Jorge Amado zum 105. Geburtstag

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Der Altmeister der fein geschliffenen Worte

Jorge Amado – Geboren am 10. August 1912 in der Provinz Itabuna

Nacib bemerkte, dass sie – offenbar ihr Haar – nach Nelken duftete. „Sie können wirklich kochen?“
„O ja“, antwortete sie. In ihrem Haar wechselten Licht und Schatten, die Augen hatte sie gesenkt, mit dem rechten Fuß glitt sie über den Fußboden, als wollte sie tanzen… aus „Gabriela wie Zimt und Nelken“

Ilhéus – Bahia

Das Herz Brasiliens schlägt in Bahia. Nicht weil Salvador lange Zeit die erste Hauptstadt Brasiliens war. Lange vor Rio de Janeiro, noch länger vor Brasilia. Die Antwort erhält man, wenn man den malerischen Küsten folgt; beginnend im Norden an der Bucht von Jandaira, der Grenze zum nördlichen Bundesstaat Sergipe, in Richtung Süden, vorbei an Salvador, dem atemberaubenden Ilhéus bis hinab zum Mündungsgebiet des Rio Mucuri bei Mucuri, kurz vor der Grenze zum Bundesstaat Espirito Santo. Die südliche Küste Bahias gehört zum Nationalpark „Marinho dos Abrolhos“.
Die Opulenz dieser Landschaft, die Vitalität und Lebenslust der Bewohner sind eine der Grundlagen der Romane und Erzählungen Amados, deren Handlungsorte hier angesiedelt sind.
Bahia ist der Bundesstaat mit dem höchsten Anteil afrikanisch-stämmiger Einwohner und damit Zentrum des afro-brasilianischen Kults in Brasilien.

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Jorge Amado

Hier in Bahia, in der Provinz Itabuna, auf der Fazenda Auricídia, die seinem Vater, einem wohlhabenden Kakaoplantagenbesitzers gehörte, wurde Jorge Amado am 10. August 1912 geboren. Als Kind musste er miterleben, wie sein Vater von einem anderen Großgrundbesitzer erschossen wurde.
Er besuchte eine Jesuitenschule, schrieb bereits im Alter von zwölf Jahren Kurzgeschichten und mit fünfzehn Berichte für eine Zeitung.
Die Hauptpersonen in seinen Werken sind die einfachen Menschen und deren täglicher Kampf ums Überleben. Sie kommen in seinen späteren Werken jedoch nicht daher, wie die armen und geknechteten Figuren, wie man sie aus den Büchern kommunistisch orientierter Autoren kennt. Trotz Armut sind seine Helden kraftvoll und lebensbejahend. Ein Charakteristikum unter den Menschen noch heute, das man kennen lernt, wenn man einmal oder öfter dort war, sich mit ihnen beschäftigte und den Urlaub nicht nur in einer Bettenburg irgendwo am Meer verbrachte.
Mir war bekannt geworden, dass Amado einen offenen Haushalt führt und Gäste stets willkommen sind. Während meines ersten Besuchs in Salvador, im Jahre 1996, wollte ich ihn besuchen und unbedingt kennen lernen. Im Deutschen Konsulat erfuhr ich, dass er sich zu dieser Zeit in einem Pariser Krankenhaus aufhielt. 2001 im August starb er an den Folgen eines Herzinfarkts.
Amado, der in Ilhéus, Bahia, aufwuchs, war Mitglied der Kommunistischen Partei und setzte sich für die Rechte der Armen ein. Das brachte ihm in den 30 er Jahren Gefängnisaufenthalte und ein Exil von 1937 bis 1942 in Argentinien und Uruguay ein.
1945 wurde er Abgeordneter der Nationalversammlung für die kommunistische Partei (PCB) und arbeitete an der neuen brasilianischen Verfassung mit. Nach 1948 ging er erneut nach Europa ins Exil und hielt sich von 1948 bis 1950 in Paris und von 1951 bis 1952 in Prag auf. In Paris nannte man ihn „den brasilianischen Victor Hugo“, weil er inkognito seine Baguettes kaufte, ohne sich zu erkennen zu geben.

Amado besuchte 1948 die Sowjetische Besatzungszone und 1974 die DDR und würdigte die Aufbauerfolge dieses Landes. Nach langen Reisen kehrte er nach Brasilien zurück. Die erfreuliche Folge des Besuchs der DDR war die Tatsache, dass fast alle seine Bücher in der DDR verlegt und somit für uns verfügbar waren.
In dieser Zeit, die er überwiegend in den Staaten Osteuropas verbrachte, lernte er Ilja Ehrenburg, Bertolt Brecht und Anna Seghers kennen und verkehrte in Paris mit Sartre, Picasso und Aragon.
Während der Zeit seines zweiten Exils entstanden Schriften, die bis hinein in die Verherrlichung des Stalin-Kults reichten. Später distanzierte sich Amado von diesen Standpunkten.
Mit seinen Werken gilt er als einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Schriftsteller.
Während seine ersten Romane, erschienen in den 30 er Jahren, noch ideologisch überfrachtet, teils plakativ wirkten, setzte sich später die ihm eigene Poesie durch, die ihn zum „Meister des geschliffenen Wortes“ wachsen ließ.
Eine Reihe seiner Werke wurden verfilmt. „Dona Flor und ihre zwei Ehemänner“ wurde zu einem der erfolgreichsten brasilianischen Filme überhaupt und zur Grundlage für ein Musical und eine Fernsehserie. Amado war wiederholt Kandidat für den Literaturnobelpreis. Zu seinen Auszeichnungen gehört die Wahl 1961 zum Mitglied der Academia Brasileira de Letras (ABL), Stuhl Nr. 23. 1969 wurde er mit dem Prêmio Juca Pato ausgezeichnet, 1994 erhielt er den hochdotierten Prémio Camões.

Bücher

Als sein bekanntestes und bedeutendstes Werk gilt der Roman

Gabriela wie Zimt und Nelken

Der Roman erschien im Jahre 1958 und liegt in deutscher Übersetzung vor.
„Umrankt von einem wilden Reigen aus Intrigen und Klüngelgeschichten erzählt Amado darin die – für brasilianische Moralverhältnisse – revolutionäre Liebesgeschichte des etablierten Kneipiers Nacib und Gabriela, der armen Zuwanderin aus dem Hinterland, die mit ihrer zimtfarbenen Haut, mit ihrem Duft nach Nelken, ihrer Sinnenfreude und Kochkunst nicht nur den Nachkommen libanesischer Einwanderer verzaubert. Um Gabriela für sich zu behalten, bietet Nacib ihr die Ehe an – aber als Bürgerfrau ist das Mädchen unglücklich. Als sie schließlich ihren Ehemann betrügt, trennt sich der Gehörnte. Um dann anschließend die Ex-Ehefrau wieder als Geliebte zu nehmen. Unerhört war das für die Gesellschaft des vergangenen Jahrhunderts….“ schreibt Christine Wollowski in einem Beitrag vom 11. Oktober 2013 in Zeit online.
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Leseprobe: Ihr Blick wanderte von Gabriela zu Nacib. „Jung ist sie, wie? Jetzt wollen sie keine Alte mehr wie die Filomena?“ Sie lachte wie eine Verschwörerin. „Ich habe es ja immer gesagt, mich hat es nicht gewundert. Vor ein paar Tagen noch bin ich dem Zahnarzt auf der Straße begegnet. Durch einen seltsamen Zufall hatten wir gerade an diesem Tag Sitzung bei Deodoro. Es war genau heute vor einer Woche. Und als ich ihn sah, hörte ich die Stimme meines verstorbenen Mannes, der sagte: „Da steht er nun und schwatzt und doch ist er tot. Ich glaubte, mein Verstorbener scherze. Erst heute habe ich begriffen… Also, wenn sie irgendetwas brauchen“ – sie wandte sich wieder an Gabriela -, „dann rufen sie mich nur. Morgen unterhalten wir uns weiter. Herr Nacib ist mir wie ein Verwandter, er ist der Chef meines Chico.“Alle Leseproben finden Sie hier>>>
Eine weitere gehörige Briese Erotik liefert der im Jahre 1966 erschienene Roman

Dona Flor und ihre zwei Ehemänner

All das ist geschehen, glaube es, wer mag. In Bahia geschehen, wo der eine oder andere Zauberspuk vorkommt, ohne dass es jemanden sonderlich überrascht… So schreibt der Autor einleitend in seinem Roman.
Der Verdacht liegt nahe, dass die schöne Dona Flor einen Liebhaber hat, wenn man sie neben ihrem unscheinbaren neuen Gatten sieht. Seit ihr der verstorbene Ehemann als Geist erscheint, hat sie plötzlich zwei Männer. Jorge Amado erzählt ironisch und voller Phantasie eine erotische Menage à trois, in der die Gesellschaft an der Nase herumgeführt wird.
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Leseprobe: Als Dona Flor nach dem Nachmittagsunterricht aus dem Badezimmer kam und sich halb nackt, nur im Büstenhalter und Höschen, vor dem Spiegel parfümierte und kämmte, drang aus irgend einem Winkel des Zimmers zustimmendes Raunen zu ihr. Und doch hatte sie, bevor sie ins Bad gegangen war, den Raum untersucht und festgestellt, dass keiner ihrer zwei Ehemänner zugegen war: der Doktor befand sich noch in der Apotheke, und Vadinho hatte sich nach dem Ärgernis des Frühkurses zu lauer Luft verflüchtigt.
Wie dem auch sei: da saß der Haderlump auf dem Kleiderschrank und ließ die Beine baumeln. Im Dämmerschein, im Halblicht glich er dem Holzengel der Sakristei der Santa-Tereza-Kirche. Sein Blick fiel mit solcher Begierde auf Dona Flors Schultern, dass seine Lüsternheit wie Öl auf ihren feuchten Körper zu rieseln schien. „Mein Gott!“ murmelte Dona Flor und ergriff ihren Morgenrock, um ihn eilends überzustreifen.
„Warum denn das, mein Schatz? Meinst du etwa, ich kenne dich nicht durch und durch? Wo habe ich dich nicht schon geküsst? Was soll der Blödsinn? So was Dummes…“
Mit einem Tänzersprung – welche Behendigkeit der Bewegung! – durchstieß sein Körper Licht und Schatten und landete elegant auf dem eisernen Bett, mitten auf der neuen Sprungfedermatratze:
„Mein Kind, diese Matratze ist eine Wolke, sie ist fast zu gut. Meinen Glückwunsch.“
Lässig streckte er sich aus, ein Streifen Licht beschien das Lächeln seines sinnlichen, lockenden Gesichts. Die im Schatten sitzende Dona Flor betrachtete ihn.
„Komm her, Flor, leg dich zu mir, lass uns ein bisschen bummeln. Komm her, wir wollen uns mal auf dieser prachtvollen Matratze wälzen…“Alle Leseproben finden Sie hier>>>

Weitere bedeutende und in deutscher Sprache erhältliche Romane von Amado sind:
Das Verschwinden der heiligen Barbara – erschienen 1988
Die Werkstatt der Wunder – erschienen 1972
Mit der ›Werkstatt der Wunder‹ legte Amado sein Meisterwerk vor: Im Mittelpunkt steht der 100. Geburtstag von Pedro Archanjo, dessen ethnologisches Werk dem Dunkel entrissen werden soll. Doch statt als Akademiker entpuppt sich Archanjo als Apostel der Vermischung von Schwarz und Weiß, ein weiser Mestize, der getrieben von sinnlicher Neugier gerade das hervorbringt, was er beschreibt und liebt – den wilden Karneval von Bahía.
Jubiaba – erschienen 1935
Herren des Strandes – erschienen 1937
Mit faszinierender Intensität erzählt dieser Roman von dem Überlebenskampf einer Bande von Straßenkindern in Bahia, von ihrer Suche nach Zuflucht und Nähe. Ein außergewöhnliches, fesselndes Buch des großen, 2001 verstorbenen brasilianischen Schriftstellers, der seine Stimme zeitlebens den sozial Benachteiligten seiner Heimat geliehen hat. Heute aktueller denn je, ist es ein Plädoyer für Menschlichkeit und Solidarität.
Nächte in Bahia – erschienen 1964

Bücher von Jorge Amado

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"Chrissy..., Chrissy...", sie wiederholte meinen Namen mehrmals, von Husten und Lachen unterbrochen, dann drehte sie sich zu mir und nahm mich wieder in ihre Arme.
"Aus dir ist eine kleine verdorbene Hure geworden ...", raunte sie mir zu, sie knabberte an meinem Ohrläppchen, während sie mit einer Hand in meinen Schoß fuhr. „Deine Gier macht mich verrückt …“ Weil ich instinktiv meine Beine spreizte, drang sie in mich ein.
Obgleich mich das Wort "Hure" irritiert, sie benutzte dieses Wort zum ersten Mal.
chrissys_tagebuch_eBook_teil1_und2Dann fiel mir ein Dialog zwischen Henry Miller und Anais Nin aus unserm Roman ein, auf dessen Spuren wir uns bewegten. Er bezeichnete sie als kleine fick-geile Hure. "Du fickst so gut, du bist eine Sau im Bett", sagte er zu ihr. Als wir in meiner Wohnung am Abend meiner Rückkehr aus dem Urlaub zum ersten Mal voller Gier übereinander herfielen, redeten wir uns mit ähn-lichen Worten in diese Wiedersehens-Orgie hinein: "Saug` mir den letzten Tropfen aus, lutsch` meinen saftigen Pfirsich, fick mich jetzt, mein ganzer Körper fühlt sich an wie eine einzige große Fotze" Selbst dieses abscheuliche Wort war mir über die Lippen gegangen. Wir waren wie in einem Leib vereint, selbst unsere Hirne waren zu einem verschmolzen. Wie eine Flut der hemmungslosen Lust, die sich in einem einzigen Flussbett vereinte.
"Du hast mich zu deiner willigen Hure gemacht", antwortete ich. Dann zog ich meine Geliebte zwischen meine gespreizten Schenkel. Drei Finger ihrer Hand in mir, bewegte ich mein Becken unter Violas Last.
"Fick mich jetzt, wir sind zwei verruchte Dirnen, die nur ans Ficken denken, nur ficken, nur lieben ...", stöhnte ich. Die Spannung in meinem Bauch verlangte nach einem Orgasmus ... Alle Leseproben>>>

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