Willy Brandt – Tag der Hoffnung – 19.03.1970

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Der Tag, an dem Erfurt Geschichte schrieb

Willy Brandt ans Fenster – Erinnerungen an einen großen Deutschen und Weltbürger – mit Buchtipp

Willy Brandt knapp 20 Jahre später: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört …“ Der Beitrag erschien zuerst im März 2020 auf frank-c-mey.com, die Neuauflage anlässlich des 110. Geburtstages Willy Brandts am gestrigen 18. Dezember 2023

Willy Brand in Erfurt – Ende der Eiszeit

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Am heutigen 19. März 2020 jährt sich der für die Deutsche Geschichte so bedeutsame Besuch des damaligen Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Willy Brandt,  zum 50. Mal. Über die Bedeutung des Besuchs für die darauf folgende Geschichte, insbesondere die Deutsche Geschichte, wurde genug geschrieben und wer heute oder in den Tagen davor die Presse verfolgte, bekam einiges zu lesen. Hier ein paar persönliche Erinnerungen an Brandt und Erfurt. Eine Zusammenfassung der Ereignisse zum „Erfurter Gipfeltreffen“ finden Sie hier>>>

Erinnerungen
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Bahnhofsvorplatz Erfurt 19.03.1970 gg. 10:00 Uhr

Ich besuchte seinerzeit die 10. Klasse der Erweiterten Oberschule Neudietendorf. Neudietendorf, einer der kleineren Eisenbahnknotenpunkte der DDR, trennten sich doch hier die Strecken von Erfurt nach Eisenach und von Erfurt nasch Arnstadt. Aus Richtung Eisenach kam der Sonderzug an diesem denkwürdigen Tag, es war ein Donnerstag. Wie alle Grau in Grau und schwarz vom Ruß gezeichneten Bahnhöfe der DDR, wurde auch der Neudietendorfer im Vorfeld des Besuchs mit einem frischen Farbanstrich versehen.

Wir sollten nicht „glotzen wie die Esel“

Man unterwies uns darüber, dass man in Erfurt möglicherweise bereits in den Vortagen auf größere „Westautos“ stoßen könne, und wir sollten doch bitte nicht „glotzen wie die Esel“ und uns vielleicht auch noch die Nasen an den Fenstern dieser Karossen breit drücken.
Ich weiß nicht mehr, ob es Zufall war oder Vorsatz, dass ich an diesem Vormittag gegen 9 Uhr einen Arzttermin in der Poliklinik Mitte in Erfurt hatte.

Menschenmassen drängelten sich in der Bahnhofstraße

Die Polizei hatte mit mehreren Ketten den gesamten Bahnhofsvorplatz abgeriegelt. An der Westseite waren mehrere Straßenbahnen als zusätzliche Barriere aufgestellt. Die Masse der Schaulustigen konzentrierte sich auf der Westseite des Bahnhofsvorplatzes, da die Zugänge und Zufahrten aus den anderen Richtungen bereits weiträumig abgesperrt waren. Es war ein einziges Drängeln und Schieben bis dann die Polizeiketten dem Druck nicht mehr stand halten konnten. Den Moment des Durchbruchs beschreibt das folgende Video mit dem Originalton der ARD-Berichterstattung.

19. März 1970 – ein prägendes Erlebnis

Die Seitenzugänge des Hauptbahnhofes waren begehbar. Daher hatte man die Möglichkeit, über die Westseite der Bahnhofstraße zum Bahnhof zu gelangen. Vermutlich wurde dieser Umstand auch von der Mehrheit der Schaulustigen ausgenutzt. Was ich auf dem Rückweg zum Bahnhof erlebte, steht in einem Artikel der „Thüringer Allgemeine geschrieben, den Sie hier nachlesen können>>> (meinen Beitrag finden Sie in Teil 2 des Artikels)
Im nachfolgenden Video, das das ZDF im Vorfeld des 30. Besuchs-Jubiläums drehte, sehen Sie nochmal ein paar Bilder von damals aus dem Jahre 1970 (lassen Sie sich bitte nicht von demselben Vorschaubild irritieren).

Der Ex-Kanzler in Thüringen

Es sollte nicht der einzige Besuch des früheren Kanzlers bleiben, an diesem Donnerstag im März 1970. Dass weitere folgen würden, weitere unter völlig neuem Vorzeichen, daran glaubte wohl zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Nach dem 19. März 1970 begann die Mauer zu bröckeln, neunzehn und ein halbes Jahr später brach sie zusammen. In einem Prozess, der später als friedliche Revolution in der DDR bezeichnet wurde, ein Begriff, den ich ablehne seit er zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erschien. Warum, das können Sie in meinen Büchern lesen>>> | Oder hier>>> amazon_audible

Gotha am 27. Januar 1990

Die SPD Thüringen hielt im Tivoli zu Gotha ihren Gründungsparteitag ab, ein Land, das es noch gar nicht gab, wir wollten ein Zeichen setzen. Die Initiative zur Umbenennung der SDP in der DDR in SPD ging seinerzeit während eine Treffens in der Heidmühle von mir aus, da bekannt geworden war, dass die SED auf ihrem „Umbenennungsparteitag“ in PDS im Dezember 1989 ursprünglich geplant haben sollte, sich den Namen SPD zuzulegen. Ein Interview, das ich seinerzeit für Radio DDR gab, finden sie hier>>> 

Die Stimmung schlug um

Der Ehrenvorsitzende der SPD erschien als Ehrengast auf dem Parteitag. Gegen Abend sprach er auf dem Kornmarkt und Gotha drohte aus den Nähten zu platzen. Auf dem folgenden Video die Grußansprache zum Gründungsparteitag der Thüringer SPD.

Zu dieser Zeit hatte die SPD ihren stärksten Zuspruch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Filmmaterial zum Auftritt des Ex-Kanzlers auf dem Gothaer Kornmarkt liegt mir leider nicht vor. Die Stimmung war bereits umgeschlagen, als Brandt zu seinem nächsten Besuch in Erfurt eintraf.

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Willy Brandt 3.3.1990

Der 3. März 1990

Der Besuch, der auf Einladung der Erfurter SPD zustande gekommen war, sollte ursprünglich am 19. März stattfinden, exakt am Tag der 20. Wiederkehr des Gipfeltreffens im Jahre 1970. Doch die Wolken in Berlin verdunkelten sich zusehends. Die Volkskammer, von der Mehrheit der ehemaligen SED-Mitglieder und deren Verbündeten beherrscht, hatte seit Anfang März damit begonnen, Gesetze durchzupeitschen, die eine Reihe Privilegien der alten Führungsriegen sichern sollten.

SED-Funktionäre und „Blockflöten“ sicherten Privilegien

Davon profitierten nicht allein ehemalige SED-Mitglieder, sondern auch Mitglieder der Blockparteien. Eines dieser Mitglieder, ein namentlich nicht unbekannter Erfurter Bürger, riss sich auf der Grundlage eines in dieser Zeit verabschiedeten Gesetzes eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Stadt unter den Nagel. Ein weiterer sicherte sich ein umstrittenes Neubauprojekt in einer Trinkwasserschutzzone. Kennen Sie deren Namen? Ich leider nicht, oder vielleicht doch?

Vorverlegung des Wahltermins

Um dieses Treiben zu beenden, kam es auf Drängen des Runden Tisches in Berlin zu einer Vorverlegung das Termins für die erste freie Volkskammerwahl, die ursprünglich für Mai vorgesehen war, auf den 18. März 1990. Damit war der Besuchstermin 19. März erledigt, denn es sollte ja auch ein Wahlkampfauftritt werden. Somit wurde der Termin auf den 3. März vorverlegt. Das folgende Video enthält Ausschnitte aus der Rede Brandts auf dem Erfurter Domplatz.

Weniger Zuspruch auf dem Domplatz

Ein paar Tage davor sprach Helmut Kohl am selben Ort. Verglichen mit der Besucherzahl, die Kohl zujubelte, war der Nachhall auf den Auftritt unseres Ehrenvorsitzenden sehr gedämpft. Ein SPD-Mann mit Vornamen Oskar, der seinerzeit vehement versuchte, den Menschen den Wunsch auf schnelle Vereinigung beider deutscher Staaten auszureden, hatte ganze Arbeit geleistet. Hinzu kam der schmutzigste Wahlkampf, den sich die Allianz für Deutschland  geleistet hatte. Volker Rühe bezeichnete Brandt und andere seinerzeit als Vaterlandsverräter, u. a.

Im historischen Salonwagen von Frankfurt/ M. nach Erfurt

Vergleichbares bot seit Ende des 2. Weltkrieges keine politische Partei oder sonstige Vereinigung auf deutschem Boden. Vaterlandsverräter waren noch die mildesten Titulierungen für den Ehrenvorsitzenden der SPD.

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Bahnhofsvorplatz 3.3.1990

Zu meinen persönlichen Lebens-Highlights gehört die Fahrt an der Seite Willy Brandts im Salonwagen von Frankfurt/ Main nach Erfurt.

Die Mitreisenden

Dabei waren gemäß  Auszug aus dem Willy-Brandt-Archiv, Salonwagen für 12 Personen: Willy Brandt, Luis Ayala, Generalsekretär der Sozialistischen Internationale, Hans Eichel, damals noch OB von Kassel, später MP Hessen, danach Bundesfinanzminister, Dagmar Wiebusch, Pressestelle des SPD-Parteivorstands, später Sprecherin, Frank Meyer, SPD-Landesvorstand Thüringen

Im Salonwagen

Das Jahr 1990 – Willy Brandt war bereits sehr krank, man sah es ihm an, 77 Jahre alt zu diesem Zeitpunkt, das Leben hatte Narben hinterlassen. Hin und wieder nickte er ein, doch war er wach, dann war er auch hellwach. Wir sprachen über den Weg dahin, den Weg, um dieses „jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört …“ zum Ende zu bringen. Ich habe viel über ihn gelesen, doch nirgendwo fand ich eine definitive Äußerung, welchen Weg er favorisierte, Vereinigung oder Anschluss? Willy Brandt sprach einen Satz: „Der (damit meinte er Kohl), der wird es wohl nach 23 machen …“ So wie er es aussprach, meinte ich schließen zu können, dass Willy Brandt anders dachte.

Rauch nicht so viel …

Im „Erfurter Hof“ gab es in demselben Salon, in dem 1970 das Treffen mit Willi Stoph stattfand, ein gemeinsames Essen mit Vertretern der SPD Erfurt und Thüringens. Und nicht allein im selben Salon, es gab sogar das gleiche Menü wie seinerzeit beim Treffen mit der Regierungsdelegation der ehemaligen DDR. Wir saßen uns gegenüber an der Tafel, neben Willy Brandt der damalige Kreisvorsitzende der SPD Host Bechthum. „Rauch nicht so viel“, sagte Willy Brandt zu mir (damals war das Rauchen noch fast überall erlaubt), dabei rauchte er selber wie ein Schlot. amazonvideo

November 1990

Anlässlich des Wahlkampfs zur Bundestagswahl im Dezember 1990 besuchte der frühere Vorsitzende der SPD Ende November 1990 ein drittes Mal offiziell die Landeshauptstadt. Ein nasskalter Novembertag mit Schneeschauern. Der Niedergang der Zustimmungswerte für die SPD, der bereits im Ergebnis der Volkskammerwahl 1990 sichtbar war, hatte sich zur Landtagswahl im Oktober 1990 manifestiert. Nicht besser sah es dann zur Bundestagswahl 1990 aus (Volkskammer 1990 – SPD 21,9 %; Th. Landtag 1990 – SPD 22,8 %, Bundestag 1990 SPD in Thüringen 21,9%)

Ein kleinerer Platz wurde gewählt

Daher wählte man nicht den Domplatz, sondern den Bahnhofsvorplatz, der damals noch nicht den Namen „Willy-Brandt-Platz“ trug. Ich hätte dieser großen Persönlichkeit gewünscht, dass ihm dieser schwach besuchte Auftritt erspart geblieben wäre.


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leserbrief_ta_frank_meyerDie Provinzposse von Erfurt – Das Willy-Brandt-Denkmal

Denkmal, gut, wenn man das, was am Ende dabei heraus kam, als solches bezeichnen möchte. Halb Erfurt erstarrte, als bekannt wurde, dass der Spruch „Willy komm ans Fenster“ auf das Dach des ehemaligen Hotels „Erfurter Hof“ montiert werden sollte. Darauf folgte ein Entrüstungssturm. Über mehrere Tage hinweg stellte die „Thüringer Allgemeine“ eine Rubrik denkmal_willy_brandt_erfurtfür Lesermeinungen zur Verfügung.

Die „begnadete“ Jury

Eine „begnadete“ Auswahljury, in der eine Reihe honoriger Professoren saßen, dazu der Erfurter OB Bausewein und die damalige Vorsitzende des Willy-Brandt-Vereins der Erfurter SPD, hatte sich für den Entwurf des Berliner Künstlers David Mannstein entschieden.

frank_meyer_brief_an_mannsteinDass die Menschen an diesem Donnerstag im März 1970 „Willy Brandt ans Fenster“ riefen, interessierte die Herren Professoren nicht, Zeitzeugen-Erinnerungen seien zu schwach, meinte der Chef der Erfurter Kunsthalle.

Die Blamage der Professoren

Die Uminterpretation wurde sogar mit Minnesang begründet, grotesk, was für eine Blamage für die Professoren.
Ich selbst setzte mich mit Mannstein in Verbindung und siehe da, es stellte sich heraus, dass der Künstler schlichtweg falsch informiert wurde. Quelle für den Spruch war das Foto eines Erfurter Fotografen, auf dessen Rückseite handschriftlich der Satz „Willy komm ans Fenster“ notiert war. Das Foto befindet sich im Fundus der Friedrich Ebert Stiftung in Erfurt.

Und Blamage für den SPD-OB der Stadt

Die Frage, wer diesen Satz auf das Foto schrieb und vor allem aus welchem Grund, wird wohl nie geklärt werden können, vielleicht ein Schabernack? Ein weiterer, vielleicht sogar der wichtigste Grund für die Entscheidung war der, dass Mannsteins Entwurf am billigsten realisiert werden konnte. Was für ein Zeugnis für einen SPD-Oberbürgermeister, der sich in Erfurt wahrhaftig noch kein Erinnerungsmal gesetzt hat, jedenfalls kein positives.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund,

Ihr F. C. Mey

Literatur von und über Willy Brandt

willy_brandt_erinnerungenSehr viel wurde über ihn geschrieben, in meinem Bücherregal stehen allein zwei Biografien, dazu ein Bildband von Jupp Darchinger. Wer die Wahl haben möchte, gebe einfach Literatur von und über Willy Brandt in eine Suchmaschine oder bei den einschlägig bekannten Großhändlern ein und er oder sie wird eine große Auswahl angeboten bekommen. Ich habe hier ein Buch ausgewählt, in dem er, Willy Brandt, über sich schreibt:

Willy Brandt – Erinnerungen

Die wichtigsten Stationen und Höhepunkte seines Lebens, drei Jahre vor seinem Tod niedergeschrieben. Angefangen bei seiner nicht-ehelichen Herkunft aus einer Lübecker Arbeiterfamilie, seinem aktiven Wirken gegen die NS-Diktatur und schließlich die Flucht vor den Nazis ins Exil. Sein Wirken von da aus gegen Hitler und gegen den Krieg, die Rückkehr nach dem Krieg nach Deutschland und die ersten Jahre in Berlin (dann Berlin-West). Seinen Aufstieg in der SPD, der ihm das Amt des Außenministers in der ersten großen Koalition mit der CDU einbrachte und schließlich seine Wahl zum ersten SPD-Kanzler. Am Ende der Abstieg nach der Guillaume-Affäre. Ein Spiegel der Geschichte der BRD.

willy_brandt_aus_dem_leben_eines_grossen_europaeersJupp Darchinger – Bilder aus dem Leben eines großen Europäers

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass dieser Bildband noch im Handel erhältlich ist, ein Werk, das ich nur empfehlen kann. Für mich besonders erfreulich, da ich Jupp mehrmals begegnet bin, da er sich auch hin und wieder in Erfurt aufhielt, wo er eine Reihe Ereignisse fotografisch dokumentierte. Der Bildband erschien kurz nach Willy Brandts Tod zu seinem Geburtstag am 18. Dezember 1993, da wäre er 80 Jahre alt geworden. „So steht er uns vor Augen: souverän, nachdenklich, verschlossen, inspirierend, Visionen beschwörend, Loyalität erzeugend. Aber auch einsam – sehr einsam …“

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Flucht und Vertreibung – ein Thema, am Tag der Veröffentlichung des Romans so aktuell wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Der Roman einer Familie, der Roman einer Flucht, der das Wort Mord hinzuzufügen wäre. Die Handlung beginnt im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs in Westpreußen, sie führt den Leser nach Königsberg, von dort, der Krieg bereits beendet, in das Herz des Reichs. Alles verloren, in der Hoffnung, ein kleines Stück Leben, eine neue Heimat zurück zu gewinnen. Lina von Leutenberg sucht verzweifelt Halt, sie schwankt hin und her, die Entscheidung, die Heimat zu verlassen, fällt ihr schwer. Ein Einzelschicksal, das für Unglück und Leid von Millionen steht.
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Die Familie lädt traditionell am Neujahrstag benachbarte Grundbesitzer, Bauern sowie die leitenden Angestellten der Güter und Freunde zu einem Festessen ein. Die Stimmung getrübt, nicht allein weil seit Tagen eine dichte Wolkendecke, die tief über der verschneiten Landschaft hängt, das Gefühl vermittelt, der Pulverdampf der Herbst-Kämpfe an der Ostfront habe sich wie ein durchnässtes Handtuch, schwer und wabernd, über die Köpfe der Menschen hinweg gespannt, was selbst das Atmen zur Last werden lässt.
Doch nicht allein das Wetter bedrückt, der seit 1914 tobende Krieg, der größte, den die Welt bis dahin kennenlernte, riss tiefe Wunden in zahlreiche Familien.
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„Außerdem haben wir den Polen nichts weggenommen“, meldet sich die Baronin abermals zu Wort, „dieses Land gehört uns seit Jahrhunderten, an uns übertragen von denen, die hier seinerzeit die Herrschaft ausübten. Unsere Vorfahren haben Wälder gerodet, Sümpfe trocken gelegt, Straßen gebaut, sie nahmen Land in Besitz, das andere vor ihnen für unbewohnbar hielten." Alle Leseproben>>>
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1 Kommentar zu "Willy Brandt – Tag der Hoffnung – 19.03.1970"

  1. Tolle Erinnerung, danke Paul

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