Manfred Krug ist tot – In Memoriam (2016)

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Manfred Krug – Schauspieler – Entertainer – Sänger – Abgehauen

Erinnerungen an einen der vielseitigsten Schauspieler Deutschlands

Manfred Krug – Abgehauen – Nie ist das DDR-System transparenter beschrieben worden als in diesem Tagebuch, das Manfred Krug vom Einreichen seines Ausreiseantrags bis zu dessen Genehmigung führte … Dieser Beitrag erschien erstmalig am 27. Oktober 2016 auf frank-c-mey.com

Manfred Krug

manfred_krugErst heute wurde bekannt, dass einer der ganz Großen des deutschen Schauspiels und Entertainments, Manfred Krug, bereits vor einigen Tagen im Alter von 79 Jahren in Berlin verstarb. Wenn die BILD in ihrer Online-Ausgabe titelt, er sei berühmt geworden durch die Sesamstraße oder als „Liebling Kreuzberg“, so stellt der zuständige Redakteur lediglich unter Beweis, dass er nichts oder nicht viel über diesen Mimen, Sänger und Geschichtenerzähler weiß, der vor seiner Übersiedlung am 20. Juni 1977 in die damalige BRD zu den bekanntesten Schauspielern der DDR gehörte und bei nicht wenigen dafür beliebt war, dass er im Rahmen des sehr begrenzt Möglichen Kritik an den Zuständen übte. amazonvideo

Ausbürgerung Biermanns

Sein Weggang war eine Reaktion auf die Ausbürgerung Wolf Biermanns ein Jahr zuvor, der eine ganze Reihe der bekanntesten Schauspieler der ehemaligen DDR folgten. Jeder erzeugte mit diesem Schritt eine winzige Welle, die sich im Laufe der folgenden Jahre miteinander und mit anderen überlagerten und schließlich bis zum Jahre 1989 zu diesem Tsunami anwuchsen, der diese furchtbare Grenze inmitten unseres Landes hinweg spülte. Manfred Krug war Zeit seines Lebens ein politischer Mensch. Auf biografisches wird hier verzichtet, dazu ist bereits genug geschrieben. Eins Sammlung von Interviews mit, von und über Manfred Krug finden Sie beim MDRHeute im Osten – Damals im Osten -.

Spur der Steine

Berühmtheit als Schauspieler erlangte er mit dem Film – Spur der Steine -, der im Jahre 1966, kurz nach seinem Erscheinen von der SED-Führung verboten wurde, weil, so hieß es seinerzeit, der Film die Errungenschaften der Arbeiterklasse in der sozialistischen DDR verhöhne. Die Wahrheit: Der Film lieferte eine radikale Auseinandersetzung mit der Planwirtschaft und der politischen Bürokratie in der damaligen DDR. Manfred Krug als raubeiniger Brigadeführer Hannes Balla verteilte mit sehr viel Komik gewürzt eine große Portion despektierlicher Seitenhiebe gegen das SED-Regime. Eine mutige Verfilmung des gleichnamigen Romans von Erik Neutsch, Regie Frank Beyer.

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Krug als Sänger

Bereits in seinen Anfangsjahren als Schauspieler widmete er sich außerdem dem Gesang. So erschien bereits Ende der 60 er unter dem Titel – Jazz, Lyrik und Prosa – eine Langspielplatte, die wenige Jahre später eingestampft wurde, weil sie Titel von Biermann enthielt. Mitte der 70er erschien die Platte neu, diesmal ohne Wolf Biermann. Die Kuh im Propeller ist meine Lieblingsnummer und Jazz, Lyrik und Prosa gehört zu meiner CD-Sammlung. Hier als Zugabe, nach der Kuh, der Flaschenzug… gute Unterhaltung.

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Eines seiner Lieder auf besagter LP nutzte ich als Hintergrundmusik für ein Video, das ich anlässlich einer AfD / Thügida Demonstration 2015 in Erfurt drehte: Die Ballade vom Briefträger William L. Moore aus Baltimore – Ausgesucht, weil der Text des Liedes dem Zweck oder, in diesem Falle, dem Gegenzweck der Demo entspricht. Der Auflauf von AfD und Thügida erfolgte aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, auf dem Höhepunkt der so genannten „Flüchtlingskrise“, nachdem auf Initiative der Kanzlerin die Grenzen für ca. 1 Million Flüchtlinge geöffnet wurden, die in Nässe und Kälte im Freien campierten – eine historische Entscheidung.

Krug als Schriftsteller

Aus dem Waschzettel: Das bekannteste seiner Bücher – Abgehauen – erschien am 1. September 2003: Nie ist das DDR-System transparenter beschrieben worden als in diesem Tagebuch, das Manfred Krug vom Einreichen seines Ausreiseantrags bis zu dessen Genehmigung führte. Dieses aufregende und erschütternde Dokument einer turbulenten Zeit und einer maroden Gesellschaftsordnung öffnet auch denen die Augen, die bereits manfred_krug_abgehaueneiner ganz anderen Generation angehören. So beschreibt es der Waschzettel, es steht in meinem Regal und ich kann es nur bestätigen.

Die Stasi war (fast) immer dabei

„Operative Information der Stasi: Sonnabend, den 18. 6. 1977: K r u g befand sich bis in die Nachmittagsstunden auf seinem Grundstück und war mit Verlade-Arbeiten beschäftigt. Da keine fremden Personen auf dem Grundstück sein durften, war es dem IMV nicht möglich, daran teilzunehmen.“ Das war der berüchtigte Stasi-Chef

Abgehauen – Der Film

Bereits im Jahre 1998, lange bevor das Buch erschien, drehte Frank Beyer den zweiteiligen dokumentarischen Fernsehfilm „Abgehauen“, das Drehbuch schrieb Ulrich Plenzdorf (Die Legende von Paul und Paula). Der erste Teil beschreibt eine Zusammenkunft bekannter DDR- Künstler und Intellektueller im Krugs Haus, wenige Tage nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR, darunter auch Plenzdorf und Beyer, die späteren Autoren des Films. Anwesend war außerdem das damalige Mitglied des Politbüros der SED, Werner Lamberz (später bei einem mysteriösen Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen) in Begleitung weiterer SED-Funktionäre. amazonvideo

Diskussion mit Vertretern des DDR-Politbüros

Ziel der SED-Vertreter war die Anwesenden zur Rücknahme einer Petition gegen die Ausbürgerung Biermanns zu bewegen, die von mehreren bekannten Künstlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wenige Tage davor verfasst und an das Politbüro der SED übergeben wurde. Der Inhalt war über Westmedien verbreitet worden und stieß in der DDR auf breite Zustimmung. Die Gespräche wurden von Manfred Krug mittels eines heimlich aufgestellten Tonbandgerätes aufgezeichnet. Das Ziel wurde nicht erreicht, was zur Folge hatte, dass zahlreiche Beteiligte mit Berufsverboten belegt wurden und in der Folge der DDR den Rücken kehrten.

Der größte Exodus in der DDR-Geschichte

Im Zweiten Teil des Films werden die Folgen, die die Unterzeichnung der Petition erdulden mussten, geschildert. Hier stellvertretend für alle anderen das Vorgehen der Partei- und Staatsorgane gegen Manfred Krug, der nicht allein, wie andere, ein Berufsverbot erhielt, sondern der sich erheblichem psychischen Terror ausgesetzt sah. Ihm blieb letztendlich keine andere Wahl, als mit seiner Familie die DDR in Richtung Westberlin zu verlassen.
Die Folge der Ausbürgerung Wolf Biermanns war der größte Exodus von Künstlern und Kulturschaffenden aus der DDR, der die Kunstszene erheblich ausdünnte und somit auch zum kulturellen Niedergang des SED-Regimes führte.

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Filmkritik

Lexikon des internationalen Films: Ein intensiver, zwischen Dokument und behutsamer Inszenierung angesiedelter Fernseh-Film, der sich ganz auf die wortreichen Debatten und Auseinandersetzungen konzentriert und bei wenig äußerer Aktion ein hohes Maß an Aufmerksamkeit für die Vielzahl von wichtigen Informationen und Tatsachen voraussetzt. Erst ganz zum Ende erlauben sich Frank Beyer und Manfred Krug einen emotionalisierenden, sehr anrührenden privaten Kommentar zur ansonsten sachlich-lakonischen Aufbereitung dieses wichtigen deutsch-deutschen Kapitels. Sie können beide Teile des Films kostenlos auf Youtube schauen oder hier

Wir haben einen großen Deutschen verloren.

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