der Film an. Tiberius hatte Caligula in seine Residenz bestellt, um über seine Nachfolge zu reden und Caligula nutzte die Chance, den gebrechlichen alten Mann umbringen zu lassen …

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Verwirrungen um die Urheberschaft des Films

Vom Caligula-Regisseur Tinto Brass gibt es bereits einen hier im Blog vorgestellten Film mit ein paar kurzen Angaben zur Person in „Playboys“ – zum Beitrag>>>
Für erwähnenswert halte ich allerdings ein paar Kapriolen, die es um den Film gab. Als Produzent wirkte Penthouse-Gründer Bob Guccione mit, der Einfluss auf das Drehbusch nahm und auf dessen Veranlassung vermeintlich  pornografische Szenen gedreht wurden, von denen Brass nichts wusste. Daher setzte letzterer durch, dass er im Vorspann des Films nicht als Regisseur genannt werden durfte.

Der Film

In den Ultimate Cut wurde bislang unveröffentlichtes Filmmaterial eingearbeitet und der Film in seiner Gesamtheit aufwendig restauriert. Chronologische Abläufe sollen besser zur Geltung kommen und die handelnden Personen in ihrem Charakter detaillierter gezeichnet werden, ohne dass der Plot in seinen ursprünglichen Abläufen grundlegend verändert, sondern lediglich vervollkommnet wurde. In jedem Falle kommt die Neufassung bei der Filmkritik wesentlich besser weg als die ursprüngliche, die von der Kritik als „schamloser Müll“ oder als ein pornografisches Machwerk zerrissen wurde. Das kann man sehen wie man will, gegen gut gemachte Pornos habe ich an sich nichts einzuwenden.

Caligula und Drusilla

Rom im Jahre 37 n. Chr. – Die Neufassung des Films beginnt mit einem Vorspann, der kurz die historischen die Hintergründe verrät, wie Caligula in den engeren Kreis der Macht gelangte. Schon als Kind begleitete er seinen Vater, den Kriegshelden Germanicus zu den Truppen, von denen er, wegen der kleinen Stiefel, die er trug, den Spitznamen „Stiefelchen“ verliehen bekam. Militärstiefel = Caligae, daher Caligula. Er ist beim römischen Volk beliebt und kommt daher in die engere Wahl als Nachfolger für Tiberius.

Germanicus starb aus ungeklärter Ursache, der größte Teil seiner Familie ebenfalls, übrig blieben allein Caligula (Malcolm Mc Dowell ) und seine Schwester Drusilla (Teresa Ann Savoy).
Die Handlung beginnt mit einem Alptraum Caligulas, der sich anschließend mit seiner Schwester nackt im Bett vergnügt. Er habe geträumt, Tiberius (Peter O`Toole) wolle sie beide umbringen, wie schon den Vater, die Mutter und die anderen Geschwister. Drusilla spricht ihm Mut zu.

Das zärtlich vertraute Liebespiel mit der Schwester wird vom Kommandeur der Prätorianer, Macro (Guido Mannari) unterbrochen, der Caligula den Befehl des Kaisers überbringt, in dessen Residenz zu erscheinen. Caligula hat Angst, ebenfalls umgebracht zu werden.

Dekadenz in der Residenz des Kaisers Tiberius und Mord

Nach seinem Erscheinen am Hofe des Kaisers, der sich bereits vor geraumer Zeit auf die Insel Capri zurückgezogen hatte, findet Caligula den von Krankheit gezeichneten Tiberius im Bade vor, umgeben von nackten jungen Frauen und Männern, mit denen er im Wasser Sex hat. Seine Fischlein, wie er sie nennt. Tiberius verhöhnt ihn. Er nennt Caligula eine Viper an der Brust Roms.
Anschließend führt Tiberius Caligula durch seinen Palast, wo er Zeuge ungezügelter Sexorgien wird. Knäuel nackter Körper, Frauen, die sich mit verschiedenen Geräten selbst befriedigen oder Männern die erigierten Glieder massieren, Transsexuelle.


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Tiberius reicht Caligula einen Becher Wein, den der ablehnt. Eine nackte Liebesdienerin trinkt stattdessen und fällt kurz darauf tot um. Tiberius deutet Caligula an, dass er seinen leiblichen Enkel bei der Thronfolge bevorzugen will.
Indessen versucht Tiberius Freund und Berater, Nerva (John Gilgud)), Selbstmord zu begehen. In seinen letzten Zügen beschuldigt er Tiberius schwerster Verbrechen und spricht die Überzeugung aus, dass Caligula ihn nach seiner Machtübernahme ohnehin ermorden lassen würde.

Tage später, Tiberius liegt im Koma und Caligula zieht ihm den Ring der Cäsaren gewaltsam vom Finger. Als Tiberius den Ring zurückhaben will, wird er vom Kommandeur der Prätorianer, Macro, der dazu kam, mit einem Seidenschal erwürgt.
Tiberius leiblicher Enkel ist Zeuge der Tat. Caligula adoptiert ihn als seinen Sohn, später lässt er ihn ermorden.

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Caligula wird Kaiser

Es beginnt eine Epoche der Willkürherrschaft, der Völlerei und endloser Sex-Orgien im Palast des Kaisers. Zuerst lässt Caligula vor den versammelten Prätorianern, deren Kommandeur Macro, den er als Mörder Tiberius bezeichnet, verhaften, anschließend dessen Frau. Gegner lässt er mit Hilfe einer Maschine rotierender Klingen hinrichten. Die Verurteilten sind bis an den Hals eingegraben und werden geköpft. Darunter auch Macro. Caligula lässt Menschen hinrichten, einfach nur so zum Spaß.

Er will Drusilla, seine Schwester und Geliebte auch zu seiner Frau nehmen, doch die lehnt ab und führt ihm stattdessen, während einer lesbischen Orgie der Isis-Priesterinnen in Drusillas Haus, Caesonia (Helen Mirren) zu, eine Isis- Priesterin aus höchsten Kreisen Roms, die er heiratet. Von da an schläft er mit beiden Frauen und die Frauen auch miteinander.
Während der Hochzeitszeremonie eines seiner Offiziere entjungfert Caligula die Braut in Anwesenheit des Bräutigams, anschließend penetriert er den jungen Mann anal.

Drusillas Tod

Während Caligulas Frau Caesonia unter Anteilnahme des gesamten Hofes eine Tochter zur Welt bringt, bricht Drusilla zusammen. Wenig später stirbt sie an einem Fieber.
Nach dem Tod seiner Schwester Drusilla, den er zuerst nicht wahrhaben will, verfällt Caligula völlig dem Wahnsinn. Der Film endet in einem Massaker um Caligulas Ermordung nach vier Regierungsjahren. Er regierte von 37 bis 41 n. Chr. Gleich nach Caligulas Ermordung wird sein als debil und gebrechlich erscheinender Onkel Claudius (Giancarlo Badessi) von Soldaten der Leibgarde zum neuen Kaiser ausgerufen.

Fazit

Allein aus Interesse an historischen Themen heraus, war der Film in seiner Ur-Fassung eine der ersten DVD, die ich, nach Erscheinen dieses Mediums anschaffte. Spielzeit: 129 Minuten, und ich war geteilter Meinung, weil dem Film ein Faden fehlte und das Ganze wie eine Aneinanderreihung willkürlich ausgewählter Episoden aus dem Leben des Kaisers wirkte. Das wurde einigermaßen geheilt von teils doch sehr erotischen Szenen, die ich keineswegs als pornografisch empfand (vielleicht mit Ausnahme kurzer Einblendungen von Gewaltorgien). Die wichtigen handelnden Personen sowie ein großer Teil der Statisten bewegen sich über den gesamten Film hinweg nackt oder leicht bekleidet.

Und man kann schon sagen, dass sowohl Malcolm McDowell wie auch Teresa Ann Savoy wirklich sehr schöne Körper besitzen. Die Neufassung ist nun mehr als doppelt so lang und was die Kritik zur Häufigkeit angeblich pornografischer Szenen anmerkt, nämlich dass die weniger geworden sein sollen, stimmt lediglich insofern, dass aufgrund der längeren Spieldauer der Anteil geringer wurde. Obgleich tatsächlich zwei, für meine Begriffe, sehr gute Szenen aus der Ur-Fassung fehlen. Dennoch gibt es sehr viel schön anzusehende nackte Haut. Und dass am römischen Kaiserhof unter verschiedenen Herrschern, wie auch in der Oberschicht, ungezügelte Sex-Orgien gefeiert wurden, ist historisch belegt.

caligula_ultimate_cutWas mir an der Neufassung tatsächlich besser gefallen hat (trotz der 3 Stunden) als in der alten, ist die Kontinuität in der Darstellung des Werdegangs Caligulas von „ein bisschen verrückt“ bis hin zum totalen Wahnsinn. Obgleich die Forschung, aus dem heraus, was man zu wissen meint, ihn nicht als verrückt im klinischen Sinne bezeichnet, sondern eher als einen Getriebenen und sogar das Opfer verschiedener blutiger Machtkämpfe, die sich, im Übrigen, wie ein roter Faden durch die gesamte römische Geschichte ziehen. Politischer Mord galt als normal. Ein diabolischer Herrscher, schöne nackte Menschen und ein Wechsel zwischen Schönheit, Lust und Grausamkeit, darf man gern sehen>>>

Apropos politische Morde

So weit weg vom antiken Rom sind wir, in der Frage, was politische Morde betrifft, gar nicht. In einem Land, welches gern wieder als Weltmacht wahrgenommen werden möchte, nur wenige Flugstunden östlich von uns, sterben auffallend häufig führende Persönlichkeiten aus Politik, Militär oder Wirtschaft aus mysteriösen Gründen. Manche stürzen auch zufällig aus einem Fenster oder von einem Balkon oder begehen aus Versehen Selbstmord. Nicht einmal zu reden von System-Kritikern oder -Gegnern, die erschossen oder vergiftet werden. Insofern, willkommen im antiken Rom könnte man an den Internationalen Flughäfen auf Transparente in den Empfangshallen schreiben …

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Buchtipps

Bei der Bearbeitung der Neufassung von Caligula fiel mir ein Roman ein, der schon seit 1974 in meinem Bücherregal steht und siehe, er ist sogar noch im Handel verfügbar. Nicht ins Rom Caligulas, sondern etwa 30 Jahre später ins Rom Kaiser Neros führt die Leserschaft dieser Klassiker der historischen Romane, für den der Autor im Jahre 1905 den Nobelpreis verliehen bekam,
Quo Vadis – historischer Roman des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz
Erstveröffentlichung im Jahre 1895

Quo Vadis – Henryk Sienkiewicz

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Vor dem Hintergrund der Christenverfolgung im Rom unter Kaiser Nero erzählt der Roman die Geschichte der Liebe zwischen der Christin Lygia und dem patrizischen Offizier Marcus Vinicius und gibt dabei einen tiefen Einblick in die Widersprüche im Konflikt zwischen imperialer Macht, heidnischer Dekadenz und frühchristlicher Ethik.
Das opulente Werk basiert auf intensiven Quellenstudien des Autors, die für eine archäologisch fundierte Milieuschilderung sorgen. Was die Schilderung des Lebens bei Hofe betrifft, wird man schnell Ähnlichkeiten mit Caligula finden, denn auch am Hofe Neros wurde gemordet und Orgien gefeiert.

Wenn auch das Bild Neros im Ergebnis neuerer Forschungen in einer Reihe von Bewertungen inzwischen korrigiert wurde, behält der Roman im Bezug auf die Ereignisse der Zeit und den gesellschaftlichen Kontext seine völlige Originalität.
Henryk Sienkiewicz wurde 1846 im geteilten Polen geboren und schrieb somit aus eigener Erfahrung, was fremdländische Unterdrückung bedeutet. Der Roman bietet historische Erzählung mit philosophischer Tiefenschärfe, dramatische Handlung und eindrucksvolle Figuren. 1905 erhielt Sienkiewicz für den Roman den Nobelpreis – Quo Vadis>>>

Quo Vadis – Verfilmungen

Der Roman wurde mehrfach verfilmt, davon dreimal als Stummfilm in den Jahren 1901, 1910 und 1913. Letzterer war der erste Monumentalfilm in der Filmgeschichte überhaupt. Die bekannteste Verfilmung war die weitgehend romangetreue Hollywood-Produktion aus dem Jahre 1951 in Starbesetzung von Regisseur Mervyn LeRoy.

Peter Ustinow spielte Nero, Lygia wurde von Deborah Kerr und der Offizier Marcus Vinicius von Robert Taylor dargestellt. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und lief in den 70er Jahren auch in DDR-Kinos. Der Fim ist noch in geringen Auflagen z. B. hier erhältlich>>>

Die letzte Verfilmung als Adaption auf den Roman erfolgte im Jahre 2001 durch den polnischen Regisseur Jerzy Kawalerowicz. Davon habe ich keine deutsche Synchronisation gefunden.
Erhältlich auf DVD ist dafür die im Jahre 1985 von Franco Rossi gedrehte italienische Fernsehserie mit Klaus Maria Brandauer als Nero in der Hauptrolle, als Blu Ray und DVD (3 DVD) hier erhältlich>>>

Rom – Leben und Kultur in der Kaiserzeit – Jerome Carcopino

rom_leben_und_kulturFalls Sie sich für eine umfassende und detaillierte Beschreibung der römischen Verhältnisse interessieren, dann kann ich nur diesen Klassiker der Kulturgeschichtsschreibung von Jerome Carcopino empfehlen. Er zeichnet zuerst ein umfassendes Bild Roms, Glanz und Elend einer Großstadt mit allen, mitunter modern anmutenden Problemen. Darauf folgt die Darstellung sozialer Verhältnisse, des Familienlebens, des Erziehungswesens und der Religiosität. Schließlich wird der Tagesablauf eines Römers in der Kaiserzeit rekonstruiert (der eines Politikers und eines Tagelöhners). Die Schilderung ist so anschaulich, dass man sich selbst in die Stadt versetzt fühlt.

Jérôme Ernest Joseph Carcopino, geboren am 27. Juni 1881 in Verneuil-sur-Avre, verstorben am 17. März 1970 in Paris, war ein bedeutender französischer Althistoriker, Archäologe und Epigraphiker.
Carcopino schrieb wichtige Studien insbesondere zur römischen Geschichte. Das hier vorgestellte Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erschien in mehreren deutschen Ausgaben.
Carcopino war Mitglied vieler archäologischer und historischer Institute in Europa und u. a. seit 1955 der Académie française – Rom – Leben und Kultur in der Kaiserzeit>>>

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